Burgen Vogtlandkreis

Abhorn

Abhorn - Am Plohnbachtal by Gerhard Billig 1954 (KI-koloriert)

Abhorn

Am rechten Ufer des Plohnbaches soll sich in günstiger Lage auf einem Talsporn eine Wehranlage befunden haben, die jedoch durch ein Bauerngut überprägt wurde.

Die sichtbaren Reste, darunter möglicherweise ein Graben, sind fraglich. Nördlich des Bauerngutes münden zwei Bachläufe aus östlicher und südöstlicher Richtung in den Plohnbach. Ihre Täler bilden den östlichen und nördlichen Abschluss des Talsporns. Der Bach aus südöstlicher Richtung ist direkt am Gutshof teichartig gestaut. Es ist aber unwahrscheinlich, dass es sich dabei um einen Rest eines alten Wehrgraben handelt, da für den Stau immer ein Damm erforderlich war, der die Wehrhaftigkeit an dieser Stelle deutlich reduziert hätte.

Gegen eine alte Wehranlage spricht auch, dass es keinerlei Hinweise auf einen Graben gibt, der den Sporn im Süden zum Bergrücken absicherte.

Interessant ist lediglich die Lage an einem alten Abzweig des Weges von Auerbach nach Plohn mit dem in den Meilenblättern als „Kirchsteig“ bezeichneten Weg nach Rötelbach.

Abhorn - Am Plohnbachtal by Martin Salesch 2026

Adorf - Altes Haus

Das Alte Haus befindet sich in Spornlage am Einfluss des Tetterweinbaches in die Weiße Elster. Ein Steinbruch hat die Anlage im Norden beeinträchtigt. Nach der Beschreibung von Volkmar Geupel besteht sie aus einem unregelmäßig ovalem Kernwerk von etwa 20 x 12 m, das im Süden von einem sichelförmigen, bis zu 15 m breiten Abschnittsgraben gesichert wurde.

In den Meilenblättern von um 1800 ist der Steinbruch eingetragen. In dieser Darstellung nimmt er die gesamte Spornspitze ein. Sein Umriss lässt Fragen aufkommen, ob die als Befestigung interpretierten Strukturen bergmännischen Ursprungs sind. Zumal in den schriftlichen Überlieferungen bislang keine Quelle gefunden werden konnte, die direkt oder indirekt an dieser Stelle eine Befestigung benennt.

Adorf - Jugelsburg

Adorf - Jugelsburg by Rudolf Laser 1953 mit rekonstruierter Lage der Burg (Salesch 2026)

Adorf - Jugelsburg

1483 verliehen die sächsischen Kurfürsten dem Ehrenberg von Gessnitz (Gößnitz, Jößnitz) Gerichtsrechte über Hals und Hand „uff dem Gugelsbergk“. Daraus wird geschlossen, dass erst damit ein befestigter Sitz südlich von Adorf entstand.

Die Reste der Jugelsburg befinden sich heute oberhalb der Bahnlinie am rechten Elsterhang. Für den Bau der Bahnlinie Plauen-Eger (Cheb) wurde 1864 ein größerer Teil dieses Felsens gesprengt bzw. abgetragen. Eine Skizze, die Eduard Trauer 1853 angefertigt hat, gibt den einzigen Hinweis auf die Form der Befestigungsanlage. Nach Osten zum Bergrücken gab es demnach zwei Erdwälle, die einen trockenen Graben einfassten. Die Burgstelle selbst war von einer Mauer umgeben, die Trauer aber nur noch im Norden feststellen konnte. Vielleicht war sie im Süden aufgrund des steilen Hanges nicht notwendig. Im Kernbereich fand er Strukturen, die er als Gebäudereste deutete. An der Spornspitze dürfte sich ein runder Wehrturm befunden haben und an der Nordwestecke ein Tor. E. Trauer gibt als Maße der Befestigungsanlage 25 bis 30 m x 20 bis 24 m an.

Beim Eisenbahnbau wurden einige Funde aus Eisen gemacht, darunter Schwerter, Pfeil- oder Speerspitzen, Türangeln und -beschläge, Nägel und Pferdeeisen.

