Burgenlandschaft Sächsisches Vogtland

Auf dieser Seiten sollen die einzelnen Burgen in alphabetischer Reihe vorgestellt werden.

Um die Artikel nicht zu überfrachten, wurde auf Literaturangaben an dieser Stelle verzichtet. Im Aufbau befindet sich aber eine Bibliographie zur vogtländischen Burgenforschung, die demnächst auf unserer neuen Internetseite eingestellt werden wird.

Abhorn

Abhorn - Am Plohnbachtal by Gerhard Billig 1954 (KI-koloriert)

Abhorn

Am rechten Ufer des Plohnbaches soll sich in günstiger Lage auf einem Talsporn eine Wehranlage befunden haben, die jedoch durch ein Bauerngut überprägt wurde.

Die sichtbaren Reste, darunter möglicherweise ein Graben, sind fraglich. Nördlich des Bauerngutes münden zwei Bachläufe aus östlicher und südöstlicher Richtung in den Plohnbach. Ihre Täler bilden den östlichen und nördlichen Abschluss des Talsporns. Der Bach aus südöstlicher Richtung ist direkt am Gutshof teichartig gestaut. Es ist aber unwahrscheinlich, dass es sich dabei um einen Rest eines alten Wehrgraben handelt, da für den Stau immer ein Damm erforderlich war, der die Wehrhaftigkeit an dieser Stelle deutlich reduziert hätte.

Gegen eine alte Wehranlage spricht auch, dass es keinerlei Hinweise auf einen Graben gibt, der den Sporn im Süden zum Bergrücken absicherte.

Interessant ist lediglich die Lage an einem alten Abzweig des Weges von Auerbach nach Plohn mit dem in den Meilenblättern als „Kirchsteig“ bezeichneten Weg nach Rötelbach.

Abhorn - Am Plohnbachtal by Martin Salesch 2026

Adorf - Altes Haus

Das Alte Haus befindet sich in Spornlage am Einfluss des Tetterweinbaches in die Weiße Elster. Ein Steinbruch hat die Anlage im Norden beeinträchtigt. Nach der Beschreibung von Volkmar Geupel besteht sie aus einem unregelmäßig ovalen Kernwerk von etwa 20 x 12 m, das im Süden von einem sichelförmigen, bis zu 15 m breiten Abschnittsgraben gesichert wurde.

In den Meilenblättern von um 1800 ist der Steinbruch eingetragen. In dieser Darstellung nimmt er die gesamte Spornspitze ein. Sein Umriss lässt die Frage aufkommen, ob die als Befestigung interpretierten Strukturen bergmännischen Ursprungs sind. Zumal in den schriftlichen Überlieferungen bislang keine Quelle gefunden werden konnte, die direkt oder indirekt an dieser Stelle eine Befestigung benennt.

Adorf - Jugelsburg

Adorf - Jugelsburg by Rudolf Laser 1953 mit rekonstruierter Lage der Burg (Salesch 2026)

Adorf - Jugelsburg

1483 verliehen die sächsischen Kurfürsten dem Ehrenberg von Gessnitz (Gößnitz, Jößnitz) Gerichtsrechte über Hals und Hand „uff dem Gugelsbergk“. Daraus wird geschlossen, dass erst damit ein befestigter Sitz südlich von Adorf entstand.

Die Reste der Jugelsburg befinden sich heute oberhalb der Bahnlinie am rechten Elsterhang. Für den Bau der Bahnlinie Plauen-Eger (Cheb) wurde 1864 ein größerer Teil dieses Felsens gesprengt bzw. abgetragen. Eine Skizze, die Eduard Trauer 1853 angefertigt hat, gibt den einzigen Hinweis auf die Form der Befestigungsanlage. Nach Osten zum Bergrücken gab es demnach zwei Erdwälle, die einen trockenen Graben einfassten. Die Burgstelle selbst war von einer Mauer umgeben, die Trauer aber nur noch im Norden feststellen konnte. Vielleicht war sie im Süden aufgrund des steilen Hanges nicht notwendig. Im Kernbereich fand er Strukturen, die er als Gebäudereste deutete. An der Spornspitze dürfte sich ein runder Wehrturm befunden haben und an der Nordwestecke ein Tor. E. Trauer gibt als Maße der Befestigungsanlage 25 bis 30 m x 20 bis 24 m an.

Beim Eisenbahnbau wurden einige Funde aus Eisen gemacht, darunter Schwerter, Pfeil- oder Speerspitzen, Türangeln und -beschläge, Nägel und Pferdehufeisen.

Im Gelände ist heute nur noch ein halbkreisförmiger Graben mit Wall zu erkennen, der als östlicher Abschluss der Befestigungsanlage angesehen werden kann. Übertragen auf die zeichnerisch skizzierten Angaben von E. Trauer und H. Uebel kann eine ursprüngliche Größe der Burg von 33 x 42 m angenommen werden, mit einem Rundturm von 9 bis 10 m im Durchmesser.

Auf den Meilenblättern ist die Jugelsburg nicht verzeichnet, auf der gegenüberliegenden Seite der Weißen Elster am Einfluss des Pfaffenlohbaches aber der Galgenberg, der zu den verliehenen Gerichtsrechten passen würde.

Der Bau der Bahntrasse hat erheblich ins Landschaftsbild eingegriffen. Wenn man die Jugelsburg in den Meilenblättern von um 1800 markiert (hellgrüner Punkt), ist die für eine Burg ungewöhnliche Lage auf einem zur Weißen Elster stufenförmig abfallenden Geländes auffällig. Auch der Abstand der Burg zur Elsterniederung ist mit 110 m recht groß, zumal die Hauptwegetrasse am linken Elsterufen verlief. Am rechten Elsterufer befand sich der Mühlgraben mit einem dammartig aufgeschütteten Weg.

Skizze Martin Salesch (2026): Im Gelände ist nur der östliche Abschluss der Jugelsburg mit Wall (gelb) und Graben (blau) zu erkennen. Diese Geländespuren dienten als Maß für die Übertragung der Angaben bei Trauer und Uebel. Maßstabsgerechte Übernahmen aus den Meilenblättern um 1800 sind grün beschriftet.

Adorf - Remptengrün

Adorf - Remptengrün by Rudolf Laser 1953 (KI-koloriert)

Adorf - Remtengrün

Die Befestigungsanlage in Remtengrün befindet sich in einer feuchten Senke am Hang des Schwarzbachtales. Volkmar Geupel gibt die Größe des runden Bühls mit 14 m im Durchmesser an, die des Grabens mit 6 m und die des Außenwalls mit 2 bis 3 m. Von der stark verschliffenen Anlage ist aber nur noch der obere Teil des Kernwerks als leichte Bodenerhöhung sichtbar. Die Lage der Bühlburg ist interessant, da in der Nähe Spuren alter Handelswege vorzufinden sind.

Adorf - Altes Schloss Schönfeld

Altes Schloss Schönfeld by Landesverband Sächsischer Heimatschutz

Adorf - Altes Schloss Schönfeld

Südwestlich von Adorf befindet sich in der Quellmulde des Zeidelweidebaches eine Wall-Graben-Befestigung, die als Altes Schloss Schönfeld bekannt ist. Herren von Schönfeld fungierten zwischen 1236 und 1288 mehrfach als Zeugen in Urkunden der Vögte von Weida und Plauen sowie der Vögte von Straßberg.

Der im Durchmesser 28 m große, kreisrunde Bühl wird von einem 8 bis 10 m breiten Graben umgeben, in dem das Wasser des Zeidelweidebaches aufgestaut wird. Darum schließt sich ein etwa 7 m breiter Wall. Auf der Nordseite ist ein weiterer Graben zu erkennen, da hier von Nordwesten ein weiterer kleiner Bach einmündet. Das Gelände fällt im Bereich der Wehranlage von West nach Ost von 563 m über NN auf 560 m über NN ab. Der Bühl, der im Randbereich eine leichte Erhöhung aufweist, entspricht dem westlichen Geländeniveau. Die Erdaufschüttung erfolgte also wohl nur partiell, um die Oberfläche in die Waagerechte zu bringen. Die Oberkante des Walls liegt heute etwa 1 m darüber, wobei sich auf der Ostseite neuzeitliche Veränderungen abzeichnen (z. B. in Form einer modernen Wasserregulierung).

Rudolf Laser erwähnt 1954 Spuren von ungemörteltem Mauerwerk, die 2 m vom Grabenrand zur Mitte des Bühls festzustellen waren. Ferdinand Mohr berichtet 1890, dass der Bühl „mit geschichteten Steinen, ohne Mörtelverbindung, eingefasst“ war. Funde gibt es bislang nicht.

Bedeutend für die Wehranlage sind die alten Wegespuren nach Süden, Südwesten und Nordosten, die sich hier kreuzen und noch deutlich im Gelände zu erkennen sind.

Zum Alten Schloss Schönfeld gehörte die Rodungssiedlung Zeidler, die sich wohl im Westen direkt anschloss und im 14. Jahrhundert wüst gefallen ist. Ein zugehöriger Wirtschaftshof kann ebenfalls erschlossen werden. Er ist noch in der Mitte des 15. Jahrhunderts als herrschaftlicher Hof bezeugt. Insgesamt dürfte die Gründung von Burg und Siedlung der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts und der egerländischen Ministerialität zuzurechnen sein. 1378 werden die Herren von Neidberg, die über große Ländereien im Ascher Ländchen verfügten, als Eigentümer genannt.

 

Ungefähr 200 m südlich des Alten Schlosses Schönfeld befindet sich im Wald ein künstlich aufgeschütteter Hügel vom etwa 4 m Durchmesser ohne erkennbaren Graben und Wall. Er wurde als Erdturmhügel, aber auch als Hügelgrab (A. Haase) bezeichnet.

Auerbach

Auerbach by Martin Salesch 2026

Auerbach

Ausgangspunkt der Stadtentwicklung von Auerbach ist die Burg, die wohl noch vor 1200 auf einem steilen Grauwackenquarzitfelsen errichtet wurde. Die Lage der Burg gleicht demnach der in Schöneck und Falkenstein. Die planmäßig angelegte Stadt unterhalb der Burg entstand aus einer dörflichen Struktur heraus an der Wende zum 14. Jahrhundert. Die Vögte von Weida, Gera und Plauen förderten zu dieser Zeit die Aufsiedlung des Göltzschtales.

Aus dem Jahr 1282 besitzen wir die erste Erwähnung eines Ministerialen (Cunradus de Urbach), der den Vögten unterstellt war. Allerdings erhoben die Wettiner seit der Mitte des 14. Jahrhunderts Ansprüche, die ihnen 1372 im Pirnaer Vertrag von Karl IV. zugesprochen wurden. „Im Jahre 1402 versetzte Heinrich Voigt von Plauen (ein biederer, tapferer Herr, der den Mut hatte, die Verbrennung des Reformators Huss zu Kostnitz öffentlich bitter zu tadeln) „daz stettchin czum Gefelle vund vnssre Slos vnd stete vrbach, hus vund stat“, nebst dem Dorfe Röthenbach für 5000 Gülden an den Markgrafen Wilhelm von Meissen, weshalb denn diese drei Orte in der 1410 erfolgten Meissnischen Landestheilung namentlich mit aufgeführt sind.“ (Gustav Adolf Pönicke, Hrsg.: Die Rittergüter und Schlösser im Königreich Sachsen, Band 5: Voigtländischer Kreis, 1859, Seite 83 f.).

Die Burg liegt in Spornlage. Von der mittelalterlichen Anlage haben sich jedoch nur der Stumpf des Rundturmes und wenige Mauerreste erhalten, die keinen Eindruck mehr von der ursprünglichen Gestalt geben. Der Turm hat einen Durchmesser von 7,5 m bei 2,3 m dicken Mauern. Neuzeitliche Bauten des Rittergutes (aber auch der Gestaltungswille des 19. Jahrhunderts) haben die Burg vollständig überprägt. Aus den Höhenlinien ist vage der Verlauf eines breiten Halsgrabens zu erkennen, der den Sporn gegen den Bergrücken sicherte.

Auf dem Felsen darf die Hauptburg angenommen werden, östlich davon die Vorburg, die später zum Rittergut umgebaut wurde. Es gibt am Südhang der Vorburg ein ebenes Plateau, das "rittergutzeitlich" als Gartenterrasse genutzt wurde. Hier ist der Halsgraben noch deutlich im Gelände zu sehen. Er umschließt das Plateau im Osten. Dieser Umstand deutet auf eine ältere Entstehungszeit. Eine neuzeitliche Anlage hätte auf den Graben sicherlich keine Rücksicht genommen. Die Geländestruktur deutet am westlichen Rand des Grabens einen Weg an, der in einer Rundung zur Burg hinaufführt. Das Plateau wäre demnach als eine weitere, etwas tiefer gelegene Vorburg mit Torcharakter zu interpretieren, was fortifikatorisch von Vorteil wäre. Der Weg verbindet die Burg mit dem Wirtschaftshof (später Rittergut unterer Teil) und der Stadt Auerbach. Die Schlossstraße, über die man heute nach oben gelangt ist aus dem nördlichen Abschnitt des Halsgrabens hervorgegangen. Der östliche Grabenbereich wurde neuzeitlich für den Einbau von Kellern genutzt.

Am Südhang ist der Umfassungsmauer der Hauptburg im Abstand von etwa 9,5 m eine weitere Mauer vorgelagert, so dass ein Zwinger entsteht. Billig und Müller vermuten an der Ostseite zwischen Vorburg und Zwinger ein Torhaus. Dies bedeutet, dass der Zuweg zur Hauptburg um den heutigen Vorplatz herumgeführt und wohl erst auf der Nordseite beim Turm eingemündet hätte.

Da aus den Meilenblättern kein Weg über den Bergrücken direkt zur Burg verläuft (die Sorgaer Straße liegt ein Stück weiter nördlich), war der Halsgraben wohl auch nicht überbrückt. Die Funktion der Burg Auerbach muss vielmehr auf Repräsentation und Administration konzentriert gewesen sein.

Archäologische Untersuchungen hat es bislang nur 1955/1956 durch Helmut Martin gegeben. Auf der Westseite der Schlossterrasse wurde im Vorfeld einer Hangmauer-Sanierung ein 5,6 x 3,7 m großer Bereich bis auf den gewachsenen Felsen in 3,8 m Tiefe untersucht. Hier wurden mehrere Schichten ergraben, darunter auch zwei Brandschichten, die den Schlossbränden 1626 und 1757 zugeordnet wurden. Von besonderer Bedeutung war aber die Einmessung eines Wehrganges und eines Gewölbekellers, die zuvor unbekannt waren. Demnach gab es an der Südwest-Ecke der Schlossterrasse einen schiefwinkligen, 8 x 6 bzw. 11 m großen Kellerraum mit Tonnengewölbe und Stützpfeiler. Flankierend zur vorgelagerten Bastion führte von diesem Raum eine etwa 4 m lange Scharte, die wohl eher der Beleuchtung und Belüftung diente als der Verteidigung. Der Kellerraum ist durch einen 1,2 m breiten und 1,85 m hohen gewölbten Gang mit dem nordwestlichen Abschnitt der Hangmauer verbunden. Der Zugang zum Gang erfolgte durch eine steinerne Wendeltreppe, die unter einem Gebäude an dieser Stelle angelegt worden sein muss (kleiner Rundturm?). Da die aufgefundenen Kellerräume von den beiden Brandschichten überdeckt werden, ist deren Anlage vor 1600 anzusetzen.

Es konnten bei der Ausgrabung 1955/1956 zahlreiche Funde gemacht werden, deren älteste in das 12. Jahrhundert datiert wurden. Ob tatsächlich Keramik "slawischen Art" darunter ist, kann derzeit noch nicht abschließend beurteilt werden. Eine Nutzung der Kellerräume muss den Funden zufolge bis in das 17. Jahrhundert erfolgt sein. Es sind militärische Funde dabei (Musketenkugeln), aber auch Hausrat (Grapen), Gebrauchsgeschirr, Ofenkacheln, Beschläge und ähnliches.

Die Interpretation als „Hungerturm“ oder „Folterkeller“, die Helmut Martin ins Spiel gebracht hat, konnte bislang nicht verifiziert werden.

Bad Elster

Bad Elster - Rittergut, Kursächische Meilenblätter um 1800 (Berliner Exemplar) 

Bad Elster

In einer Urkunde aus dem Jahr 1335 wird Konrad von Nitberg zu Elster als Zeuge aufgeführt (Urkunden der Vögte von Weida, Gera und Plauen, Nr. 757).

Auf eine Befestigungsanlage gibt es in Bad Elster bislang keine verlässlichen Hinweise. In den Kursächsichen Meilenblättern ist an der Einmündung des Wallbächels in die Weiße Elster ein Kreis mit einem Baumring eingezeichnet. Hier befindet sich heute eine ufernahe Insel im Gondelteich, auf der sich aber keine Spuren einer Bühlburg nachweisen lassen. Der Name „Wallbächel“ gibt zwar einen Fingerzeig, der jedoch durch keine weiteren Indizien gesichert werden kann.