Im Gelände ist heute nur noch ein halbkreisförmiger Graben mit Wall zu erkennen, der als östlicher Abschluss der Befestigungsanlage angesehen werden kann. Übertragen auf die zeichnerisch skizzierten Angaben von E. Trauer, kann eine ursprüngliche Größe der Burg von 33 x 42 m angenommen werden mit einem Rundturm von 9 bis 10 m im Durchmesser.

Auf den Meilenblättern ist die Jugelsburg nicht verzeichnet, auf der gegenüberliegenden Seite der Weißen Elster am Einfluss des Pfaffenlohbaches aber der Galgenberg, der zu den verliehenen Gerichtsrechten passen würde.

Der Bau der Bahntrasse hat erheblich ins Landschaftsbild eingegriffen. Wenn man die Jugelsburg in den Meilenblättern von um 1800 markiert (hellgrüner Punkt), ist die für eine Burg ungewöhnliche Lage auf einem zur Weißen Elster stufenförmig abfallenden Geländes auffällig. Auch der Abstand der Burg zur Elsterniederung ist mit 110 m recht groß, zumal die Hauptwegetrasse am linken Elsterufen verlief. Am rechten Elsterufer befand sich der Mühlgraben mit einem dammartig aufgeschütteten Weg.

Skizze Martin Salesch (2026): Im Gelände ist nur der östliche Abschluss der Jugelsburg mit Wall (gelb) und Graben (blau) zu erkennen. Diese Geländespuren dienten als Maß für die Übertragung der Angaben bei Trauer und Uebel. Maßstabsgerechte Übernahmen aus den Meilenblättern um 1800 sind grün beschriftet.

Adorf - Remptengrün

Adorf - Remptengrün by Rudolf Laser 1953 (KI-koloriert)

Adorf - Remtengrün

Die Befestigungsanlage in Remtengrün befindet sich in einer feuchten Senke am Hang des Schwarzbachtales. Volkmar Geupel gibt die Größe des runden Bühls mit 14 m im Durchmesser an, die des Grabens mit 6 m und die des Außenwalls mit 2 bis 3 m. Von der stark verschliffenen Anlage ist aber nur noch der obere Teil des Kernwerks als leichte Bodenerhöhung sichtbar. Die Lage der Bühlburg ist interessant, da in der Nähe Spuren alter Handelswege vorzufinden sind.

Adorf - Altes Schloss Schönfeld

Altes Schloss Schönfeld by Landesverband Sächsischer Heimatschutz

Adorf - Altes Schloss Schönfeld

Südwestlich von Adorf befindet sich in der Quellmulde des Zeidelweidebaches eine Wall-Graben-Befestigung, die als Altes Schloss Schönfeld bekannt ist. Herren von Schönfeld fungierten zwischen 1236 und 1288 mehrfach als Zeugen in Urkunden der Vögte von Weida und Plauen sowie der Vögte von Straßberg.

Der im Durchmesser 28 m große, kreisrunde Bühl wird von einem 8 bis 10 m breiten Graben umgeben, in dem das Wasser des Zeidelweidebaches aufgestaut wird. Darum schließt sich ein etwa 7 m breiter Wall. Auf der Nordseite ist ein weiterer Graben zu erkennen, da hier von Nordwesten ein weiterer kleiner Bach einmündet. Das Gelände fällt im Bereich der Wehranlage von West nach Ost von 563 m über NN auf 560 m über NN ab. Der Bühl, der im Randbereich eine leichte Erhöhung aufweist entspricht dem westlichen Geländeniveau. Die Erdaufschüttung erfolgte also wohl nur partiell, um die Oberfläche in die Waagerechte zu bringen. Die Oberkante des Walles liegt heute etwa 1 m darüber, wobei sich auf der Ostseite neuzeitliche Veränderungen abzeichnen (z. B. in Form einer modernen Wasserregulierung).

Rudolf Laser erwähnt 1954 Spuren von ungemörteltem Mauerwerk, die 2 m vom Grabenrand zur Mitte des Bühls festzustellen waren. Ferdinand Mohr berichtet 1890, dass der Bühl „mit geschichteten Steinen, ohne Mörtelverbindung, eingefasst“ war. Funde gibt es bislang nicht.

Bedeutend für die Wehranlage sind die alten Wegespuren nach Süden, Südwesten und Nordosten, die sich hier kreuzen und noch deutlich im Gelände zu erkennen sind.

Zum Alten Schloss Schönfeld gehörte die Rodungssiedlung Zeidler, die sich wohl im Westen direkt anschloss und im 14. Jahrhundert wüst gefallen ist. Ein zugehöriger Wirtschaftshof kann ebenfalls erschlossen werden. Er ist noch in der Mitte des 15. Jahrhunderts als herrschaftlicher Hof bezeugt. Insgesamt dürfte die Gründung von Burg und Siedlung der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts und der egerländischen Ministerialität zuzurechnen sein. 1378 werden die Herren von Neidberg, die über große Ländereien im Ascher Ländchen verfügten, als Eigentümer genannt.

 

Ungefähr 200 m südlich des Alten Schlosses Schönfeld befindet sich im Wald ein künstlich aufgeschütteter Hügel vom etwa 4 m Durchmesser ohne erkennbaren Graben und Wall. Er wurde als Erdturmhügel, aber auch als Hügelgrab (A. Haase) bezeichnet.

Auerbach

Auerbach by Martin Salesch 2026

Auerbach

Ausgangspunkt der Stadtentwicklung von Auerbach ist die Burg, die wohl noch vor 1200 auf einem steilen Grauwackenquarzitfelsen errichtet wurde. Die Lage der Burg gleicht demnach der in Schöneck und Falkenstein. Die planmäßig angelegte Stadt unterhalb der Burg entstand aus einer dörflichen Struktur heraus an der Wende zum 14. Jahrhundert. Die Vögte von Weida, Gera und Plauen förderten zu dieser Zeit die Aufsiedlung des Göltzschtales.

Aus dem Jahr 1282 besitzen wir die erste Erwähnung eines Ministerialen (Cunradus de Urbach), der dem Vögten unterstellt war. Allerdings erhoben die Wettiner seit der Mitte des 14. Jahrhunderts Ansprüche, die ihnen 1372 im Pirnaer Vertrag von Karl IV. zugesprochen wurden. „Im Jahre 1402 versetzte Heinrich Voigt von Plauen (ein biederer, tapferer Herr, der den Mut hatte, die Verbrennung des Reformators Huss zu Kostnitz öffentlich bitter zu tadeln) „daz stettchin czum Gefelle vund vnssre Slos vnd stete vrbach, hus vund stat“, nebst dem Dorfe Röthenbach für 5000 Gülden an den Markgrafen Wilhelm von Meissen, weshalb denn diese drei Orte in der 1410 erfolgten Meissnischen Landestheilung namentlich mit aufgeführt sind.“ (Gustav Adolf Pönicke (Hrsg.:) Die Rittergüter und Schlösser im Königreich Sachsen, Band 5: Voigtländischer Kreis, 1859, Seite 83 f.).

Die Burg liegt in Spornlage. Von der mittelalterlichen Anlage haben sich jedoch nur der Stumpf des Rundturmes und wenige Mauerreste erhalten, die keinen Eindruck mehr von der ursprünglichen Gestalt geben. Der Turm hat einen Durchmesser von 7,5 m bei 2,3 m dicken Mauern. Neuzeitliche Bauten des Rittergutes (aber auch der Gestaltungswille des 19. Jahrhunderts) haben die Burg vollständig überprägt. Aus den Höhenlinien ist vage der Verlauf eines breiten Halsgrabens zu erkennen, der den Sporn gegen den Bergrücken sicherte.

Auf dem Felsen darf die Hauptburg angenommen werden, östlich davon die Vorburg, die später zum Rittergut umgebaut wurde. Es gibt allerdings am Südhang der Vorburg ein ebenes Plateau, das rittergutzeitlich als Gartenterrasse genutzt wurde. Allerdings ist hier der Halsgraben noch deutlich im Gelände zu sehen. Er umschließt das Plateau im Osten. Dieser Umstand deutet auf eine ältere Entstehungszeit. Eine neuzeitliche Anlage hätte auf den Graben sicherlich keine Rücksicht genommen. Die Geländestruktur deutet am westlichen Rand des Grabens einen Weg an, der in einer Rundung zur Burg hinaufführt. Das Plateau wäre demnach als eine weitere, etwas tiefer gelegene Vorburg mit Torcharakter zu interpretieren, was fortifikatorisch von Vorteil wäre. Der Weg verbindet die Burg mit dem Wirtschaftshof (später Rittergut unterer Teil) und der Stadt Auerbach. Die Schlossstraße, über die man heute nach oben gelangt ist aus dem nördlichen Abschnitt des Halsgrabens hervorgegangen. Der östliche Grabenbereich wurde neuzeitlich für den Einbau von Kellern genutzt.