Die topografische Landesaufnahme Kursachsens wurde (mit Unterbrechungen) zwischen 1780 und 1825 durchgeführt. Unter der Leitung von Friedrich Ludwig Aster entstand ein detailliertes Kartenbild im Maßstab 1:12.000. Diese wertvolle historische Quelle existiert in drei Exemplaren: Die Originalzeichnungen (Dresdner Exemplar) kamen in sauberer Abschrift an den preußischen Königshof (Berliner Exemplar) und an das kursächische Oberbergamt (Freiberger Exemplar). Letzteres enthält spätere Einträge und Ergänzungen, sodass das Berliner Exemplar die Situation von um 1800 am Besten wiedergibt.

Auf einigen Meilenblättern sind Bühlburgen eingetragen. In der Bildauswahl: Reimersgrün (Links), Wildau (Mitte) und Altes Schloss Schönfeld (Rechts). Dabei ist zu erkennen, dass die aus mittigem Hügel, Graben und Wall bestehenden Anlagen einem grafischen Schema folgen. Trotzdem ist jede Anlage individuell dargestellt. Ob es sich dabei um reale Unterschiede in der Konstruktion handelt, ist aber nicht zu entscheiden. Die runde Struktur in Bad Elster weist als einzige dieser kartografischen Zeichnungen eine Schraffur auf. Es ist auch kein umlaufender Graben angegeben, nur eine Punktreihe, die eine Baumpflanzung und Einfassung markierten könnte. Die Schraffur innerhalb des Kreises verweist eigentlich nicht auf einen Hügel, sodass eine Bühlburg an dieser Stelle weiterhin als fragwürdig angesehen werden muss.

In einer Karte, die W. Krausch 1830 (also nur wenige Jahre nach den Meilenblättern) vom Verlauf der Weißen Elster angefertigt hat, ist die runde Struktur am ehemaligen Rittergut ebenfalls zu sehen. Auch hier fällt die Schraffierung auf (in diesem Fall mit einer ungewöhnlichen Zweiteilung). Das Abbild einer Bühlburg ist hier aber noch weniger zu erkennen.

Bad Elster - Feldschanze

Bad Elster - Feldschanze by Martin Salesch 2026

Bad Elster - Feldschanze

Direkt neben der Paracelsus-Klinik befindet sich eine schanzenartige Struktur, die dem Dreißigjährigen Krieg zugerechnet wird. Datierende Funde gibt es allerdings nicht. Die recht stark verschliffene (und wohl von Sondengängern durchwühlte) Anlage ist erstaunlich klein. Der Innenraum der quadratischen Wallanlage misst lediglich 10 x 10 m. Der Wall, der eine kleine Öffnung nach Norden aufweist, ist 3 bis 4 m breit und nur noch etwa 1 m hoch. Vom umlaufenden Graben ist eine 3 m breite Senke erhalten geblieben. Möglicherweise war die Nordhälfte durch einen zusätzlichen Wall befestigt. Im Süden sicherte ein 10 m steil abfallender Felshang den Wehrbau. Östlich der Anlage sind im Gelände Unebenheiten zu erkennen, deren Zusammenhang mit der Feldschanze aber nicht gesichert sind. Im Freiberger Exemplar der Kursächsischen Meilenblätter wurde die Schanze nachträglich in roter Farbe eingezeichnet. An den vier Ecken des Quadrats sind vorgelagerte kleine Bastionen markiert, die es aber im Süden aufgrund des Steilhangs nicht gegeben haben kann. Nach den Meilenblättern führte ein alter Weg direkt an der Schanze vorbei.

Trotz der geringen Größe war die Schanzanlage aufwendig gebaut. Knapp 600 m südlich, am Nordosthang des Wolfsberges, ist ein flacher, etwa 95 m gerade Wall zu erkennen, der in den Meilenblättern als "alte Schanze" bezeichnet ist. Hier führen mehrere alte Hohlwege an der linken Elsterseite von Böhmen nach Norden. 420 m nördlich der  Feldschanze gibt es eine weitere Schanzlinie am Südwesthang des Brunnenberges, die auf etwa 250 m als gerader Wall mit vorgelagertem Graben zu sehen ist. Auch sie wird als "alter Schanzgraben" in den Meilenblättern ausgewiesen.

Wir können also davon ausgehen, dass bei Bad Elster ein mehrteiliges Schanzsystem zur Absicherung des Weges von Böhmen bestand. Die kleine Feldschanze in der Mitte ist in diesem Komplex wohl als Kommunikationszentrum anzusehen, um Wehraktionen der beiden Schanz-Bataillone zu koordinieren.

Bobenneukirchen

Bobenneukirchen Bühl by Martin Salesch 2025

Bobenneukirchen

Die Ersterwähnung Bobenneukirchens steht im Zusammenhang mit einer für die Vögte von Weida, Plauen und Gera wichtigen Einigung. Im Vertrag von Bobenneukirchen verständigten sich die drei Vögte Heinrich der Alte, Heinrich der Jüngere und Heinrich auf ihre Rechte im Regnitzland. Obwohl diese Urkunde mit einer Formulierung abschließt, die auf das Jahr 1206 deutet („Baben Nuenkirchen an des iares tages abent, do man zalte von unsers heren gotes geburt tusend iar zweihundert iar und in dem sehsten iar“), hat sich die Forschung mittlerweile auf die Ausstellung der Urkunde am 31.12.1296 festgelegt. Die Einigung der drei Vogtslinien, die von den Burggrafen von Meißen und von Coldiz bezeugt wurde, sollte die Herrschaftsausübung erleichtern und das gemeinsame Anrecht auf das Regnitzland sichern.

Für die Verhandlungen, die diesem Familienvertrag vorausgingen, brauchte es einen geeigneten Tagungsort, der direkt neben der „Neuen Kirche“ gegeben war. Erhalten davon ist ein runder Bühl von 16 m Durchmesser (bei Laser nur 11 m), der von einem 8 m breiten Graben und einem 5 m breiten Wall gesichert war. Der Wall ist größtenteils eingeebnet, aber in seinem Ausmaß zu bestimmen. Im Abstand von 12 m befindet sich an der Südwestseite ein kleiner Teich („Grottensee“ oder „Krötensee“ genannt), dessen ursprüngliche Ausdehnung noch als Senke im Gelände zu erkennen ist. Es scheint sich um einen ehemaligen Halsgraben von 13 m Breite zu handeln, der eine etwa 7.000 qm große Fläche nach Westen abtrennte. Im Osten fällt das Gelände recht steil zum Schafbach ab. Im Süden schließt sich ebenfalls eine Senke an, die wohl als Verkehrsweg genutzt wurde. Darauf deutet jedenfalls der Name „An der Hohle“.

Östlich des Bühls schließt sich das Gelände des ehemaligen Rittergutes und der Kirchhof an.

In Bobenneukirchen kreuzen sich ältere Verkehrswege aus Süden und Südwesten (Hof, Regnitzland), die nach Nordosten (Richtung Oelsnitz) zu führen.

Bobenneukirchen by Rudolf Laser 1953

Bösenbrunn

Bösenbrunn im Kursächsischen Meilenblatt (Berliner Exemplar) um 1800

Bösenbrunn

An der Einmündung des Dorfbaches in den Triebelbach erkannte Amandus Haase 1941 eine Bühlburg, die zum Großteil abgetragen und eingeebnet war. Er rekonstruierte einen Bühl von etwa 10 m Durchmesser, der von einem Wassergraben umgeben war. Der nordwestliche Teil des Grabens ist in den Meilenblättern verzeichnet und der Kernbereich hier als Teil eines Gartens angegeben. Der Graben ist mit 15 bis 20 m ungewöhnlich breit bemessen. Die Anlage befindet sich auf der Nordseite des ehemaligen Rittergutes. Merkwürdig erscheint, dass die alte Wegetrasse und die Furt über die Triebel von Bösenbrunn zur Mühlleithe direkt durch die Anlage führen. Somit stellt sich die Frage, ob es sich überhaupt um eine mittelalterliche Befestigung handelt oder um eine Gartenanlage des Rittergutes.

Datierende Funde wurden bislang nicht gemacht.

Brambach

Mit dem Ministerialen Egilwart de Brantbuch (als Zeuge einer Schenkung Herzog Friedrichs von Schwaben an das Kloster Waldsassen) taucht im Jahr 1154 erstmals ein Adelsgeschlecht in den Annalen auf, das seinen Stammsitz in Brambach gehabt haben dürfte. Der Ort selbst erscheint 1307 erstmals in schriftlichen Überlieferungen (Brambuch).

Die Kolonisation des Oberen Vogtlandes vom Egerland aus muss demnach in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts begonnen haben.

In Bad Brambach wurde lange der Gasthof Zum Goldenen Hirsch am Markt als ehemaliger Rittersitz angenommen. Grund dafür ist der eingemauerte Wappenstein der Familie von Schirnding. Inzwischen wird aber das Gelände der Brauerei favorisiert. Heinz Müller und Gerhard Billig gehen von einer eindeutigen Identifizierung aus, die sie auf die Eintragung von Graben und Außenwall in den Meilenblättern stützen. Im Gelände ist heute aber nur noch ein Böschungsrest südlich der Brauereigebäude zu erkennen.

Hier, am Zusammenfluss zweier Bäche, ist in den Meilenblättern von 1800 ein aufgestauter Teich und nördlich davon ein zweiter, kleinerer Teich zu erkennen. Ein alter Verkehrsweg führt nördlich, zwischen dem Rittergut und der Kirche vorbei. Es ist jedoch nicht belegbar, ob das ehemalige Rittergut auch der Standort der mittelalterlichen Burg war. Dies ist lediglich eine Vermutung. Aus dem in den Meilenblättern eingezeichneten Grundriss des Rittergutes lässt sich keine Struktur einer Wehranlage ableiten. Das Rittergut befand sich nicht in der Teichmitte sondern nah an der heutigen Bosestraße (Vielmehr rückte die Straße nach dem Stadtbrand 1842 näher an das Rittergut heran.). Für einen Wehrbau ist die Lage nicht ideal. Die starken neuzeitlichen Erdaufschüttungen lassen schon erkennen, dass die Hanglage hier nicht besonders günstig für eine Bebauung ist. Das Gelände fällt im Bereich des Rittergutes um etwa 6 m ab. Demgegenüber steigt das Gelände westlich des Rittergutes steil um über 12 m an, was einem Angreifer eine vorteilhafte Kampfposition ermöglichte.

Burgstein

Burgstein mit Krebes im Hintergrund by Martin Salesch 2026

Burgstein

Der Burgstein ist eine 541 m hohe Erhebung. Auf der markanten Grünstein-Felskuppe stehen die Ruinen von zwei gotischen Kirchen, deren eine (die obere oder westliche genannt) um 1475 und die andere (untere oder östliche) um 1485 erbaut worden sein sollen (nach Dehio und Steche). Beide bis zur Reformation als Wallfahrtskirchen genutzten Gebäude bestehen aus Diabasbruchsteinen. Auffällig ist der wehrhafte Baukörper der oberen Kirche, an dessen Ostseite nachträglich ein Chorraum angebaut wurde. Für diesen Wehrbau wird eine Entstehung um 1200 angenommen. Allerdings gibt es im Umfeld keine weiteren Elemente einer Burganlage.

Unter der Leitung von Gerhard Billig erfolgten im Jahr 1992 archäologische Ausgrabungen auf dem Burgstein im Vorfeld einer Sicherungsmaßnahme. Sie konzentrierten sich auf die Ruine der unteren Kirche. Die Ergebnisse wurden bislang jedoch nicht publiziert. Im gleichen Zusammenhang erfolgte eine Bauforschung durch Norbert Oelsner und Günter Kovacs (Sächsisches Landesamt für Denkmalpflege), deren Ergebnisse 1996 veröffentlicht wurden und als Grundlage der folgenden Ausführungen dienen.

Die beiden nach Osten ausgerichteten Kapellen liegen nur 12 m voneinander entfernt. Die untere östliche Kapelle ist ein einheitlicher Saalbau aus Bruchsteinmauerwerk mit eingezogenem, dreiseitig geschlossenem Chor. Der im Grundriss annähernd quadratische Saal hat in der Nord-, West- und Südwand jeweils ein spitzbogiges Portal. Nach R. Steche weist die Anordnung der Portale auf die Nutzung als Wallfahrtskirche hin. Während der Saal wohl eine flache Holzbalkendecke hatte, war der durch einen Triumphbogen abgetrennte Chor gewölbt.

Die obere westliche Kapelle befindet sich auf der höchsten Felskuppe direkt auf dem Felsen. Sie besteht aus zwei unterschiedlichen Baukörpern: Einem (aufgrund der Topografie) schiefwinkligen Raum, der als älter erkannt wurde, und einen dreiseitig geschlossenen Chorraum. Der ältere Raum fällt durch deutlich breitere Mauern auf (2,2 m gegenüber 1,5 m). Auf der Südseite befindet sich ein etwa 3 m über dem Umgebungshorizont gelegener Zugang. Es kann angenommen werden, dass dieses Portal ursprünglich mit einem Werksteingewände versehen war. Fraglich bleibt, wie der ursprüngliche Zugang zu diesem Portal und in das Gebäude (hier gibt es einen Höhenunterschied zum Fußbodenniveau) gestaltet war. Der saalartige Raum besaß an der West-, Nord- und Ostseite jeweils ein spitzbogiges Fenster. Auf der später aufgebrochenen Ostwand ist hier nur noch ein Fragment erhalten geblieben.

Der ursprünglich gewölbte Raum (Geschosshöhe wohl etwa 9 m) besaß ein Obergeschoss, das über eine Wendeltreppe an der Südwestecke erreicht werden konnte. Im Obergeschoss ist in der Südwand der Rest eines Fensters zu erkennen. Die Ostwand dieses turmartigen Gebäudes wurde nachträglich aufgebrochen, um in Form eines Triumphbogens einen Zugang zum Choranbau zu schaffen. Da sich der Chor auf deutlich tieferem Gelände neben der Felskuppe befindet war hier ein etwa 4,5 m hohes Untergeschoß notwendig. Der Zugang zum mittig längsgeteilten Untergeschoss erfolgte über eine Treppe in der Südwand. Der wohl tonnengewölbte Raum weist im östlichen Bereich mehrere kleine Nischen und Fensterluken auf, sowie ein liturgisches Wasserbecken (Piscina) mit Ablauf nach außen.

Das Obergeschoss des Choranbaus besaß ebenfalls ein Gewölbe (wohl ein Rippengewölbe) und drei hohe Fenster am südöstlichen Abschluss.

Die Untersuchungen von Martina Bundszus verschiedener Dokumente ergaben den Hinweis, dass auf dem Berg wohl noch vor Mitte des 15. Jahrhunderts mit dem Bau einer Burg begonnen wurde. Beendet wurde der Bau allerdings nicht, was auf eine „Zwietracht der Lehnsherren“ (den Burggrafen von Nürnberg, den Vögten von Gera und den Vögten von Plauen) zurückgeführt wird. Zur Begründung des Burgsteins als Wallfahrtsort wird auf eine Marienerscheinung „zweier armer Männer“ verwiesen. Die Genehmigung dafür wurde allerdings durch die Frage der Zuständigkeit begleitet, die zwischen dem Bischof von Naumburg und dem Bischof von Bamberg ausgetragen wurde.

Untere Kapelle by Martin Salesch 2026

Obere Kapelle by Martin Salesch 2026

Christgrün

Christgrün by Rudolf Laser 1953

Christgrün

Von der mittelalterlichen Befestigung ist in dem 1366 erstmals erwähnten Ort (Cristansgrune) nichts mehr zu erkennen. 

1926 werden Wall und Graben in einem Schreiben an Ernst Pietsch erwähnt. Leider fehlt die Angabe, wo. „Der äußere Wall hat einen Umfang von 174 m und der innere 80 m. Wie ich von alten Leuten erfuhr, sollen 2 Linden früher in der Mitte gewesen sein. Weiterhin soll neben der jetzigen Linde ein Häuschen und außen Wasser gewesen sein, so erzählte mir ein alter Mann, dem es seine Großmutter früher erzählte, die es selbst noch sah. Ich bin jetzt darüber und lasse neben der Linde verschiedene Grabungen ausführen, da dort Mauer vermutet wird.“ (P. Lippert am 19.05.1926, Archiv Vogtlandmuseum Plauen). Mit dem inneren Wall ist wahrscheinlich das Kernwerk gemeint, dass allerdings mit einem Umfang von 80 m (also über 25 m im Durchmesser) recht groß wäre. Für Graben und Wall müssten dann jeweils eine Breite von 8 m angenommen werden, um auf den Umfang von 174 m zu kommen.

Eine Bühlburg auf dem Gelände des Rittergutes wird 1934 beschrieben: „Um eine kreisförmige Insel von etwa 25 m im Durchmesser zeigt sich, noch jetzt deutlich sichtbar, ein tiefer Graben, der ganz offenbar mit dem Wasser des in der Nähe fließenden Baches gefüllt wurde und als Schutz der Anlage diente. […] Auf der Wallinsel liegen noch herum oder sind ausgegraben größere und kleinere gebrochene Steine, die ganz offenbar zu dem seinerzeit hier errichteten ritterlichen Wohnturm gehörten.“ (Dr. Walther am 03.07.1934, Archiv Vogtlandmuseum Plauen). Als Eigentümer des Geländes wird die Hünefeld’sche Stiftung genannt.