Am Südhang ist der Umfassungsmauer der Hauptburg im Abstand von etwa 9,5 m eine weitere Mauer vorgelagert, so dass ein Zwinger entsteht. Billig und Müller vermuten an der Ostseite zwischen Vorburg und Zwinger ein Torhaus. Dies bedeutet, dass der Zuweg zur Hauptburg um den heutigen Vorplatz herumgeführt und wohl erst auf der Nordseite beim Turm eingemündet hätte.

Da aus den Meilenblättern kein Weg über den Bergrücken direkt zur Burg verläuft (die Sorgaer Straße liegt ein Stück weiter nördlich), war der Halsgraben wohl auch nicht überbrückt. Die Funktion der Burg Auerbach muss vielmehr auf Repräsentation und Administration konzentriert gewesen sein.

 

Archäologische Untersuchung hat es bislang nur 1955/1956 durch Helmut Martin gegeben. Auf der Westseite der Schlossterrasse wurde im Vorfeld einer Hangmauer-Sanierung ein 5,6 x 3,7 m großer Bereich bis auf den gewachsenen Felsen in 3,8 m Tiefe untersucht. Hier wurden mehrere Schichten ergraben, darunter auch zwei Brandschichten, die den Schlossbränden 1626 und 1757 zugeordnet wurden. Von besonderer Bedeutung war aber die Einmessung eines Wehrganges und eines Gewölbekellers, die zuvor unbekannt waren. Demnach gab es an der Südwest-Ecke der Schlossterrasse einen schiefwinkligen 8 x 6 bzw. 11 m großen Kellerraum mit Tonnengewölbe und Stützpfeiler. Flankierend zur vorgelagerten Bastion führte von diesem Raum eine etwa 4 m lange Scharte, die wohl eher der Beleuchtung und Belüftung diente als der Verteidigung. Der Kellerraum ist durch einen 1,2 m breiten und 1,85 m hohen gewölbten Gang mit dem nordwestlichen Abschnitt der Hangmauer verbunden. Der Zugang zum Gang erfolgte durch eine steinerne Wendeltreppe, die unter einem Gebäude an dieser Stelle angelegt worden sein muss (kleiner Rundturm?). Da die aufgefundenen Kellerräume von den beiden Brandschichten überdeckt werden, ist deren Anlage vor 1600 anzusetzen.

Es konnten bei der Ausgrabung 1955/1956 zahlreiche Funde gemacht werden, deren älteste in das 12. Jahrhundert datiert werden können. Ob tatsächlich Keramik der slawischen Art darunter ist, kann derzeit noch nicht abschließend beurteilt werden. Eine Nutzung der Kellerräume muss den Funden zufolge bis in das 17. Jahrhundert erfolgt sein. Es sind militärische Funde dabei (Musketenkugeln), aber auch Hausrat (Grapen), Gebrauchsgeschirr, Ofenkacheln, Beschläge und ähnliches.

Die Interpretation als „Hungerturm“ oder „Folterkeller“, die Helmut Martin ins Spiel gebracht hat, konnte bislang nicht verifiziert werden.

Bobenneukirchen

Bobenneukirchen Bühl by Martin Salesch 2025

Bobenneukirchen

Die Ersterwähnung Bobenneukirchens steht im Zusammenhang mit einer für die Vögte von Weida, Plauen und Gera wichtigen Einigung. Im Vertrag von Bobenneukirchen verständigten sich die drei Vögte Heinrich der Alte, Heinrich der Jüngere und Heinrich auf ihre Rechte im Regnitzland. Obwohl diese Urkunde mit der Formulierung „Baben Nuenkirchen an des iares tages abent, do man zalte von unsers heren gotes geburt tusend iar zweihundert iar und in dem sehsten iar“ (also 1206) hat sich die Forschung mittlerweile auf die Ausstellung der Urkunde am 31.12.1296 festgelegt. Die Einigung der drei Vogtslinien, die von den Burggrafen von Meißen und von Coldiz bezeugt wurde, sollte die Herrschaftsausübung erleichtern und das gemeinsame Anrecht auf das Regnitzland sichern.