Für Verwirrung sorgt ein Schreiben von Amandus Haase, dessen Informationen sich auf eine Bühlburg am rechten Ufer des Dorfbächels beziehen: „In Christgrün ist eine Ringwallanlage herausgekommen. Der Bühl ist oval, 12-15 m, der Graben war 10-15 m breit, er ist teilweise ausgefüllt. Das Wohnhaus des Besitzers […] steht an der Südseite [sic! Es kann nur die Westseite sein]. In dem Bühl hat der Besitzer vor einigen Jahren einen Brunnen und Wasserbehälter gebaut. Die gewonnene Erde hat er auf seine Felder gefahren. Reste des Walles nach dem Rittergute und der alten Netzschkauer Straße zu sind nicht vorhanden.“ (A. Haase am 13.11.1942 an den Landespfleger für Bodenaltertümer in Sachsen, Dr. Bierbaum, Archiv Vogtlandmuseum Plauen). Leider vertauschte A. Haase die Himmelrichtungen auf seinem Plan. Der von ihm angegebene Platz ist vollständig überbaut und kann nicht mehr überprüft werden. Die Größenangaben unterscheiden sich deutlich von denen bei Lippert und Dr. Walther. Er nennt als Grundstückseigner auch nicht die Freiherrlich Hünefeld‘sche Familienstiftung, sondern den Gutsbesitzer Helmut Trommer (Nr. 22).

Das von Rudolf Laser angefertigte Foto lässt an der von Haase angegebenen Stelle auf die Einkerbung des Geländes durch Fahrverkehr schließen. Tatsächlich ist in den Meilenblättern ein solcher Weg eingezeichnet.

1926 nennt P. Lippert noch eine weitere Bühlburg: „Bei den sogenannten Waldhäusern (hinter Frohsinn über[?] Bahn) bei Besitzer Zopf erzählte mir ein älterer Mann soll auch [ein] Ringgraben gewesen sein. Durch Nachgraben stieß man auf Balken und Scherben.“ Ob es sich dabei um die Anlage südlich von Herlasgrün bei den Stiftshäusern handelt, ist nur zu vermuten. Beim Frohsinn selbst ist im Gelände nichts zu erkennen.

Das Objekt in Christgrün wurde im Jahr 2014 wieder aus der Unterschutzstellung gestrichen und ist heute überbaut.

Dobeneck in Kursächsische Meilenblätter (Berliner Exemplar) um 1800

Dobeneck

Im Jahr 1279 werden die Brüder Arnold, Bertold und Konrad von Dobenecke erwähnt. Dies kann als indirekter Hinweis auf einen Herrensitz gedeutet werden.

Der Talsperrenbau Pirk hat um 1935 zu starken Veränderungen am ehemaligen Rittergut Dobeneck geführt. Die Spornlage an der Mündung des Moritzbaches in die Weiße Elster ist aber noch zu erkennen. Die 55 x 25 m große Fläche am 1729 erbauten Hauptgebäude (heute Jugendherberge) liegt 390 m über NN. Im Nordosten und Südosten deutet eine Vertiefung im Gelände auf einen möglichen Graben, der allerdings vom Wirtschaftshof des ehemaligen Rittergutes überbaut wurde.

Unterhalb der Anlage in der Elsterniederung befand sich eine Mühle und südlich eine Schäferei. Ungefähr einen Kilometer östlich an der alten Straße zwischen Oelsnitz und Taltitz ist in den Meilenblättern „der kleine Galgenberg“ eingetragen.

Dröda

Dröda by Martin Salesch 2026

Dröda

Mittig in der Niederung des Feilebaches an der Einmündung des Lohbaches befindet sich die Bühlburg Dröda, von der Eduard Johnson 1901 schrieb, dass die Wallinsel einen Durchmesser von 20 m aufweist. „Sie trägt ein aus Bruchsteinen errichtetes altes Gebäude, das ehemals als Pechsiederei diente […] Unter dem alten Gebäude befinden sich große Kellerräume [mit Tonnengewölbe]. Alte Leute haben erzählt, es sei der Überrest eines Schlosses, das einst auf der Insel gestanden.“ (E. Johnson in Vogtländischer Anzeiger, Nr. 215 am 14.09.1901). In den Meilenblättern ist dieses ungefähr 8 x 13 m große Gebäude verzeichnet. Heute befindet sich mittig auf dem Bühl ein eingestürzter Kellerraum, der über eine in den 1970er Jahren gesicherte Treppe zugänglich ist.

Die Breite des umlaufenden Grabens wird von E. Johnson mit 8 m angegeben. Es handelt sich allerdings um einen aufgestauten Teich, der vom Lohbach gespeist wird. Der Feilebach ist westlich um den Stauteich herumgeführt. Schon vor 1800 wurden Teile des Gewässers verfüllt und andere teichartig erweitert, sodass zu diesem Zeitpunkt die ursprüngliche Gestalt schon stark verändert war.

Die Bühlburg sicherte wohl eine Furt durch den Feilebach auf dem Weg zwischen Großzöbern und Bösenbrunn.

Nach dem Bau der Feilebach-Talsperre wurden ab 1971 landschaftsgestaltende Maßnahmen durchgeführt, die auch die Bühlburg betrafen. Es wurde aber nur der damals bestehende Zustand ordentlich hergerichtet und drei Griebenherde aufgestellt.

Erstmals wird der Ort Dröda (zu der Ode) im Jahr 1328 erwähnt, als der Plauener Vogt Heinrich der Ältere zur Beilegung von Streitigkeiten dem Deutschen Orden mehrere Güter und Renten bestätigte (Urkundenbuch der Vögte von Weida, Gera und Plauen, Nr. 633).

Ebersgrün

Ebersgrün by Martin Salesch 2025

Ebersgrün

Amandus Haase meinte in dem Erdhügel von 6 m Durchmesser, der sich nördlich der Kirche befindet und mit einem Kriegerdenkmal versehen ist, einen Erdturmhügel zu erkennen. Dagegen gibt Rudolf Laser Gewährsleute aus dem Ort an, die die Erdaufschüttung einem früheren Pfarrer zuweisen, um hier eine Sommerbank aufzustellen.

Im Umfeld des Hügels gibt es keine weiteren Hinweise im Gelände, die für eine Befestigung sprechen. Auch die Lage am Hang ist ungünstig.

Elsterberg

Burg Elsterberg by Martin Salesch 2025

Elsterberg

Das Gebiet um Elsterberg war zwischen den Herren von Lobdeburg und den Vögten von Weida umstritten. Das „Alte Haus“ kam nach einer grundsätzlichen Einigung zwischen beiden Häusern Anfang des 13. Jahrhunderts unter die Lehnsherrschaft der Vögte. Dies mag ein Grund sein, warum die Lobdeburger mit Burg und Siedlung Elsterberg begannen. 

Vor 1225 sollen die Herren von Lobdeburg eine Burg in Elsterberg erbaut haben. Eine Urkunde aus diesem Jahr benennt Burgmannen (castellani de Elstirberg). Die Burg steht auf einem markanten Bergsporn (310 m über NN) im Tal der Weißen Elster und wird von diesem Fluss im Süden, Osten und Norden umflossen. Die Burg ist durch einen etwa 20 m breiten Graben in eine kleinere Vorburg an der Spornspitze (knapp 800 qm Fläche) und eine sehr große Hauptburg (mehr als 6.000 qm) aufgeteilt. Es ist allerdings anzunehmen, dass die Hauptburg in ihrer ursprünglichen Form nur etwa 1.690 qm maß.

Es wird davon ausgegangen, dass die älteste Burganlage im Vogtländischen Krieg zerstört wurde. In einer Urkunde aus dem Jahr 1366 ist jedenfalls vom „neuen Schloss“ die Rede. Als Erbauer wird Hermann Fünf von Lobdeburg-Elsterberg angenommen, der für die Schlosskapelle einen der heiligen Barbara gewidmeten Altar stiftete. Nach den Lobdeburgern kamen die Markgrafen von Meißen in den Besitz der Burg. Zwischen 1428/29 und 1657 saßen die Herren von Bünau auf Elsterberg. Anschließend, vom Anfang des 17. Jahrhunderts bis zur Übernahme durch die Stadt Elsterberg im Jahr 1909, gab es mehrere Besitzerwechsel. 1744 wird allerdings das „wüste Schloß“ erwähnt. Zu dieser Zeit setzte der Verfall und der teilweise Abbruch der Gebäude ein. Vor allem nach dem Stadtbrand von 1844 wurde Baumaterial in großem Stil entnommen.

Es lassen sich drei wesentliche Bauphasen unterscheiden: vor 1225, vor 1366 und in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Es ist allerdings schwierig, die einzelnen Bauphasen sauber voneinander zu trennen, da die Sanierung in den 1930er Jahren viel verändert und überdeckt hat.

Besonders auffällig ist die mächtige, in fünf Segmenten abgewinkelte Westmauer der Kernburg, die wohl zur ersten Bauphase gehört. Hinter ihr befand sich ein mit fünf schmalen Räumen unterkellertes, nach Süden spitz geformtes Gebäude, das als Palas der Burg interpretiert wird. Dieses Gebäude ist etwa 27 x 18 m groß. Im Norden schließt sich ein schmaler (8 m x 31 m), ost-west-ausgerichteter Gebäudetrakt mit etwas tiefer gelegenem Keller an. Hier wird nach Thiele Waffenkammer und Speisesaal vermutet. Auf der Stadtansicht von 1721 ist dieser große Bau mit Fachwerkobergeschoss und hohem Dach verzeichnet. Vom nördlichen Trakt ist auf dieser Zeichnung der Westgiebel gut zu erkennen. Wahrscheinlich gehörte zur ersten Bauphase auch schon der ummauerte Hof mit Brunnen und Wirtschaftsgebäuden, sodass insgesamt ein annähernd rechteckiger Komplex von 74 x 32 m existierte. Einen Turm benötigte diese Anlage nicht, da die Burg gar nicht auf die Kontrolle der Umgebung ausgerichtet war, sondern auf die Sicherung der Elsterfurt und der entstehenden Siedlung. Der Zugang erfolgte wohl an der Südostecke. Hier ist am Ende des noch stehenden Mauerstücks der Ansatz eines Torbogens zu erkennen. Denkbar wäre auf der Südseite (zur Stadt hin) ein vorgelagerter Graben, der aber später komplett zugeschüttet wurde und heute nur noch als leichte Vertiefung im Gelände zu erahnen ist.  Am östlichen Hang ist ein Einschnitt im Gelände zu erkennen, der vom Graben herrühren könnte.

In der Westwand sind im Kellergeschoss schmale, nach oben geführte Lichtschächte erhalten. Im ersten Obergeschoss gibt es große Fensternischen, die aber sicherlich erst in späterer Zeit so eingerichtet wurden. Hier gab es, wie Beyerlein erwähnt, Holzrahmen oder Steingewände, die mit seitlichen Maueröffnungen in Verbindung stehen. „Bei einigen Fenstern […] erkennt man deutlich die Löcher für die Pfosten der seitlichen Fensterbänke, zum Teil auch die Untermauerungen der Sitze und die abgebrochenen Pfosten selbst“, schreibt Beyerlein. Allerdings befinden sich diese Löcher immer auf zwei Höhen nur an einer Seite der Fensternischen. Da es an der Außenseite der Mauer über den Fenstern schmale Absätze gibt, bietet sich aber auch eine Interpretation als Vorrichtung für Fensterläden an, die (vielleicht nur im Winter) vor die Fenster gesetzt und von innen querverriegelt wurden. 

Insgesamt fehlen dem Bau markante Verteidigungsanlagen wie Schießscharten. Dies wäre zu begründen mit der Funktion der Burg als Sitz eines Burgmannen. Ungeklärt ist, inwieweit der als Vorburg bezeichnete Bereich auf der Spornspitze bereits von der Kernburg abgetrennt war. Der Wallgraben, der die Burganlage im Westen, Süden und Osten sicherte (im Norden war dies nicht notwendig), kann ja erst mit der Konstruktion der äußeren Mauer (sogenannte Zwingermauer) entstanden sein. Die sichtbaren Felshänge auf denen die Kernburg steht, reichten vielleicht schon als ein Annäherungshindernis aus. Einige Schießscharten in den Türmen der äußeren Mauer werden erst in das letzte Viertel des 15. Jahrhundert (Turm II) bzw. in die erste Hälfte des 16. Jahrhunderts (Turm III) datiert.

Für die äußere Mauer ist eine erste Errichtung im Zuge der Stadtgründung Elsterbergs (Verleihung der Stadtrechte am 1. Mai 1368) denkbar. Interessant ist der direkte Anschluss der Stadtmauer an der NordWest- und der Südecke der Burg. Hypothetisch wäre zu fragen, ob die nördliche und östliche Sicherung der Burg (im Osten zusammen mit dem Graben auf dieser Seite) als Teil der Stadtumwehrung zu werten ist. Die nach Süden vorgeschobene Mauerspitze an Turm III könnte dafür ein Hinweis sein. Diese Spitze resultiert sehr wahrscheinlich aus einer bereits bestehenden Mauerführung und nicht aus einer topografischen Gegebenheit.

Somit wäre die äußere Mauer im Westen und Süden der dritten Bauphase im 15. Jahrhundert zuzuweisen. Dieser Abschnitt unterscheidet sich deutlich von den anderen Bereichen des äußeren Mauerringes schon allein durch den Einbau von Nischen mit Schießscharten. Hier richtete sich die Verteidigung gegen die Stadt. Durch den Mauerschluss und den Bau von vier Toren erschwerte sich der Zugang zur Kernburg. Der Grund dafür mag darin zu finden sein, dass nunmehr eigenständige Edelleute in der Burg residierten.

Die sogenannte Vorburg auf der östlichen Spornspitze liegt deutlich unter dem Niveau der Kernburg bei 302 m über NN. Dies scheint der Grund dafür zu sein, dass der Kernbereich der Burg nicht hier, sondern an der höchsten Stelle des Sporns gebaut wurde. Der Zugang zur Burg erfolgte wohl nicht über diesen Bereich, da die Hänge zur Elster steil abfallen. Die Anlage einer "Hinterburg" statt einer Vorburg ist im Vogtland auch an anderen Burgstellen zu vermuten, so in Plauen (Schloss) und Straßberg. Auch die Burg Mylau ist nicht auf dem Sporn sondern auf dem erhöhten Bereich dahinter erbaut. Dies allein auf die Topographie zurückzuführen reicht, wie das Beispiel Wiedersberg zeigt, aber nicht aus. Vermutlich wurde der Sporn genutzt, um wertvollere Güter sicher zu lagern. Denn die Hauptburg schirmte diesen Bereich besonders gut ab.

Burg Elsterberg by Martin Salesch 2025

Die ursprüngliche Kernburg umfasste wohl nur den rechteckigen Raum von der hohen Palasmauer am oberen Bildrand, die innere Nordmauer (links), die östliche Mauer (unten) und den inneren Mauerrest im Süden (erkennbar an der lockeren Baumlinie). Dort, wo heute der gepflasterte Weg in die Kernburg führt, könnte ein Wehrgraben gelegen haben. Die äußere Mauer im Norden dürfte mit der Stadtumwehrung entstanden sein. Der große Bereich im Süden kam demnach erst ab dem 15. Jahrhundert hinzu.

Erlbach im Kursächsischen Meilenblatt (Berliner Exemplar) um 1800

Erlbach

Im Bereich des unteren Rittergutes (altes Schloss) wird eine Bühlburg vermutet. Weitere Hinweise gibt es nicht. In den Meilenblättern ist eine u-förmige Grabenanlage eingezeichnet, die jedoch eher als Parkgestaltung des ehemaligen Rittergutes gewertet werden muss.

Falkenstein

Falkenstein by Martin Salesch 2026

Falkenstein

Einen ersten schriftlichen Hinweis auf Falkenstein gibt eine Überlassungsurkunde des Plauener Vogtes an das Kloster Waldsassen aus dem Jahr 1267, die von Johannes de Valkinstein bezeugt wird. Die Zeugen dieser Angelegenheit sind Grundherr [dominus] H[einricus] Prior von Plawe, Grundherr [dominus] Rudgerus von Sparrenek, Heinrich von Gorkewiz, Johann von Valkinstein, Albert von Machwiz, sein Bruder Reimboto von Widersberch und viele andere. Danach gehörte Johann von Falkenstein zum inneren Kreis der Gefolgsleute des Vogtes.

Es wird davon ausgegangen, dass der Falkensteiner Raum erst im Zuge des mittelalterlichen Landesausbaus ab dem 13. Jahrhundert besiedelt wurde. Die Herren von Falkenstein werden dabei als Kolonisten aus dem fränkischen Raum (Zweig der Adelsfamilie Vasmann) gedeutet, die auf oder bei dem markanten Quarzitfelsen eine Burg errichteten. Auch die Siedler kamen wohl hauptsächlich aus Franken.

Leider können wir über die Konstruktion der ersten Burg keine Aussagen treffen, da spätere Bauten starke Veränderungen verursacht haben. Der Quarzitfelsen, der sich als geologische Struktur von Schöneck bis Auerbach zieht, ist etwa 13 m breit und 40 m lang. Er gliedert sich in einen höheren Bereich (585 m über NN) im Süden und einen niedrigeren Bereich im Norden. Allgemein wird angenommen, dass auf der Felsenspitze ein Wehrturm stand. Im nördlichen Bereich ist ein Brunnenschacht erhalten. Westlich des Felsens gibt es eine größere Fläche, die später vom Rittergut überbaut wurde. Hier wären Haupt- und Vorburg zu vermuten, denn auf dem schmalen Felsen ist eine dauerhafte Nutzung kaum vorstellbar. Der Felsen dürfte eher als Rückzugsort im Angriffsfall und mit seinem Turm natürlich auch als weithin sichtbares Herrschaftssymbol gedient haben.

Gansgrün siehe Jahnsgrün

Gassenreuth

Gassenreuth by Martin Salesch 2026

Gassenreuth

Amandus Haase schrieb am 16.05.1939 dem Landespfleger für Bodenaltertümer in Sachsen, Dr. Bierbaum, dass er das „Alte Schloss“ bei Gassenreuth untersucht hätte: „Es ist eine der interessantesten frühdeutschen Ringwallanlagen Sachsens. Aufgrund der geschichtlichen Entwicklung, vermute ich, auch eine der ältesten.“

Die Befestigung befindet sich in einem Waldstück nördlich von Gassenreuth auf einer Diabaskuppe (605 bis 615 m über NN). Sie besteht aus einem etwa 350 qm großen, runden Bühl, dessen Nutzfläche ca. 180 qm beträgt. Der Rand des Bühls ist wallartig erhöht, was für eine zusätzliche Sicherung, zum Beispiel in Form einer Palisade, spricht. Auf der Westseite ist eine etwa 3 m breite Vertiefung zu erkennen. Ansonsten gibt es auf dem Bühl mehrere grubenartige Vertiefungen, die nach Amandus Haase alte Schürfstellen des Bergbaus sein sollen.

Umrundet wird der Bühl von einem 8 bis 9 m breiten Graben, dessen Tiefe heute noch etwa 6 m beträgt.

Westlich schließt sich ein 45 x 35 m großes Plateau an, dessen ebene Fläche ungefähr 3 m unter dem Bühl liegt. Auch dieser Bereich wird von einem 6 bis 7 m breiten Graben umschlossen. Er ist heute noch bis zu 4 m tief. Im Süden des Plateaus (von A. Haase als „großes Bühl“ angesprochen) sind zwei größere Störungen durch Steinbrucharbeiten entstanden. Das Plateau kann als Vorburg interpretiert werden. Dafür spricht eine quadratische Vertiefung im nordöstlichen Bereich. Ihre Außenkanten messen 12 x 12 m mit einer etwa 2,5 m breiten Ausbuchtung an der Südostecke. A. Haase führte einen kleinen Suchschnitt durch, der in 70 cm Tiefe eine zusammenhängende Steinschicht und darüber eine Lehmschicht erbrachte. Oberhalb dieser Schichten konnte er Holzkohlereste und kleine Stücke Hüttenlehm bergen. Vieles spricht dafür, hier den Estrich eines Kellers zu sehen. Die Ausbuchtung könnte als Treppenzugang in der Südostecke interpretiert werden.

Amandus Haase fand westlich der Befestigungsanlage Wälle und Erdhügel, die heute im Gelände allerdings nicht mehr zu erkennen sind. Er deutete sie als Reste einer (befestigten) Siedlung.

Für eine Datierung der Anlage konnten keine Funde gemacht werden. Der Ort Gassenreuth wird im Jahr 1340 erstmals erwähnt (UB Weida I 824). Östlich der Befestigungsanlage verläuft eine alte Wegetrasse. 500 m südöstlich befand sich eine Gerichtsstätte mit Galgenberg (siehe Meilenblätter). Das „Alte Schloss“ liegt auf einem Höhenzug, der eine sehr gute Fernsicht in alle Richtungen gestattet. Nur etwa 200 m südlich der Diabaskuppe entspringt der Feilebach, der nach Westen entwässert. 150 m östlich befindet sich eine der Quellen des Kuhutbaches mit Fließrichtung nach Norden.

Geilsdorf

Geilsdorf by Martin Salesch 2025

Geilsdorf

1938 schrieb der damalige Landesdenkmalpfleger für Sachsen Walter Bachmann an die Kreishauptmannschaft Zwickau: „Das alte Wasserschloß Geilsdorf ist als moderne Ruine anzusprechen, denn es leben genug alte Leute im Vogtland, die die Anlage noch in leidlich gutem Zustand gekannt haben. Verwahrlosung und Hausschwamm haben dann das verlassene Gebäude zum Einsturz gebracht. Die Trümmerreste der Anlage stellen aber nicht einmal eine besonders malerische Ruine vor, sondern es hat deren Anblick eher etwas Bedrückendes für die Beschauer. Das Bauamt der Stadt Plauen hat nun inzwischen einen Eckturm der Bauruine vollständig renoviert und zwar so, dass der Ruinenzustand völlig behoben wurde. Es fehlen eigentlich nur noch Fenster und Türen, um den Eindruck eines Neubaus vollständig zu machen. Dies Art der Erneuerung ist aber nicht diejenige, die anzustreben war.“ (Walter Bachmann am 17.09.1938).

Siegmund von Tattenbach hatte das Schloss um 1668 erworben und auf den Grundmauern der mittelalterlichen Burg einen Neubau mit vier markanten Ecktürmen errichtet. Durch Leerstand trat ab 1866 der Verfall ein, der 1910 zum Einsturz eines Gebäudeteils und des Westturmes führte. Im Jahr 1916 war das Rittergut Geilsdorf an Walter Naumann gekommen, der aus dem Schlossgebäude Steine für Siedlungsbauten ausbrechen ließ. Die Stadt Plauen übernahm die Gutsherrschaft Geilsdorf 1924, um im Rittergut eine SA-Führerschule und eine Unterkunft für den Freiwilligen Arbeitsdienst unterzubringen. Dafür wurde das baufällige Gelände beräumt und eingeebnet sowie Teile des umlaufenden Wassergrabens verfüllt. 1935 stand nur noch der nordöstliche Eckturm mit anliegenden Gebäudeteilen und, davon getrennt, Reste der Südostecke. Die umstrittene Renovierung fand mit wenigen finanziellen Mitteln durch die Stadt Plauen 1936/37 statt. Die Kritik richtet sich vor allem dahingehend aus, dass der Erhalt des Nordostturmes und eines Teils des Ostflügels überhaupt kein anschauliches Bild des barocken Schlossgebäudes ermöglicht. Weder Dimension noch Charakter des massiven Gebäudes werden deutlich.

Dabei bieten die Mauerreste sogar noch Anhaltspunkte für die Struktur der mittelalterlichen Burg, deren Grundmauern 1668 für den Schlossbau genutzt wurden. Für die Insel der Hauptburg kann eine Grföße von 21 x 25 m angenommen werden. Der umlaufende, teichartig aufgestaute Graben dürfte 25 m breit gewesen sein. In der Mitte der Insel stand ein Turm mit 10 bzw. 12 m langen Seitenwänden. Die Mauerstärke von 2,5 m kann an der Ruine noch abgemessen werden. Im Abstand von etwa 4,5 m führte eine Umfassungsmauer um den Turm herum, deren Stärke mit 2 m angegeben werden kann.

Übereinstimmungen mit den Burgen in Sachsgrün und Schönberg sind auffällig. Auch bei ihnen bildete ein mächtiger Wehrturm den Mittelpunkt, der später unter Nutzung der Umfassungsmauer umbaut wurde. Aber auch in Heinersgrün und Reuth (zu Weischlitz gehörig) sind ähnliche Strukturen zu vermuten. Diese besonderen Befestigungen mit einem steinernen Wehrturm befinden sich alle im südwestlichen Grenzbereich des sächsischen Vogtlandes und können deshalb mit einer entsprechenden Grenzfunktion in Verbindung gebracht werden.

Geilsdorf Schlossruine (links Rest Wehrturm, rechts Drohnenfoto) und Kirche by Martin Salesch 2026

Geilsdorf - Laneckhaus

Amandus Haase am Laneckhaus um 1940

Geilsdorf - Laneckhaus

Auf einem Bergsporn an der Mündung des Meißner Baches (auch: Meusegrund) ins Elstertal befindet sich eine Anlage, die mit dem 1267 überlieferten „Eckenbertus de Lantecke“, einem Spross der Straßberger Vögte, in Verbindung gebracht wird. Hergestellt wird diese Verbindung durch den Flurnamen „die Lanek Häuser“ (z. B. in den sächsischen Meilenblättern). Leider ist das Gelände überbaut und verändert.

Gerhard Billig stellte an der Spornspitze einen ovalen, 33 x 20 m großen Bereich fest, den er als Kernburg titulierte. Er wird nach Nordwesten und Nordosten durch den Steilhang begrenzt. Im Süden schirmt ein Graben diesen Bereich ab. Der Graben ist an der Ostseite 6 m breit und weitet sich im Bogen nach Westen bis auf 17 m. Ungefähr 35 m südlich des Grabens fiel Gerhard Billig eine größere, hohlwegartige Einsenkung am Osthang auf, die er mit der Zufahrt und dem Tor zur Vorburg interpretierte. Eine äußere Abgrenzung der von ihm als Vorburg angesehenen Fläche ist aus den Einmessungen und Beschreibungen nicht zu erkennen. Nur Amandus Haase spricht von einem zweiten Abschnittswall, von dem aber zu seiner Zeit nicht mehr viel zu sehen war. Nach seiner Aussage wurden Teile des inneren Grabens um 1930 verfüllt. Der äußere Graben wurde wohl schon 1912 beim Bau des Lanekhauses zugeschüttet.

Die Ansprache als Burg untermauert Gerhard Billig mit dem Hinweis auf ein kleines in Lehm gesetztes Tonnengewölbe aus Bruchsteinen am Osthang und die Verwendung alter Bausteine für eine sekundär aufgeführte Terrassenmauer. „Gleichfalls unterstreichen künstliche Terrassierungen im Westen des Grabens die ehemalige Zugehörigkeit dieser Fläche zum Burgbereich, die durch den unter der heutigen Veranda liegenden Felsenkeller bewiesen wird.“ (Billig 1963, 276).

Ein Bericht von 1829, den Gerhard Billig als Beleg zitiert, geht jedoch in eine ganz andere Richtung: „Als historische Tatsache ist davon zu merken, dass der Platz, welcher den Gipfel der Anhöhe bildet, in der frühen Vorzeit unstrittig ein Opferplatz von ausgebreiteter Ausdehnung gewesen sein mag. Denn man gibt noch jetzt die Stelle an, wo Götzenbilder gestanden haben sollen. Bei Ausbreitung des Christentums wurde an der Altarstätte der Heiden ein Kloster erbaut, dessen Grundmauern noch jetzt sichtbar sind […].“

Eine archäologische Untersuchung wurde nicht durchgeführt. Amandus Haase schreibt dazu im Jahr 1938: „Auf der Stelle, wo die alte Laneck oder Lantecke gestanden hat, ist eine Grabung aussichtslos, da nur der tote Boden (körniger Diabas), teilweise bedeckt von einer dünnen Humusschicht ansteht. […] An der Laneck sind zwei Abschnittsgräben vorhanden gewesen. Von dem ersten ist nicht mehr viel zu erkennen. Nur an den beiden Flanken des Hanges ist er noch etwas zu erkennen. Der zweite Graben ist besser. Er ist nur teilweise ausgefüllt.“ (Haase am 27.03.1938 an Georg Bierbaum, ebenso Johannes Leipoldt 1932). Die Bodenvertiefungen sind kaum noch im Gelände zu erkennen. Doch diese Vertiefungen können auch durch neuzeitliche Wege, Terrassierungen und Einbauten entstanden sein. Da sie keinen Befestigungscharakter aufweisen, ist eine Interpretation als mittelalterliche Befestigung fraglich.

Merkwürdig mutet auch der Hügel auf dem Bergsporn an, der nach der Einmessung Haases als „ringförmig gewölbte Erdaufschüttung“ nur den westlichen Bereich des Geländes ausmacht. Hinweise auf einen vorgelagerten Wall fehlen. Wälle sind weder hier noch am vermeintlichen äußeren Graben festgestellt worden. Sie könnten zur Auffüllung der Gräben genutzt worden sein.

Die Urkunde von 1267 weist ausdrücklich darauf hin, dass den Brüdern Reinbot und Erkenbert ein eigenes Siegel fehlt. Deshalb müssen sie das ihres Vaters Erkenbert von Straßberg verwenden. Dieser Umstand deutet darauf hin, dass die Herrschaft Lanteck zu diesem Zeitpunkt noch nicht lange bestanden haben kann. Ein Jahr zuvor urkundet Erkenbert junior (noch) nicht mit der Angabe „de lantecke“. Weitere schriftliche Belege sind nicht bekannt. So bleibt fraglich, ob ein Befestigungsbau auf dem Sporn überhaupt zur Ausführung gekommen ist.

Eduard Johnson zählt eiserne Pfeilspitzen, dolchartige Eisenspitzen, kleine flache Pferdehufeisen und einen gut erhaltenen Fingerring aus Goldbronze als Funde in der Nähe der Weischlitzer Schwedenschanze auf. (Mitteilungen Altertumsverein Plauen 17, 1905/06). Nach Aussage des Rittergutsbesitzers Keller von 1934 wurden diese Funde jedoch am Laneckhaus gemacht.

Laneckhaus by Gerhard Billig 1953. Links: Reste des äußeren Grabens, Mitte: Torgasse der Vorburg und Rechts: innerer Graben mit Bühl. Bei allen Vertiefungen könnte es sich auch um hohlwegartige Zuwegungen handeln. Ob der als Bühl interpretierte Bereich an der Spornspitze überhaupt künstlich aufgeschüttet wurde, ist nicht zuletzt durch die Aussagen Haases zum "toten Boden" fraglich.

Göllnitz

„Zweifellos bestanden [im Gebiet der Herren von Vogtsberg] schon frühzeitig die beiden wohl kaum als Schloß, castrum oder munitio zu bezeichnenden Ritterschaftlichen Höfe Gölnitz und Dobeneck […]. Über ihre Entstehung ist ebensowenig wie über die Lehnsbeziehungen zu den Herren von Vogtsberg etwas bekannt geworden. Wir wissen nur, dass die von Gölnitz das erste Mal urkundlichen 1271 auftreten, der gleichnamige Hof aber erst seit 1378 bekannt ist.“ (Curt von Raab: Schloss und Amt Vogtsberg, 1907, Seite 29). Im Jahr 1271 tritt der Ritter Johannes de Golnicz als Zeuge einer Urkunde des Plauener Vogtes auf.

Das Vorwerk, das aus der Burg hervorgegangen sein soll, befand sich etwa 1,4 km südlich der Stadt Oelsnitz im Krähenholz. Spuren davon sind im Gelände nicht mehr erkennbar. Interessant ist eine Bergkuppe (495 m über NN) direkt neben dem späteren Vorwerk. Dort wäre eine kleine Befestigung denkbar.

Im Kursächsischen Meilenblatt (Berliner Exemplar) von um 1800 (links) ist das Vorwerk eingezeichnet. Direkt westlich davon befindet sich das Krähenholz, dessen Kuppe 495 m über NN liegt. Die gleiche Ansicht im Schummerungsbild (Mitte) und in einer Vergrößerung des Krähenholzes (rechts).

Gopplasgrün

1954 entdeckte Erich Wild in Gopplasgrün eine Struktur, die er als „frühdeutsche Wasserburg“ identifizierte. Volkmar Geupel beschreibt eine „Niederungsburg mit abgerundet-viereckigem Kernwerk von 10 x 8 m, ehemals umlaufenden Graben im Süden 4 m breit, im Osten als leichte Senke erhalten, im Norden und Westen gestört bzw. planiert“ (Nr. 12.1).

Hauptmannsgrün

Hauptmannsgrün - Kellerplatz by Gerhard Billig 1954 (KI-koloriert)

Hauptmannsgrün

Der 1440 erstmals als Hartungsgrün urkundlich erwähnte Ort dürfte im späten 12. Jahrhundert besiedelt worden sein. Die bäuerlichen Gehöfte befinden sich an beiden Hängen des Dorfbaches, der mehrfach künstlich gestaut ist.

Im Süden von Hauptmannsgrün, in der Nähe der Mündung des Seifenbaches in den Raumbach fand Amandus Haase 1939 eine Bühlburg. Sie ist jedoch stark verschliffen. In den Bühl wurde ein Keller hineingebaut. Auf einem Foto von Gerhard Billig aus dem Jahr 1954 sind der mit Birken bewachsene Bühl und der Grabeneinschnitt noch recht gut zu erkennen. Amandus Haase berichtet: „Dass der Bühl noch erhalten ist, verdanken wir wahrscheinlich dem Umstand, dass sich in ihm eine kleine mit Steinen ausgesetzte Vertiefung befand, die in neuerer Zeit als kleiner Keller (1,6 x 1,6 m) ausgebaut wurde.“

Die Verfüllung des Teiches und der Straßenbau in den 1930er Jahren haben die Anlage stark verändert.