Für die Verhandlungen, die diesem Familienvertrag vorausgingen, brauchte es einen geeigneten Tagungsort, der direkt neben der „Neuen Kirche“ gegeben war. Erhalten davon ist ein runder Bühl von 16 m Durchmesser (bei Laser nur 11 m), der von einem 8 m breiten Graben und einem 5 m breiten Wall gesichert war. Der Wall ist größtenteils eingeebnet, aber in seinem Ausmaß zu bestimmen. Im Abstand von 12 m befindet sich an der Südwestseite ein kleiner Teich („Grottensee“ oder „Krötensee“ genannt), dessen ursprüngliche Ausdehnung noch als Senke im Gelände zu erkennen ist. Es scheint sich um einen ehemaligen Halsgraben von 13 m Breite zu handeln, der eine etwa 7.000 m2 große Fläche nach Westen abtrennte. Im Osten fällt das Gelände recht steil zum Schafbach ab. Im Süden schließt sich ebenfalls eine Senke an, die wohl als Verkehrsweg genutzt wurde. Darauf deutet jedenfalls der Name „An der Hohle“.

Östlich des Bühls schließt sich das Gelände des ehemaligen Rittergutes und der Kirchhof an.

In Bobenneukirchen kreuzen sich ältere Verkehrswege aus Süden und Südwesten (Hof, Regnitzland), die nach Nordosten (Richtung Oelsnitz) zu führen.

Bobenneukirchen by Rudolf Laser 1953

Burgstein

Burgstein mit Krebes im Hintergrund by Martin Salesch 2026

Burgstein

Der Burgstein ist eine 541 m hohe Erhebung. Auf der markanten Grünstein-Felskuppe stehen die Ruinen von zwei gotischen Kirchen, deren eine (die obere oder westliche genannt) um 1475 und die andere (untere oder östliche) um 1485 erbaut worden sein sollen (nach Dehio und Steche). Beide bis zur Reformation als Wallfahrtskirchen genutzten Gebäude bestehen aus Diabasbruchsteinen. Auffällig ist der wehrhafte Baukörper der oberen Kirche, an dessen Ostseite nachträglich ein Chorraum angebaut wurde. Für diesen Wehrbau wird eine Entstehung um 1200 angenommen. Allerdings gibt es im Umfeld keine weiteren Elemente einer Burganlage.

Unter der Leitung von Gerhard Billig erfolgten im Jahr 1992 archäologische Ausgrabungen auf dem Burgstein im Vorfeld einer Sicherungsmaßnahme. Sie konzentrierten sich auf die Ruine der unteren Kirche. Die Ergebnisse wurden bislang jedoch nicht publiziert. Im gleichen Zusammenhang erfolgte eine Bauforschung durch Norbert Oelsner und Günter Kavacs (Sächsisches Landesamt für Denkmalpflege), deren Ergebnisse 1996 veröffentlicht wurden und als Grundlage der folgenden Ausführung dienen.

Die beiden nach Osten ausgerichteten Kapelle liegen nur 12 m voneinander entfernt. Die untere östliche Kapelle ist ein einheitlicher Saalbau aus Bruchsteinmauerwerk mit eingezogenem, dreiseitig geschlossenem Chor. Der im Grundriss annähernd quadratische Saal hat in der Nord-, West- und Südwand jeweils ein spitzbogiges Portal. Nach R. Steche weist die Anordnung der Portale auf die Nutzung als Wallfahrtskirche hin. Während der Saal wohl eine flache Holzbalkendecke hatte, war der durch einen Triumphbogen abgetrennte Chor gewölbt.