Das Eibenstocker Tageblatt veröffentlichte am 15. August 1941, dass „beim Graben im Garten zwischen alter und neuer Schule in Hauptmannsgrün Oberlehrer Martens-Plauen […] zwei Scherben mit schönem Kragenprofil aus dem 12./13. Jahrhundert (festgestellt durch den Vertrauensmann zum Schutze vogtländischer Bodenaltertümer, Museumskonservator Haase) fand. Zur Ringwallinsel ist damit eine andere bedeutsame Urkunde aus der Zeit der deutschen Landwiedernahme gekommen.“ (Beachtenswert ist hier das Wort „Landwiedernahme“, das sich auf eine nur als "zwischenzeitlich" angesehene Besiedlung des Vogtlandes durch slawische Volksgruppen bezieht.)

Für den Bühl wird ein Durchmesser von 11 m angegeben und für den Graben eine Breite von 6 m.

Zwischen Hauptmannsgrün und Waldkirchen gibt es mehrere alte Hohlwegtrassen.

Heinersgrün

Im Vertrag von Bobenneukirchen (1296), in dem sich die Vögte von Weida, Gera und Plauen auf die gemeinsame Herrschaftswahrnehmung im Regnitzland einigten, erhält der Plauener die hohe Gerichtsbarkeit über Eberhartsperch (Ebersberg), Plözinberch (Blosenberg), Hartmansrute (Unter-Hartmannsreuth in Oberfranken) und Heinrichsgrune (Heinrichsgrün). Etwa 30 Jahre später (1330) wird Reinhold von Feilitzsch als Herr von Heinrichsgrün aufgeführt.

Eine entsprechende Befestigungsanlage ist allerdings nicht ersichtlich. Als möglicher Standort wurde die südliche Kuppe des Ränschel Pöhls in Bedacht gezogen, auf der sich die weithin sichtbare St.-Clara-Kapelle befindet. Reste von Wällen und Gräben sind hier allerdings nicht zu finden.

Ein zweiter möglicher Standort ist die Anhöhe, auf der sich heute das Schloss Heinersgrün befindet. Dies wäre ein geeigneter Standort in der Niederung des Vogelreuthbaches. Die Überformungen durch den Schlossbau (zuletzt 1921 nach einem verheerenden Brand) haben jedoch keine Spuren hinterlassen, die eindeutig einer mittelalterlichen Burganlage zugesprochen werden können.

Paul Apitzsch veröffentliche 1939 im Vogtländischen Anzeiger und Tageblatt eine Grundrissskizze des Schlosses vor dem Brand. Den Bau dieses Gebäudes datierte er aufgrund einer Akte des Brandversicherungsamtes Oelsnitz von 1858 auf etwa 1650. Das Haupthaus ist ein Rechteck von 17 x 28,4 m, das nach dem Brand im Westen um etwa 9 m verkürzt wurde. Mehrere Anbauten, wie der Nordostturm (5 m Durchmesser) und der Pferdestall sind wohl erst nach 1800 hinzugekommen, da sie in den Meilenblättern nicht erscheinen. In der Gebäudeansicht bei Pönnecke sind sie sichtbar.

Die Kursächsischen Meilenblätter zeichnen die älteste Darstellung des Schlossareals. Auf dem ovalen 160 x 90 m großen Felsen sind zwei Bereiche erkennbar, die wohl durch einen Graben (vielleicht 12 m breit) voneinander getrennt waren: Die „Vorburg“ mit einer Fläche von etwa 4.500 qm und die 2,5 m höher liegende „Hauptburg“ mit einer Größe von ungefähr 5.500 qm. Auf den Meilenblättern ist die Umfassungsmauer der „Hauptburg“ zu erkennen, sowie jeweils ein Rundturm an der Nordostecke und der Südwestecke (jeweils 15 m Durchmesser). Am Nordostturm ist zur „Vorburg“ ein 9 m breiter Zwinger eingetragen. Diese Angaben sind aber nur grob aus den Meilenblättern zu entnehmen.

Die in der Urkunde von 1296 genannten Orte Blosenberg und Ebersberg wurde wohl von der Burganlage Wiedersberg beherrscht. Zwischen Wiedersberg und Blosenberg ist ein Galgenpöhl eingezeichnet (555 m über NN), östlich von Heinersgrün ein Galgenhübel (475 m über NN). Beide sind günstig am alten Verkehrsweg zwischen Hof und Plauen gelegen.

Helmsgrün

Helmsgrün by Rudolf Laser 1953 (KI-koloriert)

Helmsgrün

Auf einem Sporn am linken Hang des Bellwitzbaches soll sich eine mittelalterliche Befestigungsanlage befunden haben, die als Burgstatt, Wahl oder alter Hof bezeichnet wird. Eine Bodensenke im Osten wird als Rest eines Grabens gedeutet. Er trennt einen ovalen Burgbereich von ungefähr 30 x 19 m (386 m über NN). Volkmar Geipel gibt für den Graben eine Breite von 11 m an.

Das ehemalige Rittergut Helmsgrün (siehe Meilenblätter) überprägte das Gelände, sodass verlässliche Aussagen schwierig sind.

Die Verpfändung der Herrschaft Plauen durch den Vogt Heinrich X. von Plauen an den Burggrafen Johann III. von Nürnberg im Jahr 1418 erwähnt den Ort Helmsgrün erstmals. Der Nürnberger Burggraf belehnte in den zugehörigen Vereinbarungen Friedrich von Kospoth mit zwei Gütern in Helmsgrün, Albrecht Rabe zu Mechelgrün mit drei Gütern, Albrecht Rabe zu Mechelgrün (wohl ein anderer mit gleichem Namen) mit drei Gütern, Folkel und Hans Roder zu Pöhl mit einem Gut, Hans Roders Frau mit einem Gut als Leibgedinge (Wohnrecht), sowie Heinrich Schuler mit dem Vorwerk und drei Bauern. Heinrich Schuler besaß auch das Recht der niederen Gerichtsbarkeit in Helmsgrün. Mit dem Begriff Vorwerk könnte ein befestigter Wirtschaftshof gemeint sein, aus dem später das Rittergut hervorgegangen ist. Der übergeordnete Herrensitz befand sich wohl in Pöhl.

Herlasgrün

Herlasgrün by Rudolf Laser 1953 (KI-koloriert)

Herlasgrün

Die Befestigung, die in der Literatur als Christgrün I bezeichnet wird, befand sich südlich (deutlich außerhalb) des heutigen Ortes Herlasgrün, dort, wo der alte Weg zwischen Treuen und Christgrün die Talsohle quert. Allerdings ist heute nur noch für geübte Augen eine leichte Bodenwelle in der Aubach-Niederung zu erkennen.

Bereits 1902 beschrieb Eduard Johnson (Vogtländischer Anzeiger am 06.09.1902) die „Ringwallinsel“ als stark verfallen, da Teichanlagen aus späterer Zeit die Erdaufschüttungen weggespült hätten. Den Durchmesser der runden Kernanlage bemisst er mit 20 m, die Sohlbreite des Grabens mit 8 m. Für den äußeren Wall konnte er nur noch eine Höhe von 1,5 m über der Grabensohle feststellen. Bruchsteine aus Grünstein, die er im nördlichen Bereich und in der Mitte der Kernanlage fand, deutete Johnson als Feuerstelle.

Bei einer archäologischen Untersuchung, die Hans Krause im Spätsommer 1908 und im Juli 1909 im Auftrag des Altertumsvereins Plauen durchführte, wurde dicht unter der Rasendecke eine Schicht mit Brandschutt freigelegt. Darunter fanden sich Bruchsteine im Mauerverband. Die Mauern wurden als Fundamente für Gebäude aus leichten Holz- und Lehmwänden gedeutet. Hierfür sprachen auch die Brandspuren von verkohltem Holz und Lehm. Es folgte eine genaue Einmessung durch das städtische Vermessungsamt Plauen.

Der Übersichtsplan zeigt ein verwirrendes Bild sich überschneidenden Mauerzügen und Mauerresten. Auch die Form der Gesamtanlage bleibt vage. Die Mauern sind farblich unterschieden, was wohl auf verschiedene Bauphasen deuten sollte. In der Beschreibung wird allerdings nur von oberen und unteren Mauern gesprochen. Ein rechteckiger Grundriss lässt sich in einem Fall erkennen. Ansonsten sind rechte Winkel rar. Die abweichende Ausrichtung der Mauern lässt auf eine Mehrphasigkeit schließen. Die Fotografien von 1909 (Sächsisches Landesamt für Archäologie) verstärken den Eindruck, dass die Interpretation von Steinmauern zum Großteil nicht stimmt. Vielmehr dürfte es sich um verstürzte Mauerreste handeln, die auseinandergepflügt wurden.

Eine quadratische Struktur aus Holzbalken innerhalb des untersuchten Areals wurde nicht weiter untersucht und beschrieben.

Es wurden einige durch Brand verformte Eisenreste und zahlreiche Keramikscherben gesichert, die an das Staatliche Museum für Vorgeschichte in Dresden gingen und als „frühdeutsch“ (also 12. Jahrhundert) eingestuft wurden.

Insgesamt bleiben aber einige Ungereimtheiten:

Während E. Johnson den Durchmesser des Kernwerks mit 20 m beziffert, sind im Übersichtsplan von 1909 dafür 30 m eingetragen (R. Laser gibt „ungefähr 25 m“ an.). Johnson beschreibt die Burg als runde Anlage, doch im Plan von H. Krause ist ein Viereck dargestellt. (Im Geoportal Sachsenatlas ist eine annähern quadratische Struktur zu erkennen.) Die Mehrzahl an Bauphasen lässt auf eine längere Nutzung des künstlichen Hügels schließen. Dabei ist eine deutliche Veränderung und Ausrichtung der Gebäude zu erkennen. All dies lässt eher auf ein landwirtschaftliches Gebäude schließen, dass in der feuchten Niederung etwas höher gesetzt wurde.

„Die Ringwallinsel wurde nach den Ausgrabungen nicht wieder in den früheren Zustand gebracht, sondern blieb mit den durch die Nachgrabungen entstandenen tiefen Löchern, Gräben, Erd- und Steinhügeln liegen. Dies mag auch die Ursache sein, dass diese Stelle im Laufe der Zeit trotz mehrfacher Warnungen, von den Umwohnern als Unrat-Ablageplatz benutzt wurde.“ (Forstverwalter von Bosse am 04.07.1935 an die Freiherrliche von Hünefeld‘sche Familienstiftung, Vogtlandmuseum Plauen)

Amandus Haase schrieb 1938: „Die Grabungsstelle ist mir bekannt. Sie schaut trostlos aus. Von einer Ringwallanlage kann nicht mehr gesprochen werden, da nur wüste Erd- und Steinhaufen und mit allerlei Unrat gefüllte Löcher den Standort der Anlage nach den Berichten vermuten lassen.“ (Notiz vom 08.04.1938 im Vogtlandmuseum Plauen).

1966 meldete Alfred Leistner dem Vogtlandmuseum, „dass die Herlasgrüner Anlage vollständig mit Christgrüner Schutt ausgefüllt ist. Die Anlage ist gewissermaßen einplaniert.“ (Brief vom 05.05.1966 im Vogtlandmuseum Plauen).

Irfersgrün

Irfersgrün by Gerhard Billig 1954 (KI-koloriert)

Irfersgrün

Erich Wild beschrieb 1941 (Sachsens Vorzeit 4. Jahrgang 1940, Seite 82 f) die „fast bis zur Unkenntlichkeit veränderte“ Bühlburg Irfersgrün: „Sie liegt in sumpfigem Wiesengelände dicht nordwestlich vom Rittergut. Erhalten ist nur noch ihr Bühl mit etwa 22 m Umfang und einem Durchmesser von 6 bis 7 m als Reststück. Der Graben ist zugeschüttet und der Wall eingeebnet.“ Amandus Haase fand 1940 eine hellgraue, geglimmerte Scherbe mit Gurtfurchen.

Es gibt Fotos von Gerhard Billig (1954), die einen Erdhügel mit umlaufender leichten Bodensenke auf einer Wiese zeigen. Hellmuth Lehniger, der bei der Abtragung des Hügels zugegen war, berichtet von sterilen Erdschüttungen aus magerem Lehm in hellockerer Farbe. Gerhard Billig wies auf einige Granitbrocken hin, die auf ein ungemörteltes Mauerwerk auf dem Bühl hindeuten könnten. Eine archäologische Untersuchung fand jedoch nicht statt.

Jahnsgrün

Jahnsgrün by Martin Salesch 2026

Jahnsgrün

Die Urkunde von 1327, in der das Königreich Böhmen einen Lehnsauftrag für die Herrschaft Plauen erhielt, führt die Burgen in Liebau (castro Lubow), in Schöneck (castro Schonek) und die Befestigungen in Jahnsgrün (municione Johansgrun), in Planschwitz (municione Plonswicz), in Stein (municione Lapis dicta), in Türbel (municione dicta Tirbil) sowie in Gattendorf (Gatndorf) namentlich auf. Die genannten Burgen gingen zusammen mit den zugehörigen Dörfern, Menschen, Gefolgsleuten und Rittern an den König von Böhmen, der seinerseit die Vögte von Plauen wieder damit belehnt. (Schmidt Urkundenbuch 1885, Nr. 611 und 613, zitiert nach Billig 2007).

Der Begriff "castro" bezeichnet sicherlich einen befestigten Wohnsitz von landesherrlichem Rang, während "municio" einen befestigten Platz kennzeichnet.

Da Gerhard Billig in Gansgrün bei Neuensalz keine Spuren einer Befestigung finden konnte, äußerte er unter aller Vorsicht die Vermutung, dass hier zwar eine Befestigung von Heinrich III. (dem Langen) geplant, jedoch nicht verwirklicht worden sei.

Dabei kann der Ortsname Johansgrun auch auf das heutige Jahnsgrün zwischen Mechelgrün und Bergen bezogen werden. Hier findet sich südlich der Plauenschen Straße (169) eine ovale Geländestruktur, die inselartig von drei (wohl nicht nur natürlichen) Bachläufen umflossen wird. Die Struktur ist mit etwa 200 x 80 m allerdings recht groß. Reste einer Bebauung sind obertägig nicht zu erkennen. Es gibt aber Funde weißer, stark geglimmerter Irdenware des 13. Jahrhunderts vom direkten Umfeld.

In den Meilenblättern ist eine Schraffur eingezeichnet, die die Hügelkuppe mit dem nördlich anschließenden Gelände über den Graben hinweg verbindet. Eine solche Schraffur wurde in den Meilenblättern für Brücken oder Stege verwendet. Im Westen der isolierten Fläche markieren mehrere Hohlwege diealte Verkehrstrasse zwischen Mechelgrün und Bergen, östlich zweigt die Verbindung nach Trieb ab.

Eine weitere Auffälligkeit ist die doppelte Bennenung des Jahnsgrüner Baches mit einem Abfluss nach Westen und einem Abfluss nach Südosten.

Links: Der blaue Pfeil im Kursächsischen Meilenblatt (Berliner Exemplar) um 1800 verweist auf die besondere Schraffur, die eine Brücke darstellen könnte. Rechts: Das Schummerungsbild mit Starkregengefahr zeigt, dass die Geländekuppe auf allen Seiten von grabenartigen Senken bzw. Wasserläufen umgeben ist.

Karl August Limmer bildet im 2. Band seiner Voigtländischen Geschichte die Befestigung Jahnsgrün ab (hier KI-koloriert). Es ist ein festes Haus mit zwei Stockwerken aus Stein und einem Fachwerkobergeschoss auf einer isolierten Bergkuppe zu sehen. Aus dem Dach ragen drei (!) Kamine heraus. Eine Umwehrung ist auf dem steilen Hügel nicht eingezeichnet. Hinter dem Haus steht ein langgestrecktes stallartiges Gebäude.

Jößnitz im Kursächsischen Meilenblatt um 1800

Jössnitz

„Um das Gebäude der jetzigen Schlossschule laufen Mauern aus Bruchsteinen, die alt sein könnten. Das Gelände rings um die Schule zeigt eine erhebliche Aufhöhung, die besonders an dem quergestellten Gebäude nach dem ehemaligen Rittergut zu sichtbar wird. Reste von Gräben oder anderen sicheren Beweise einer früheren Wehranlage liegen nicht vor. Es ist aber sehr wahrscheinlich, dass in dieser ausgezeichneten Schutzlage auf Rittergutsgelände sich eine frühdeutsche Anlage befand. Die Verhältnisse in Jößnitz gleichen bis auf unwichtige Einzelheiten nahezu denen von Plohn.“ (interne Notiz Vogtlandmuseum).

Die Spornkuppe liegt 402 m über NN. Nach Nordwesten und Südosten fällt das Gelände zum Kaltenbach steil ab. Der Bergrücken im Nordosten steigt nicht weiter an. Die Voraussetzungen für eine Wehranlage sind also günstig. Ein abschirmender Graben ist nicht erkennbar, was der späteren Überbauung geschuldet sind wird.