Die obere westliche Kapelle befindet sich auf der höchsten Felskuppe direkt auf dem Felsen. Sie besteht aus zwei unterschiedlichen Baukörpern: Einem (aufgrund der Topografie) schiefwinkligen Raum, der als älter erkannt wurde, und einen dreiseitig geschlossenen Chorraum. Der ältere Raum fällt durch deutlich breitere Mauern auf (2,2 m gegenüber 1,5 m). Auf der Südseite befindet sich ein etwa 3 m über dem Umgebungshorizont gelegener Zugang. Es kann angenommen werden, dass dieses Portal ursprünglich mit einem Werksteingewände versehen war. Fraglich bleibt, wie der ursprüngliche Zugang zu diesem Portal und in das Gebäude (hier gibt es einen Höhenunterschied zum Fußbodenniveau) gestaltet war. Der saalartige Raum besaß an der West-, Nord- und Ostseite jeweils ein Spitzbogiges Fenster. Auf der später aufgebrochenen Ostwand ist hier nur noch ein Fragment erhalten geblieben.

Der ursprünglich gewölbte Raum (Geschosshöhe wohl etwa 9 m) besaß ein Obergeschoss, das über eine Wendeltreppe an der Südwestecke erreicht werden konnte. Im Obergeschoss ist in der Südwand der Rest eines Fensters zu erkennen. Die Ostwand dieses turmartigen Gebäudes wurde nachträglich aufgebrochen, um in Form eines Triumphbogens einen Zugang zum Choranbau zu schaffen. Da sich der Chor auf deutlich tieferem Gelände neben der Felskuppe befindet war hier ein etwa 4,5 m hohes Untergeschoß notwendig. Der Zugang zum mittig längsgeteilten Untergeschoss erfolgte über eine Treppe in der Südwand. Der wohl tonnengewölbte Raum weist im östlichen Bereich mehrere kleine Nischen und Fensterluken auf, sowie ein liturgisches Wasserbecken (Piscina) mit Ablauf nach außen.

Das Obergeschoss des Choranbaus besaß ebenfalls ein Gewölbe (wohl ein Rippengewölbe) und drei hohe Fenster am südöstlichen Abschluss.

Die Untersuchungen von Martina Bundszus verschiedener Dokumente ergaben den Hinweis, dass auf dem Berg wohl noch vor Mitte des 15. Jahrhunderts mit dem Bau einer Burg begonnen wurde. Beendet wurde der Bau allerdings nicht, was auf einen „Zwietracht der Lehnsherren“ (den Burggrafen von Nürnberg, den Vögten von Gera und den Vögten von Plauen) zurückgeführt wird. Zur Begründung des Burgsteins als Wallfahrtsort wird auf eine Marienerscheinung „zweier armer Männer“ verwiesen. Die Genehmigung dafür wurde allerdings durch die Frage der Zuständigkeit begleitet, die zwischen dem Bischof von Naumburg und dem Bischof von Bamberg ausgetragen wurde.

Untere Kapelle by Martin Salesch 2026

Obere Kapelle by Martin Salesch 2026

Elsterberg

Burg Elsterberg by Martin Salesch 2025

Elsterberg

Das Gebiet um Elsterberg war zwischen den Herrn von Lobdeburg und den Vögten von Weida umstritten. Das „Alte Haus“ kam nach einer grundsätzlichen Einigung zwischen beiden Häusern Anfang des 13. Jahrhunderts unter die Lehnsherrschaft der Vögte. Dies mag ein Grund sein, warum die Lobdeburger mit Burg und Siedlung Elsterberg begannen. 

Vor 1225 sollen die Herren von Lobdeburg eine Burg in Elsterberg erbaut haben. Eine Urkunde aus diesem Jahr benennt Burgmannen (castellani de Elstirberg). Die Burg steht auf einem markanten Bergsporn (310 m über NN) im Tal der Weißen Elster und wird von diesem Fluss im Norden, Osten und Süden umflossen. Die Burg ist durch einen etwa 20 m Graben in eine kleinere Vorburg an der Spornspitze (knapp 800 qm Fläche) und eine große Hauptburg (mehr als 6.000 qm) aufgeteilt.

Es wird davon ausgegangen, dass die älteste Burganlage im Vogtländischen Krieg zerstört wurde. In einer Urkunde aus dem Jahr 1366 ist jedenfalls vom „neuen Schloss“ die Rede. Als Erbauer wird Hermann V. von Lobdeburg-Elsterberg angenommen, der für die Schlosskapelle einen der Heiligen Barbara gewidmeten Altar stiftete. Nach den Lobdeburgern kamen die Markgrafen von Meißen in den Besitz der Burg. Zwischen 1428/29 und 1657 waren die Herren von Bünau im Besitz der Herrschaft Elsterberg. Anschließend, vom Anfang des 17. Jahrhunderts bis zur Übernahme durch die Stadt Elsterberg im Jahr 1909, gab es mehrere Besitzerwechsel. 1744 wird allerdings das „wüste Schloß“ erwähnt. Zu dieser Zeit setzte der Verfall und der teilweise Abbruch der Gebäude ein. Vor allem nach dem Stadtbrand von 1844 wurde Baumaterial in großem Stil entnommen.

Es lassen sich also drei wesentliche Bauphasen unterscheiden: Vor 1225, vor 1366 und in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Es ist allerdings schwierig die einzelnen Bauphasen voneinander zu trennen.

 

Besonders auffällig ist die mächtige, in fünf Segmenten abgewinkelte Westmauer der Kernburg, die wohl zur ersten Bauphase gehört. Hinter ihr befand sich ein mit fünf schmalen Räumen unterkellertes, nach Süden spitz geformtes Gebäude, das als Palas der Burg interpretiert wird. Dieses Gebäude ist etwa 27 x 18 m groß. Im Norden schließt sich ein schmaler (8 m x 31 m), ost-west ausgerichteter Gebäudetrakt mit etwas tiefer gelegenem Keller an. Hier wird nach Thiele Waffenkammer und Speisesaal vermutet. Auf der Stadtansicht von 1721 ist dieser große Raum mit Fachwerkoberschoss und hohem Dach verzeichnet. Vom nördlichen Trakt ist auf dieser Zeichnung der Westgiebel gut zu erkennen. Wahrscheinlich gehörte zur ersten Bauphase auch schon der ummauerte Hof mit Brunnen und Wirtschaftsgebäuden, sodass insgesamt ein annähernd rechteckiger Komplex von 74 x 32 m existierte. Einen Turm benötigte diese Anlage nicht, da die Burg gar nicht auf die Kontrolle der Umgebung ausgerichtet war, sondern auf die Sicherung der Elsterfurt und der entstehenden Siedlung.

In der Westwand sind im Kellergeschoß schmale, nach oben geführte Lichtschächte erhalten. Im ersten Obergeschoss gibt es große Fensternischen, die aber sicherlich erst in späterer Zeit so eingerichtet wurden. Hier gab es, wie Beyerlein erwähnt, Holzrahmen oder Steingewände, die mit seitlichen Maueröffnungen in Verbindung stehen. „Bei einigen Fenstern […] erkennt man deutlich die Löcher für die Pfosten der seitlichen Fensterbänke, zum Teil auch die Untermauerungen der Sitze und die abgebrochenen Pfosten selbst,“ schreibt Beyerlein. Allerdings befinden sich diese Löcher immer auf zwei Höhen nur an einer Seite der Fensternischen. Da es an der Außenseite der Mauer über den Fenstern schmale Absätze gibt bietet sich aber auch eine Interpretation als Vorrichtung für Fensterladen an, die (vielleicht nur im Winter) vor die Fenster gesetzt und von innen querverriegelt wurden. 

Insgesamt fehlen dem Bau markante Verteidigungsanlagen, wie Schießscharten. Dies wäre zu begründen mit der Funktion der Burg als Sitz eines Burgmannen. Ungeklärt ist, inwieweit der als Vorburg bezeichnete Bereich auf der Spornspitze bereits von der Kernburg abgetrennt war. Der Wallgraben, der die Burganlage im Westen, Süden und Osten sicherte (im Norden war dies nicht notwendig), kann ja erst mit der Konstruktion der äußeren Mauer (sogenannte Zwingermauer) entstanden sein. Die sichtbaren Felshänge auf denen die Kernburg steht, reichten vielleicht schon als ein Annäherungshindernis aus. Einige Schießscharten in den Türmen der äußeren Mauer werden erst in das letzte Viertel des 15. Jahrhundert (Turm II) bzw. in die erste Hälfte des 16. Jahrhunderts (Turm III) datiert.