Zwei Gebäude wurden auf dem Sporn errichtet, von denen nur noch das 10,5 x 17,5 m große „Jägerhaus“ steht. Dahinter befand sich ein etwa 29 x 12 m großes Hauptgebäude, das Mitte des 19. Jahrhundert vollständig abgerissen wurde. Auf den Meilenblättern ist es eingezeichnet. Die beiden Gebäude auf dem Felssporn wurden laut Meilenblättern an den Steilhängen durch eine Mauer und zum Bergrücken durch einen 13 m breiten Graben geschützt. Verbunden durch eine Brücke befand sich im Nordosten der Wirtschaftshof.

Die erste urkundliche Erwähnung eines Herrensitzes erfolgte 1282 indirekt durch die Nennung Theodericus de Jezcenicz.

Kapellenberg

Kapellenberg Aussichtsturm und Wehranlage by Martin Salesch 2026

Kapellenberg

Auf dem Berggipfel steht eine Triangulationssäule von 1864, über der 1931 ein Aussichtsturm errichtet wurde. Schon 1883 bot eine hölzerne Plattform die Möglichkeit, die hervorragende Aussicht ins Egerland zu genießen. Aufgrund der Grenzlage war der Aussichtsturm ab 1963 gesperrt. 1993 wurde ein neuer Turm errichtet, später noch ein Sendemast.

Um den Gipfel des Kapellenberges (759 m über NN) zieht sich ein etwa 8,5 m breiter Graben, der eine rechteckige Form mit abgerundeten Ecken von ungefähr 47 x 54 m bildet. Er umschließt damit eine Nutzfläche von über 2.000 qm. Außerhalb des Grabens ist eine strak verflachte wallartige Aufschüttung erkennbar. Auch im Innenbereich sind Aufschüttungen aus Erde und vielen Granitbrocken nachgewiesen, die wohl dem Grabenaushub entstammen.

Ferdinand Mohr vermutete 1890, dass der Graben einen Opferplatz begrenzte. Eduard Johnson war sich 1901 unschlüssig: Für eine Kultstätte sprach für ihn der aufwendig in den Fels geschlagene Graben. „Zu so einer mühseligen Arbeit hätte man keinen Anlass gehabt, wenn es sich nur um Einfriedung einer Kultustätte gehandelt hätte.“ (zitiert nach Eduard Johnson: Vogtländische Altertümer – Eine Artikelserie zur Geschichte, Volks- und Landekunde des Vogtlandes, ohne Jahr, Seite 269). Einmal davon abgesehen, dass der Graben nach der Untersuchung von Berthold und Näbe gar nicht in den Felsen gehauen, sondern nur aus dem Lockermaterial darüber ausgehoben wurde, blieb für Johnson das Problem der Wasserversorgung auf dem Berggipfel bestehen.  Er vermutete deshalb eine „nicht mehr erhaltenen Cisterne“.

Die Mehrheit der Forschenden spricht sich für eine Verteidigungsanlage auf dem Kapellenberg aus. So wird eine Verpflichtung der Vögte von Weida, Plauen und Gera von 1261 dem Pfalzgrafen Ludwig dem Bayern gegenüber auf den Kapellenberg bezogen. Darin versichern die Vögte keine Burg oder Feste „in monte, qui dicitur Schoninberch“ noch andernorts im Egerland zu errichten. Den Namen Kapellenberg trägt der Berg erst nach der Errichtung einer der heiligen Ursula geweihten Kapelle im Jahr 1426 am östlichen Berghang. Nach der Übernahme des Egerlandes durch Ottokar von Böhmen im Jahr 1265 fühlten sich die Vögte aber nicht mehr an ihr Versprechen gebunden.

In die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts wird die Errichtung einer Wasserburg am Südhang des Kapellenberges durch Albert von Schönberg datiert (siehe Schönberg).

1916 führten Walter Berthold und Max Näbe eine archäologische Untersuchung auf dem Kapellenberg durch. Sie interpretierten eine große vorgeschichtliche Ringwallanlage, in die nachträglich (zur Zeit der Vögte) ein steinernes Kastell gebaut wurde. Zwei einfach gearbeitete Keramikscherben wurden von ihnen in vorgeschichtliche Zeit datiert. Die Mehrzahl der Scherbenfunde ordneten sie dem Hoch-Mittelalter und damit der Urkunde von 1261 zu.

Berthold und Näbe sondierten den etwa 2,7 m tiefen Graben an verschiedenen Stellen. Funde wurden dabei nicht gemacht. An der Nordostecke legten sie einen Suchschnitt in das Kernwerk hinein und stießen dabei auf eine etwa 2 m breite, trocken aus Granitblöcken aufgerichtete Mauer, die direkt auf den Felsen aufgesetzt und noch bis 2 m Höhe erhalten war. In 1,5 m Höhe war an der Innenseite ein deutlicher Absatz von 0,15 m Breite gesetzt, sodass die Mauer darüber noch 1,85 m maß. Freigelegt wurde ein Eckverband aus „gut behauenen“ Quadern „von bedeutender Größe und zur sicheren Lage in Grunde mit großen Steinen verkeilt.“ Anhand der Geländeform rekonstruierten sie ein 40 x 55 m großes Mauerrechteck, das somit fast den gesamten Innenraum der Grabenanlage einnahm. Berthold und Näbe folgerten daraus den nachträglichen Bau der Mauer aufgrund der abweichenden Orientierung zum Graben. Der Verlauf der Mauer wurde aber zum größten Teil nur aufgrund leichter Bodenwellen im Gelände ermittelt. Neben den Keramikscherben fanden sie zerschlagene Tierknochen, Holzkohle und ein Messer.

Etwa 250 m von der Befestigungsanlage entfernt verlaufen am Osthang des Kapellenberges alte Wegetrassen in nord-südlicher Richtung.

Blick vom Kapellenberg nach Süden (links) und nach Norden (rechts) by Martin Salesch 2026

Kauschwitz

Kapelle Kauschwitz by Martin Salesch 2026

Kauschwitz

Die Siedlung Kauschwitz wird im Jahr 1263 erstmals erwähnt (Cusiczt) und als „slawisches Haufendorf“ eingeordnet. Die Literatur nennt zwei Standorte, an denen mittelalterliche Befestigungen angenommen werden:

Bühlburg I („der wol“ genannt)

Besonders auffällig ist dabei der runde Kapellenturm auf einer Insel neben dem ehemaligen Rittergut. „Die meterdicken Mauern und die Schießscharten im Kellergeschoss des Turmes zeugen noch heute von der Wehrhaftigkeit des Baues. Erst in späterer Zeit gesicherten Wohnens errichtete der Ritter neben seiner Wasserburg das Herrenhaus des Wirtschaftshofes.“ (interner Bericht Vogtlandmuseum). In dem Bericht wird ein Konflikt zwischen den siedelnden Slawen und den (deutschen) Rittern angedeutet, der erst befriedet werden musste. „Auf den Ruinen des verfallenen Wehrturms erbaute um 1700 Johann Friedrich von Watzdorf einen Turm, der zu Zeiten seines Enkels als Vorratskammer für Erntevorräte diente. Ihn ließ 1763 der Erbhofrichter Adam Friedrich von Watzdorf aus Dankbarkeit für die Wiederherstellung seines schon verloren geglaubten Augenlichtes zu einer Kapelle ausbauen.“ (ebenda). Ein Treppenanbau führt seitdem in den hoch gelegenen Eingang.

Die ovale Insel, die nachträglich durch einen etwa 10 m breiten Wall mit dem Ufer verbunden wurde, misst 16 x 20 m (bei R. Laser 15 x 18 m). Da sich der Kapellenturm nicht mittig auf der Insel befindet, darf eine im Ursprung größere Fläche vermutet werden. Der künstlich aufgestaute Teich wurde in seiner Form mehrfach verändert. Ob die Insel / der Bühl zur Erbauungszeit mit einem Graben und Wall gesichert war, lässt sich somit nicht mehr entscheiden. Der 6 m breite Damm, der östlich der Kapelleninsel aufgeschüttet wurde, ist etwa 12 m entfernt. Den Dimensionen nach könnten hier Relikte einer alten Umwehrung vermutet werden. Die Lage der Wehrinsel fast in der Mitte der Syraniederung ist auffällig. Nimmt man die Höhenlinie von 415 m über NN an dieser Stelle als alte Uferlinie an (dies entspricht der Warnfläche bei Starkregenereignissen), so wäre die Wehranlage vom südlichen Ufer etwa 47 m und vom nördlichen etwa 85 m entfernt gewesen. Die Funktion im Zusammenhang mit einer Syrafurt drängt sich deshalb auf.

1317 wird Jane von Kuschewitz erwähnt und 1428 Nickel Beler zu Kuschwicz.

1958 wurde beim Entschlämmen des Teiches ein Schwert geborgen, das 65 cm lang und 7,5 cm breit ist.

 

Bühlburg II („Küchenteich“)

Ungefähr 200 m westlich der Kapelleninsel erkannte Eduard Johnson am Südufer des Syrabaches einen viereckigen Bühl mit 15 m langen Kanten. Bis ins Jahr 1900 war diese Struktur wohl noch gut im Gelände zu erkennen. Heute sind nur noch im digitalen Geländemodell (Schummerungsbild) Strukturen zu erahnen, die die östliche Bühlkante, einen etwa 7 m breiten Graben und einen 6 m breiten Wall darstellen könnten. Der vermeintliche Wall umschließt die Anlage allerdings nicht, sondern erstreckt sich in gerade Richtung zur Syra. Dies könnte auf einer späteren Veränderung beruhen.

Auf der Kernanlage soll Johnson zufolge Mauerwerk aus Grünstein, aber keine Spuren von Kalk und Mörtel gefunden worden sein.

Anders als die Kapelleninsel befindet sich diese Anlage, wie vergleichbare Bühlburgen der Region, in Randlage direkt an der Mündung eines kleinen Seitenbaches in die Syra. Johnson schließt auf einen Vorgänger zu der „der wol“ genannten Anlage I.

Kauschwitz 1899 (Mitte) unbekannter Fotograf, Graben und Wall (links) und Drohnenfoto (rechts) by Martin Salesch 2026.

Eine hilfreiche Funktion im Geoportal Sachsen ist die Darstellung von Starkregenereignissen, wobei neuzeitliche Eingriffe (z. B. durch Straßenbau) berücksichtigt werden müssen. Vielfach zeichnet sich aber das Ausmaß alter Niederungsbereiche ab, die heute meist begradigten und reguliert sind. So ist für die Bühlburg in Kauschwitz die Insellage in der Mitte des Syratales gut zu erkennen. Die schraffierte Fläche gibt den heutigen Teich wieder. Gut zu sehen ist auch die schmalere Ausbildung der Niederung vor dem Zufluss des Hakerbaches (rechter Bildrand). Hier dürfte sich die Furt befunden haben.

Kemnitz

Amandus Haase untersucht Kemnitz III, 1939

Kemnitz I, II und III

Nur 126 bzw. 190 und 200 m liegen zwischen den drei Bühlburgen innerhalb des Ortes Kemnitz. Sie ähneln sich im Aufbau, da sie alle aus einem annähernd quadratischen Kernwerk mit abgerundeten Ecken, einem umlaufenden Graben und einem Wall bestehen. Bei Kemnitz I und Kemnitz II weisen die Kernwerke Kantenlängen von 14 m und Grabenbreiten von 7 m auf. Kemnitz III ist etwas größer mit 19 m Kantenlängen und einem 12 m breiten Graben. Alle drei Anlagen wurden in den nach Osten abfallenden Hang zum Kemnitzbach hineingebaut. Die Kernwerke liegen nicht wesentlich höher, als das westlich direkt anschließende Gelände. Die Gräben sind entsprechend auch nur U-förmig aus dem Hang gearbeitet.

Kemnitz I befindet sich ungefähr 32 m südlich der Kemnitzer Kirche, während Kemnitz II und Kemnitz III direkt am Kemnitzbach platziert sind. Kemnitz I befindet sich in Hanglage und hatte wohl nur einen trockenen Graben, da an der Ostseite keine Hinweise auf einen Wall bzw. Damm erkennbar sind. Der Graben läuft nach Osten hin aus. Hier könnte aber auch die neuzeitliche Bebauung Veränderungen geschaffen haben. Der Bühl hat einen Durchmesser von knapp 13 m.

Der Graben von Kemnitz II dürfte vom Kemnitzbach aus bewässert worden sein. Auch hier ist auf der Ostseite kein Wall oder Graben vorhanden, was mit der Lage am Rand der Niederung begründet werden kann. In den Meilenblättern ist die nach Osten offene Flanke dargestellt. Der Bühl misst 14 m im Durchmesser. Nach Eduard Johnson hat der Eigentümer vor 1900 einen Suchschnitt im Kernwerk begonnen, die Arbeiten jedoch ohne Ergebnisse abgebrochen.

Kemnitz III („Altes Schloss“) ist durch die Nutzung als Abfall- und Spielplatz beeinträchtigt. Auf dem quadratischen Kernwerk sind Reste von Trockenmauern zu erkennen. Der Bühl wurde „erst später – Zeitpunkt unbekannt – mit einem festen Haus versehen. […] Bürgermeister Scherzer erklärte, ihm sei erklärt worden, dass auf dem Bühl des sogenannten Alten Schlosses bis zum Jahr 1855 ein einstöckiges festes Haus – das Schloss – gestanden sei. Es habe quadratische Form gehabt, was auch aus den Mauern auf dem Bühl noch zu ersehen sei. 1855 seien das Haus und die Wirtschaftsgebäude einem Brand zum Opfer gefallen. […] Das Schloss sei nach und nach verfallen, die Steine seien von Bauern zu Bauzwecken abgefahren worden…“ (A. Haase an G. Bierbaum am 22.06.1938). Von der Ruine des festen Hauses existiert eine Zeichnung, die aber nicht mit der Beschreibung des Bürgermeisters übereinstimmt.

Die Meilenblätter verzeichnen ein 15 x 27 m großes Gebäude auf dem 44 x 31 m großen Bühl und einen 7 m breiten, wasserführenden Graben, der das Kernwerk vollständig umschließt und sicherlich zum Kemnitzbach hin durch einen Damm bzw. Wall separiert war. Letzteres ist auf den Meilenblättern aber nicht eindeutig zu sehen. Eine Brücke führt im Süden vom Bühl zu einem größeren Wirtschaftshof. Am Kemnitzbach befindet sich noch ein größerer Garten, der von einer Mauer umschlossen ist. Den Meilenblättern zufolge nimmt Kemnitz III eine ganz andere Position ein, als Kemnitz I und Kemnitz II. Kemnitz I ist in den Meilenblättern gar nicht dargestellt.

Die grundsätzliche Frage ist, wie die drei Bühlburgen in Kemnitz zusammengehören. Datierende Funde gibt es bislang keine. Lediglich von Kemnitz III liegen Keramikscherben des 14. bis 18. Jahrhunderts, Ziegelbruchstücke, Mörtelreste, Glasscherben und Holzkohlestücke vor, die jedoch keinen Hinweis auf die Gründungszeit geben.

Kemnitz I (links), Kemnitz II (mitte), Kemnitz III (rechts) by Martin Salesch 2025

Romantische Ansicht "Altes Schloss" Kemnitz (Kemnitz III), Tonlithographie 1859, aus Poenicke Album der Schlösser und Rittergüter, Vogtländischer Kreis (KI-koloriert).

Kleingera

Ob es in Kleingera am ehemaligen Rittergut eine ältere Bühlburg gegeben hat, ist seit über 100 Jahren umstritten, da der im 19. Jahrhundert geschaffene Küchenteich die Gesamtsituation grundlegend verändert hat. Die Meilenblätter verzeichnen diesen quadratisch eingefassten Teich noch nicht, sondern nur zwei Stauteiche des Dorfbaches.

In der Mitte des neuzeitlichen Küchenteiches befindet sich eine kleine, runde Insel mit einem Durchmesser von etwa 9 m. Die Lage dieser Insel deutet auf ein gestalterisches Element des Küchenteiches. Bühlburgen in einem Teich sind aufgrund des notwendigen Zugangs in einer Ufernähe angelegt.

Weitere in der Literatur für Kleingera angegebene Burgmerkmale sind reine Spekulation. Eine archäologische Sondierung im Jahr 1997 ergab keinerlei Erkenntnisse.

Kursächsische Meilenblätter um 1800 (Berliner Exemplar)

Kloschwitz

Der Ort Kloschwitz (Closwicz) wird 1264 erstmals urkundlich erwähnt. Der Ortskern mit der Kirche liegt am linken Hang des Schönlinder Burgbaches. Dort führt auch ein alter Handelsweg entlang. In der Talsohle befindet sich das ehemalige Rittergut, das bereits 1317 als Herrensitz aufgeführt wird.

Heute ist östlich des Rittergutes eine viereckige Aufschüttung zu erkennen, der ein größerer Teich vorgelagert ist. Die Außenseiten des künstlichen Hügels werden durch eine Mauer gesichert. Dies ist sicherlich eine neuzeitliche Veränderung, genauso wie es die etwa 22 x 22 m große und 2 m hohe Form des Hügels sein dürfte. In der Mitte ist jedoch eine leichte, runde Wölbung von knapp 13 m Durchmesser festzustellen, die als Hinweis auf einen ursprünglich runden Erdhügel gewertet werden kann.