Für die äußere Mauer ist eine erste Errichtung im Zuge der Stadtgründung Elsterbergs (Verleihung der Stadtrechte am 1. Mai 1368) denkbar. Interessant ist der direkte Anschluss der Stadtmauer an der Nordwest- und der Südecke der Burg. Hypothetisch wäre zu fragen, ob die nördliche und östliche Sicherung der Burg (im Osten zusammen mit dem Graben auf dieser Seite) als Teil der Stadtumwehrung zu werten ist. Die nach Süden vorgeschobene Mauerspitze an Turm III könnte dafür ein Hinweis sein. Diese Spitze resultiert sehr wahrscheinlich aus einer bereits bestehenden Mauerführung und nicht aus einer topografischen Gegebenheit.

Somit wäre die äußere Mauer im Westen und Süden der dritten Bauphase im 15. Jahrhundert zuzuweisen. Dieser Abschnitt unterscheidet sich deutlich von den anderen Bereichen des äußeren Mauerringes schon allein durch den Einbau von Nischen mit Schießscharten. Hier richtet sich die Verteidigung gegen die Stadt. Durch den Mauerschluss und den Bau von vier Toren erschwerte sich der Zugang zur Kernburg. Der Grund dafür mag darin zu finden sein, dass nunmehr eigenständige Edelleute in der Burg residierten.

Die sogenannte Vorburg auf der östlichen Spornspitze liegt deutlich unter dem Niveau der Kernburg bei 302 m über NN. Dies scheint der Grund dafür zu sein, dass der Kernbereich der Burg nicht hier, sondern an der höchsten Stelle des Sporns gebaut wurde. Der Zugang zur Burg erfolgte wohl nicht über diesen Bereich, da die Hänge zur Elster steil abfallen. Denkbar wäre ein Zugang durch den etwa 15 m breiten und 5 bzw. 11 m tiefen (in Bezug auf die „Vorburg“ bzw. Hauptburg) Graben und dann eigentlich einmal um die Befestigung herum. Der Eingang zur Hauptburg befand sich in der Südostecke. Dort hat sich der Ansatz eines Portals erhalten.

Burg Elsterberg by Martin Salesch 2025

Falkenstein

Falkenstein by Martin Salesch 2026

Falkenstein

Einen ersten schriftlichen Hinweis auf Falkenstein gibt eine Überlassungsurkunde des Plauener Vogtes an das Kloster Waldsassen aus dem Jahr 1267, die von Johannes de Valkinstein bezeugt wird. Die Zeugen dieser Angelegenheit sind Grundherr [dominus] H[einric] Prior von Plawe, Grundherr [dominus] Rudgerus von Sparrenek, Heinrich von Gorkewiz, Johann von Valkinstein, Albert von Machwiz, sein Bruder Reimboto von Widersberch und viele andere. Danach gehört Johann von Falkenstein zum inneren Kreis der Gefolgsleute des Vogtes.

Es wird davon ausgegangen, dass der Falkensteiner Raum erst im Zuge des mittelalterlichen Landesausbaus ab dem 13. Jahrhundert besiedelt wurde. Die Herren von Falkenstein werden dabei als Kolonisten aus dem fränkischen Raum (Zweig der Adelsfamilie Vasmann) gedeutet, die auf oder bei dem markanten Quarzitfelsens eine Burg errichteten. Auch die Siedler kamen wohl hauptsächlich aus Franken.

Leider können wir über die Konstruktion der ersten Burg keine Aussagen treffen, da spätere Bauten starke Veränderungen verursacht haben. Der Quarzitfelsen, der sich als geologische Struktur von Schöneck bis Auerbach zieht, ist etwa 13 m breit und 40 m lang. Er gliedert sich in einen höheren Bereich (585 m über NN) im Süden und einen niedrigeren Bereich im Norden. Allgemein wird angenommen, dass auf der Felsenspitze ein Wehrturm stand. Im nördlichen Bereich ist ein Brunnenschacht erhalten. Westlich des Felsens gibt es eine größere Fläche, die später vom Rittergut überbaut wurde. Hier wären Haupt- und Vorburg zu vermuten, denn auf dem schmalen Felsen ist eine dauerhafte Nutzung kaum vorstellbar. Der Felsen dürfte eher als Rückzugsort im Angriffsfall und mit seinem Turm natürlich auch als weithin sichtbares Herrschaftssymbol gedient haben.

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