Geländespuren im Südwesten zeigen an, dass es auch auf dieser Seite ursprünglich einen Graben gegeben hat, der später verfüllt und überbaut wurde. Hier wäre eine Breite des Grabens von maximal 15 m anzunehmen. Der Teich im Osten ist hingegen 24 m breit. Hier ist eine flache dammartige Aufschüttung zu erkennen, die den Wasserstau sichert. Reste eines äußeren Walles sind nirgends zu sehen. Da der Teich in den Meilenblättern und im Generalriss von 1824 nicht verzeichnet ist, dürfte seine Anlage jünger und einer parkähnlichen Gestaltung am Rittergut zuzurechnen sein.

Die Bühlburg Kloschwitz befindet sich kurz vor der Einmündung des Burgbaches in den Rosenbach und dürfte deshalb vor allem eine verkehrssichernde Funktion gehabt haben.

Kloschwitzer Wolteich by Amandus Haase 1939 (links), Kloschwitzer Wolteich (mitte) und Reste der  stützenden Trockenmauer (rechts) by Rudolf Laser 1953.

Kürbitz

Kürbitz by Rudolf Laser 1953

Kürbitz

Im Osten von Kürbitz gibt es mehrere Stauteiche, die von der Lohe mit Wasser versorgt werden. Inmitten des westlichsten Teiches steht eine rundliche Insel von etwa 23 m Durchmesser, die sich ungefähr 2 m über den Wasserspiegel erhebt. Die ursprüngliche Grabenbreite dürfte bei 9 bis 12 m gelegen haben, ist aber durch die teichartige Erweiterung verändert. Im künstlich aufgeschütteten Hügel soll sich ein Keller befinden.

Der erste schriftliche Nachweis für den Ort Kürbitz stammt aus dem Jahr 1225. Die steinerne Brücke über die Weiße Elster wird 1298 erstmals erwähnt. Dies deutet darauf hin, dass Kürbitz im 13. Jahrhundert für den (überregionalen) Verkehr von Bedeutung war. Entsprechende Wegespuren sind westlich der Weißen Elster erhalten.

Nach Rudolf Laser gab es Einzelfunde, darunter Keramikscherben mit Bodenstempel, deren Verbleib allerdings unbekannt ist.

Landwüst

Landwüst by Martin Salesch 2025

Landwüst

In leichter Hanglage des Landwüster Dorfbaches befindet sich eine Bühlburg. 1898 berichtet Eduard Johnson: „Der Graben und das innere erhöhte Rundteil der Insel sind so gut erhalten, dass sie sofort ins Auge fallen. […] Der Durchmesser des Rundteils beträgt oben etwa 7 m, unten an der Grundfläche 11 m, die Sohle des tiefen Grabens misst 5 bis 6 m, die Spannweite am oberen Rand gegen 10 m. Nach Süden [sic! Norden] zu geht der Wall des Grabens in eine sanft ansteigende Anhöhe über, die sich beträchtlich über das Rundteil erhebt. […] Innerhalb des Wallgrabens an der unteren Seite befindet sich ein Brunnen.“ (Vogtländischer Anzeiger Nr. 146 am 26.06.1898).

Heute erscheint der Bühl eher quadratisch als rund. Dieses Aussehen ist aber wohl auf Bebauung, Bepflanzungen, Abgrabungen und Erosion zurückzuführen. Auffällig ist, dass der nördliche Grabenabschnitt aus dem Hang herausgearbeitet wurde. Hier ist das anschließende Gelände im Vergleich zum Bühl hoch, auch wenn wir von einer ursprünglich höheren Aufschüttung des Bühls und von einem niedrigeren Straßenniveau am Hang ausgehen müssen. Der verteidigungstechnische Vorteil der Bühlburgen besteht neben einem Annäherungshindernis durch Wall und Graben vor allem aus einem erhöhten Mittelteil. Der Angreifer konnte so von oben herab bekämpft werden. In Hanglage wird diese Besonderheit eingeschränkt. Deshalb ist zu fragen ist, ob die Hauptfunktion von Bühlburgen in dieser Lage überhaupt die Verteidigung war. Denkbar ist auch eine einfache Kontrollfunktion als Wegewarte oder Grenzstation.

Landwüst by Amandus Haase 1938 (links) bzw Rudolf Laser 1953 (mitte und rechts).

Der Landwüster Bühl (als blauer Punkt im Meilenblatt von um 1800 eingetragen) befindet sich jedoch nicht an der wichtigen Nord-Süd-Trasse, sondern an einem Abzweig Richtung Westen. Auffällig ist die Lage in einer Quellmulde, wie es auch beim "Alten Schloss Wintersreuth" etwas weiter südlich der Fall ist (im Meilenblatt als Kreis in einem blauen Kreis mit umlaufender Punktreihe eingezeichnet). Der Bühl könnte also auch etwas mit dem mittelalterlichen Siedlungsvorgang zu tun haben. Auch an Schloss Winterreuth hatte sich eine Siedlung gegründet, die jedoch wieder wüst fiel.

Lauterbach

Lauterbach by unbekanntem Fotografen 1910

Lauterbach

Die heutige Hofer Straße in Lauterbach ist eine alte Wegetrasse, die von Oelsnitz kommend ein ganzes Stück am Lauterbacher Dorfbach entlang führt. An der Einmündung eines Nebenbaches befindet sich ein künstlich aufgeschütteter Erdhügel. 1935 führten hier die Lehrer Arno Roth und Oskar Glier Untersuchungen durch: „Die Wallanlage erhebt sich in einem feuchten von Südwest nach Nordost zu fallenden Wiesengelände mit einer Kronenbreite von etwa 11,3 x 11,3 m und einer Fußbreite von 16,5 x 18,5 m. An der unteren, der nordöstlichen Seite, liegt die Kronenhöhe etwa 2,3 m und an der oberen etwa 1,7 m über dem Wiesengelände. […] Das Plateau wird als Garten genutzt und ist eingezäunt. Früher hat darauf ein Wohnhaus [erbaut Anfang 17. Jh.] gestanden, welches [… 1922] abgebrochen worden ist. [… Es] kann angenommen werden, dass der Wall in früheren Jahren mit einem Teich oder Wassergraben umgeben war, der später durch Entwässerungsgräben entwässert worden sein muss.“ (Dieckmann in einem Bericht 1935). Die Untersuchung beschränkte sich auf die obertägig sichtbaren Reste. Die quadratische Form der Erdschüttung wird auf den Bau des Wohnhauses zurückgeführt. Ein Wall ist andeutungsweise auf der Nordwestseite zu erkennen, hier aber vom Wegebau zum ehemaligen Rittergut überprägt. Auf der Süd- und Ostseite ist eine etwa 7 m breite grabenartige Vertiefung festzustellen.

Links: Foto von Walter Möbius 1953 (KI-kolo9riert). Rechts: Foto von Martin Salesch 2026.

Lengenfeld - Grün

Lengemfeld-Grün im Kursächsischen Meilenblatt (Berliner Exemplar) um 1800

Lengenfeld - Grün

„Nun hat sich herausgestellt, dass auch das Grüner Rittergut in seiner Urform auf eine Ringwallinsel zurückgeht und dass demgemäß dem Anwesen ein viel höheres Alter zuzugestehen ist, als man bisher annahm.“ (C. Gerber in Lengenfelder Nachrichten Nr. 220, 1942).

Im Jahr 1616 ist ein eigenständiges Rittergut mit herrschaftlichen Rechten nachweisbar. Davor lagen die Herrschaftsrecht in Plohn. Beide Orte gehörten den Burggrafen von Leisnig. 1399 belehnt Albrecht von Leisnig (Herr zu Penig) die Grüne und die Plone an Eberhard von Tettau. 1455 sitzt Leonhart von Tannenberg auf Plohn. Er überlässt Hansen Hammerschmied den Hof und die Schneidemühle „oben in der Grüne“ Hansen Hammerschmidt möchte hier eine neue Hammermühle bauen.

Das Hammergut wird 1650/1685 im Erbregister Carl von Bose auf Mylau erwähnt mit dem Hinweis, dass das Wohnhaus von einem Graben umgeben ist. Genauso ist es auch in den Meilenblättern eingetragen. Dort findet sich eine ovale Aufschüttung von 26 x 20 m mit umlaufenden, etwa 7 m breiten Graben. Hinweise auf einen Wall sind hingegen nicht erkennbar. Somit ist zu fragen, ob es sich tatsächlich um die Reste einer Bühlburg handelt oder um ein vor Wasserschäden geschützten Bauplatz.

Das Gelände in der Göltzschniederung ist heute vollständig überbaut.

Liebau

Liebau by Martin Salesch 2026

Liebau

Gerhard Billig und Heinz Müller gehen davon aus, dass auf dem Liebauer Sporn in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts eine landesherrliche Burg der Vögte von Plauen errichtet wurde. Dieser Burg weisen sie den inneren Abschnittsgraben mit vorgelagertem Wall zu, der die Burg nach Nordwesten zur Spornspitze hin sichert. Zwei weitere Gräben an der Spornspitze sehen sie als natürlich entstanden an. Der tiefe östliche Abschnittsgraben war durch einen Bachlauf natürlich vorgezeichnet und dürfte für die hochmittelalterliche Befestigungsanlage ausgebaut worden sein. Die Autoren vermuten im nordwestlichen Bereich des Burgareals einen aufgeschütteten Hügel als Basis für einen Turm. Die Überprägung des Geländes mit der Schlossanlage der Renaissance lässt laut Billig und Müller keine weiteren Schlüsse zur hochmittelalterlichen Befestigung zu.

Michael Rudolf geht in der Beschreibung der mittelalterlichen Burg deutlich weiter, obwohl auch ihm die Belege dafür fehlen: Er benennt einen „großen Wohnturm, der durch den kleinen Zwinger mit der Toranlage und dem Torturm verbunden war. Nach Norden schützte ein Bering mit Wehrgang den eingeschlossenen Hof. Innen an der Mauer waren Stallungen und Wirtschaftsbauten angelehnt.“

Das Vogtlandmuseum Plauen bewahrt einige Oberflächenfunde mit der Ortsbezeichnung „Ruine Liebau“ auf, die zum Teil mit einer genaueren Angabe des Fundortes im Spornbereich verzeichnet sind. Hauptsächlich handelt es sich um hellgraue Irdenware mit weißer oder hellgraublauer Oberfläche und auffälliger Glimmermagerung, die dem 13./14. Jahrhundert zugerechnet werden kann.

Befund im Juni 2025: Es sind zwei auffällige Baubefunde in der Schlossruine hervorzuheben, die noch eine weitere Interpretation ins Spiel bringen: a) Unter der Nordostecke des Renaissance-Schlosses befindet sich eine Felsformation, die den höchsten natürlichen Punkt des Sporns markiert. Gerade hier wäre ein wichtiger Teil der Burg zu vermuten und nicht wie von Billig und Müller angegeben im hinteren, tiefer gelegenen Teil des Sporns. b) Der Schlossbau der Renaissance ist zum Teil auf älteren Mauerzügen errichtet. Dabei lassen sich zwei Bauphasen erkennen. Die ältesten Steinmauern sind aufgrund ihrer Form (Zweischalenmauern) und ihrer Dicke unbedingt einem Verteidigungszweck zuzuordnen, zumal die Durchfensterung für einen Schlossbau viel zu dürftig ist. Mehrere Schießscharten an verschiedenen exponierten Stellen deuten ebenfalls auf eine Wehranlage, auf denen das Renaissanceschloss errichtet wurde. Ein grobes Aufmaß der sichtbaren Mauerzüge lässt vermuten, dass ein erheblicher Teil der mittelalterlichen Burg für den Schlossbau genutzt und integriert wurde.

 

Kernwerk: Die Grundmauern des annähernd quadratischen Treppenturmes (5,5 x 5,0 m) sind 1,4 m breit. Sie binden (im Gegensatz zu den oberen Stockwerken) in die Nordwand der Ruine ein. Im südwestlichen Bereich des Schlosses stehen Mauern von 1,5 m Breite, die einen wehrhaften Charakter besitzen. Im Grundriss ergibt sich ein zweiteiliges Kernwerk von etwa 18 x 15 m Größe, an dessen Nordostecke der Turm platziert ist. 3,5 m neben dem Turm befindet sich in der Nordwand ein mit zwei Kellerfenstern ausgestattetes über 1 m vorspringendes Mauerstück, dessen Funktion wohl in der wehrhaften Flankierung des Burgeingangs zu suchen ist. Denn direkt neben dem Turm befindet sich im Obergeschoss der Nordwand eine alte Maueröffnung in Türgröße, die vom Innern des Gebäudes eigentlich ins Leere führt. Hier könnte hypothetisch ein hölzerner Aufgang in das Kernwerk gestanden haben. Die Türöffnung führt in den schmaleren Teil des Kernwerks mit einer lichten Größe von 5 x 12 m. Die flankierenden Mauerzüge dieses Gebäudeteils sind obertägig nur noch im Ansatz sichtbar und die Kanten verschliffen. Die Mauerstärke von 1,5 m ist hier nur geschätzt, aber wahrscheinlich. Es hat den Anschein, dass die Mauer zwischen den Teilen des Kernwerks nur eingesetzt ist, während die östliche Abschlussmauer mit dem Turm und der Südwand verzahnt ist. Eine Mauerecke an der Westseite der Ostwand könnte auf eine bauliche Unterteilung dieses Kernwerkteils hindeuten. Eine Türöffnung nach Osten ist durch Ausbruch des Mauerwerks entstanden und damit jüngeren Datums. Insgesamt stehen die sichtbaren Mauerreste östlich des Kernwerks wohl erst mit dem Renaissancebau in Verbindung. Ob es an dieser Stelle bereits einen mittelalterlichen Bau gegeben hat, lässt sich nicht sagen. Ein solcher Bau kann nur eine geringe Breite von vielleicht 4 m gehabt haben, da der Berghang an dieser Stelle nicht mehr viel Platz lässt. Der größere Teil des Kernwerks im Westen weist eine lichte Größe von 9 x 12 m auf. Hier dürfen im Obergeschoss die zentralen Räume angenommen werden. Die drei großen Fenster in der Westwand, die sich in Erdgeschosshöhe befinden, dürften (zumindest in ihrer Größe) nachträglich eingebaut sein. An dieser Stelle könnten sich lange, schmale Schießscharten für Bogenschützen befunden haben. Im Obergeschoss ist nur ein Fenster erhalten geblieben, das mit Sandstein-Spolien eingefasst ist. Es ist also auch neueren Datums. Das Kernwerk war wenigstens in der östlichen Hälfte unterkellert, worauf die beiden Fensteröffnungen im Erker der Nordwand hinweisen.

 

Die Burganlage war sicherlich von Anfang an mit einer Umfassungsmauer versehen. Allerdings gibt es in der Literatur unterschiedliche Angaben darüber, wie viel von der ursprünglichen Substanz übrig geblieben ist. Die Sicherungsmaßnahmen an dieser Mauer (insbesondere im Norden und Osten) haben die bauliche Struktur dieser Mauerzüge leider stark überformt, sodass eine Beurteilung schwer ist. Auch die Anbindung der westlichen Umfassungsmauer an das Kernwerk ist unklar. Während die Umfassungsmauern im Osten und Westen 1,3 m messen, ist die Querverbindung im Norden nur 1,0 m breit. Ursprünglich dürfte sich die Umfassungsmauer stärker an den Höhenlinien des Sporns angepasst haben. Denkbar ist auch (wenigstens auf der Südseite zum Halsgraben) eine weitere Umfassungsmauer, die die Eingangssituation absicherte.

 

Von dem in der Literatur rekonstruierten Torbau sind oberflächlich keine Überreste sichtbar. Michael Rudolf zeichnet in Fluchtlinie der Südwand des Kernwerks eine Wehrmauer mit Tor und Zugbrücke sowie seitlich einen mächtigen Turm ein. Doch zwischen dem Kernwerk und dem Zugangsweg liegt ein Höhenunterschied von etwa 7 m. Es kommt hinzu, dass die gefährdetste Stelle nicht hier, sondern etwa 15 m weiter südlich am Halsgraben liegt. Sollte es eine Zugbrücke zur Burg gegeben haben, müsste direkt am Grabenrand ein entsprechendes Torgebäude gestanden haben. Und tatsächlich gibt es hier eine kleine ebene Fläche, die dafür geeignet wäre, die aber auch durch spätere Veränderung entstanden sein könnte. Eine gute Befestigung würde ohnehin zwei Tore erfordern, nämlich eine Sicherung des Halsgrabens und eine Sicherung des inneren Burgareals. Ein Turm wäre an dieser Stelle nicht unbedingt notwendig. Es wäre dafür auch gar kein Platz.

 

Das Renaissanceschloss (Liebau III) wurde in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts errichtet. Auch für diesen Bauzustand bietet Michael Rudolf eine Rekonstruktion, deren Grundlagen vage sind. Für die Erneuerung des Treppenturmes geben Schriftquellen präzise das Jahr 1644 an, da es einen Unglücksfall bei den Bauarbeiten gab. Nach Michael Rudolf erfolgte der Wiederaufbau des Turmes als Achteck auf quadratischem Unterbau. Der Treppenturm ist aber nur an der Nordseite zweifach abgewinkelt und bildet insofern ein Sechseck. 1742 wechselte die Besitzerin Johanna Charlotta von Dölau in Räume des Rittergutes. Das unbewohnte Schloss wurde daraufhin zum Steinbruch und zur Ruine.

Liebau by Martin Salesch 2026

Auf dem Grundriss ist die älteste Bauphase braun eingefärbt und eine jüngere Bauphase (eventuell der Renaissance-Bau oder eine Bauerweiterung zeitlich davor) in schwarz. Die heutige Zuwegung erfolgt über den Damm (Bildecke unten rechts). Hier wird ein Tor angenommen, dessen Standort aber nicht gesichert ist. Die Dammschüttung und ein moderner Weg haben die Hangkante an dieser Seite stark verändert.

In der Zeichnung bedeutet "S" Schießscharte, "F" Fenster, "T" Tür und "K" Kellerfenster. Die Tür neben dem Turm, die im Obergeschoss etwa 6 m über der heutigen Erdoberfläche platziert ist, könnte der ursprüngliche Eingang gewesen sein, der nur über eine hölzerne Treppenkonstruktion zu erreichen war. Dies wäre für einen Wehr- oder Wohnturm ein geschützter Eintritt.

Liebau - Alt-Liebau

Alt-Liebau by Martin Salesch 2026

Alt-Liebau

Eine weitere Wehranlage, die sich etwa 400 m in Luftlinie südlich der Schlossruine befindet, konnte zeitlich noch nicht eingeordnet werden. Diese Anlage befindet sich ebenfalls auf einem Sporn an der Weißen Elster, der durch einen etwa 10 m breiten und noch 4 m tiefen Graben abgetrennt ist. Keramische Lesefunde wurden von Amandus Haase in das 14. Jahrhundert datiert.

A. Haase dokumentierte bei einer archäologischen Untersuchung an der Nordostseite des Grabens einen Grundriss von 7,2 x 7,2 m, die er als Reste eines Turmes interpretierte. Ein weiterer Grundriss der Größe 9,0 x 4,2 m ordnete er einem Haus unbekannter Funktion zu.

Im Innenraum der Befestigungsanlage ist eine Erhöhung zu erkennen, die als Fundament eines zentralen Turmes gedeutet wird.

Bei einer Flurbegehung im Juni 2025 konnte die Breite des Grabens auf etwa 6 m grob eingemessen werden. Der Graben grenzt die etwa 14 x 12 m große Spornspitze nach Nordosten, Osten und Südosten ab. Es scheint zum Teil natürlichen Ursprungs zu sein, zum Teil wurde er aber aus dem Fels herausgeschlagen. Die übrigen Seiten der Spornspitze fallen sehr steil ab. Direkt am Graben und parallel zu dessen gerundetem Verlauf ist auf dem Sporn eine leichte Bodenwelle zu erkennen, die vermutlich auf einen kleinen Befestigungswall hinweist. Das Gelände jenseits des Grabens liegt etwa 2 m höher als die Spornspitze, die sich bei 357 m über NN befindet. In der Südostecke des Sporns ist eine rechtwinklige Vertiefung der Größe 5 x 6 m zu erkennen. Ihr gegenüber auf der anderen Grabenseite deutet eine längliche Bodensenke auf den alten Zuweg zur Wehranlage hin. Diese Bodensenke zieht sich bis zum alten Wanderweg am Feldrand. Auf dem Feld sind alte Wegtrassen im Geoportal (Schummerungsbild) zu erkennen. Auch in der Nordwestecke des Sporns befindet sich eine rechteckige Vertiefung, die allerdings etwas kleiner ist. An dieser Seite befindet sich auch eine leichte Abstufung des Sporns, dessen Oberfläche ansonsten recht plan ist. Insgesamt entsprechen die Beobachtungen der Flurbegehung denen von Amandus Haase, wenngleich die Angabe der Himmelrichtung nicht übereinstimmt.

Oberflächenfunde vom Bereich Alt-Liebau (ohne genaue Angaben) im Vogtlandmuseum Plauen:

Neben einigen groben Keramikscherben der jüngeren Bronzezeit, die um Liebau mehrfach belegt sind und einen Siedlungsschwerpunkt darstellen könnten, wurde hauptsächlich Irdenware des 12. Jahrhunderts aufgespürt. Darunter feine hellgraue Irdenware mit wenig Glimmer und in einem Einzelstück feine hellgraue Irdenware mit wellenförmigem Kammdekor "slawischer Art".

 

Unterhalb der Wehranlage befinden sich bergmännisch angelegte Stollen auf Eisenerz. Zwei kleinere, quadratische Vertiefungen am Feldrand könnten ebenfalls mit (neuzeitlichen) bergmännischen Aktivitäten (z. B. Hutungshäusern) im Zusammenhang stehen.

Von Interesse ist darüber hinaus die Grabstätte der Rittergutsfamilie Sieber.

Limbach

Limbach by Richard Herold 1954

Limbach

Eine Urkunde aus dem Jahr 1274 weist das erste Mal indirekt auf den Ort Limbach hin (Hans Limbach zu Weißensand). Zu unterscheiden ist der eigentliche Ort mit größeren Vierseithöfen zu beiden Seiten des Limbaches, der in späterer Zeit zum Rittergut Christgrün gehörte (mit Patronat über die Kirche) und ein am östlichen Ortsausgang liegendes Vorwerk der Herren von Netzschkau.

Max Benedict stellte 1904 an der Mündung des Flaschenbachs in den Limbach einen künstlichen Erdhügel vom 20 m Durchmesser mit 10 m breitem umlaufenden Graben fest. Der Wall außerhalb des Grabens war schon zu dieser Zeit stark eingeebnet, wie die ganze Anlage teils überbaut und teils verfüllt war. Nach Angaben Benedicts sollen auf dem Bühl fest vermörtelte Steinmauern gefunden worden sein.

Unter der Leitung von Hans Nadler wurde 1939 eine Probegrabung durchgeführt. In mehreren schmalen Suchschnitten, die diagonal auf dem Bühl angelegt wurden, konnten allerdings keine Mauerreste festgestellt werden. Über dem gewachsenen Boden aus Lehm und Leberfelsen befand sich eine Schicht aus steinigem Schutt und darüber eine Kulturschicht, die unter anderem mittelalterliche Keramikscherben enthielt.

Die durchgeführten Wallgrabenquerschnitte stellten etwa 2 m unter der Oberfläche des Bühls die Sohle fest, die mit eine 8 bis 12 cm starken tonartigen festgepressten Schlamm bedeckt war. Hans Nadler vermutet, dass der Graben nur zeitweise mit Wasser gefüllt war. Aufgefüllt wurde der Graben im 19. Jahrhundert mit abplaniertem Material vom Bühl und vom Wall. Dies, so Nadler, würde erklären, warum keine Mauerreste gefunden wurden und die mittelalterliche Kulturschicht bereits direkt unter der Grasnarbe lag.

Die aufgefundene Keramik, die aufgrund der sekundären Umlagerungen keinem archäologischen Zusammenhang zugeordnet werden kann, datiert Hans Nadler ins 14./15. Jahrhundert, in der überwiegenden Anzahl ins 16./17. Jahrhundert, womit er die Nutzung der Befestigungsanlage in diesen Zeitraum legt. Demnach hätten wir es mit einer renaissancezeitlichen Anlage zu tun, die Hans Nadler mit dem festen Haus in Rodewisch verglich.

Fragwürdig ist allerdings die Lage der Befestigung, da das umliegende Gelände im Südosten (Prallhang des Flaschenbachs) deutlich ansteigt. Ein Angriff von dieser Seite wäre kaum abzuwehren gewesen. Hier kommt der alte Weg aus Pfaffengrün nach Limbach herunter. Verschiedene Wegemarken deuten jedoch darauf hin, dass die älteren Trassen südlich und östlich an Limbach vorbei führten mit Kreuzungspunkten bei Buchwald und Weißensand.

Ob es sich in Limbach überhaupt um die Reste einer mittelalterlichen Befestigung handelt ist deshalb stark zu bezweifeln. Den Aussagen Hans Nadlers zufolge fanden sich die Keramikscherben in der Bühlschüttung. Sie werden im Vogtlandmuseum aufbewahrt und sind ausgesprochen zahlreich und stark fagmentiert. Es müsste sich demnach um eine Aufschüttung mit alten Siedlungsschutt handeln, die erst nach dem 17. Jahrhundert aufgebracht worden sein kann. Eine Bühlburg scheidet damit aus.

In den Meilenblättern von um 1800 ist der Ort Limbach  mit den langen Feldfluren und den zugehörigen Vierseithöfen beiderseits des Limbaches zu sehen. In der Mitte fällt eine Struktur auf, die den Ort der von Hans Nadler untersuchten Erdschüttung markiert. In der Vergrößerung (links oben hineinkopiert) ist ein dammartig erhöhter Weg parallel zum Flaschenbach zu erkennen. Westlich davon scheint sich eine halbkreisförmige, grabenartige Vertiefung abzuzeichnen. Daraus ließe sich im Kernbereich eine künstliche Aufschüttung ableiten, die aber wohl eher die Funktion einer hochwasserfreien Baustelle im Niederungsbereich gehabt haben dürfte.

Linda

Linda by Martin Salesch 2025

Linda

Gerhard Billig führt den Ortsnamen auf den in der Grenzbeschreibung der Region Dobna von 1122 aufgeführten Bachlauf Tilia (lateinisch für Linde) zurück, da die Grenzziehung in dieser Urkunde vornehmlich an Gewässern ausgerichtet ist. Entsprechend datiert er die Ansiedlung jünger in die zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts. „Sicherlich liegt der Bau der Wasserburg am Ende der Dorfentstehung. Die Wehranlage trägt eindeutig hochmittelalterliche Züge. Ihre Lage zum Ortsbild gibt keine eindeutigen Anhaltspunkte für eine Bestimmung des zeitlichen Verhältnisses der Befestigung zur bäuerlichen Siedlung.“ (G. Billig 2000, Seite 79). Hier ist Widerspruch angesagt: Die Befestigung ist Teil eines künstlich aufgestauten Teiches, der die Breite des Tales umfasst. Die Lage des Dorfes unterhalb der Teichanlage lässt eher darauf schließen, dass Teich und Burg vorher entstanden sind. In einer Urkunde des Jahres 1347 wird die Ansiedlung erstmals genannt, als Heinrich Röder und sein Schwiegersohn Leitold vom Obernitz „di Linden und alles daz dar zu gehoret“ für 100 Schock Groschen vom Plauener Vogt Heinrich dem Älteren, genannt der Lange, erwarben. Leitold soll seinen Sitz in Linda nehmen - so die Urkunde -, während Heinrich Röder sich auf dem vögtischen Hof in Pausa niederlassen kann. In moderner Ausdrucksweise heißt es in der Urkunde: Und da es nicht angemessen ist, dass ich da (auch) sitze, so soll ich mich zu Pausa auf dem Hof meiner Herren aufhalten. [… ] Sollte Leutold in der Zeit sterben oder bei dem Gut in Linda nicht bleiben mögen vor Armut, was Gott verhindere, so will ich, Heinrich Röder, das Gut selber bewirtschaften. Es geht hier also um einen Herrensitz, der bewirtschaftet werden soll, wobei die Grundbedingungen wohl nicht besonders gut waren. Von einer Baumaßnahme, wie Gerhard Billig meint, ist in der Urkunde jedoch nicht die Rede. Die dort angeführte Redewendung „und diweil ich Leutolden da nicht gepouwet habe ...“ ist eher zu übersetzen mit „da ich es Leutold gegenüber nicht für angemessen halte ...“ (mhd bouwen = angemessen sein). Leutold möchte also seinen Schwiegervater nicht so gern im eigenen Haus sitzen haben.

Heinrich Röder zahlte für Linda 100 Schock Groschen. In der Urkunde von 1347 kommt die Redewendung „ye dreu pfunt haller fur ein schok“ vor, die als Ausdruck für einen Spottpreis für eine große Menge benutzt wurde. Es wird also in der Urkunde hervorgehoben, dass der Vogt ihm viel für wenig Geld  gibt – eine Ehrenbezeugung. Nun ist es sehr schwer, die Kaufkraft mittelalterlicher Geldwerte zu ermitteln. Das lässt sich am ehesten über den Materialwert machen. Ein Prager Groschen, um den wird es hier sicherlich gehen, enthielt in der Anfangszeit etwa 3,6 Gramm Silber. 100 Schock Groschen hätten demnach ungefähr 21.600 Gramm Silber gewogen, die im Januar 2026 an der Börse mit knapp 47.736 Euro gehandelt worden wären. Das sagt allerdings nichts über den damaligen Wert aus.

Der Lindbach ist westlich des heutigen Ortes Linda auf ganzer Talbreite durch einen Damm gestaut. Der Damm bildet zugleich den äußeren östlichen Befestigungswall. Insgesamt misst die Befestigungsanlage in der Südostecke des Stauteiches 2.100 qm, wobei der südliche Bereich durch eine Straße gestört ist. Den Kernbereich bildet eine 20 x 17 m große rechteckige Aufschüttung, aus der sich eine kleinere rechteckige Erhöhung der Größe 9,5 x 8,0 m nochmals um fast 2 m erhebt. Das kleine Rechteck könnte dabei einen Hausgrundriss markieren. Der Kernbereich wird von einem 12 m breiten Graben umgeben, der sich heute aber nur noch als leichte Vertiefung zu erkennen gibt. Im Westen befindet sich vor dem ehemaligen Graben ein etwa 4 m breiter leicht gebogenes Wallstück. Das Pendant im Osten geht in den schon erwähnten Teichdamm über. Im Norden, zur Teichfläche hin, hat es wohl gar keinen Wall gegeben, da von dieser Seite keine Gefahr ausging. Im Süden ist am Talhang eine wallartige Bodenwelle zu erkennen, die aber vom Straßenverlauf tangiert wird.

Der alte Weg von Thierbach nach Pausa wechselte unterhalb der Befestigungsanlage in Linda vom linken Talhang auf den rechten Talhang.

Für das 15. Jahrhundert sind mehrere kämpferische Auseinandersetzungen um Linda bezeugt, die mit Besitzansprüchen der Burggrafen von Meißen aus dem Haus Plauen und den Wettinern in Zusammenhang stehen. Ein Inventar aus dem Jahr 1460 verzeichnet in der Burg eine Steinbüchse, eine Tarrasbüchse, sechs Hakenbüchsen und vier Armbrüste. An Munition kommen 19 ½ Schock (= 1.170 Stück) Pfeile, ½ Tonne Pulver, 1 Zentner Blei und 3 Schock und 9 Stück (= 189 Stück) Bleikugeln. Insgesamt also eine Ausrüstung für 10 bis 12 Mann. (Angaben nach Curt von Raab: Das Amt Pausa … 1903, Seite 23). Die Anzahl an Pfeilen lässt auf die bevorzugte Nutzung der vier Armbrüste schließen. Neben der älteren Steinbüchse (Geschütz für Steinkugeln) sind die Tarasbüchse (Tarasnitz, Handfeuerrohr) und die Hakenbüchse (Arkebuse, Vorderlader) Neuerungen des 15. Jahrhunderts und lassen auf eine zeitgemäße Ausstattung der Burg mit leichteren Waffen schließen.

Die 1461 geschliffene Burg zeigt obertägig kein Mauerwerk. Steine der Burg sollen im Ort sekundär verbaut worden sein. Eine archäologische Untersuchung gab es noch nicht.

Magwitz

Magwitz by Gerhard Billig 1954

Magwitz

In der Fachliteratur werden die mittelalterlichen Bühlburgen oft mit den späteren Rittergütern in eine historische Verbindung gebracht. Dies ist (nicht nur) in Magwitz fraglich, da sich das Rittergut im Nordwesten des Ortes befindet, die Graben-Wall-Anlage jedoch im Südosten. Das Album der Rittergüter und Schlösser in Königreich Sachsen von 1859 weiß von einer „Felsenburg“ zu berichten, die bis ins 14. Jahrhundert Stammsitz der Adelsfamilie von Magwitz war. Diese Familie erscheint am 1. Mai 1236 mit Cunradus de Machewic das erste Mal in den Schriftquellen.

Die Bühlburg wird im Album der Rittergüter als eine (sorbische) Grenzfeste des 10. Jahrhunderts identifiziert.

Sie befindet sich in einer flachen Quellmulde, die zur Weißen Elster entwässert. Das Quellwasser speiste wohl auch den etwa 6 m breiten Graben, der den rechteckigen (bei Laser „länglich-rund“) Erdhügel (10 x 8 m) sicherte. In der Nordwestecke des zum Teil verfüllten Grabens steht ein Brunnenhaus. Ein verschliffener Wall von 4 bis 5 m Breite umgibt die Anlage.

Von Bedeutung ist die Kreuzung zweier alter Verkehrswege, einer am linken Elsterhang entlang, der andere in nordsüdlicher Richtung. Letzterer ist südlich von Magwitz deutlich als Hohlweg zu erkennen und nördlich von Magwitz nach einer Flussquerung (bei Göswein) in Richtung Plauen weiter zu verfolgen.

Eine archäologische Untersuchung wurde an der Erdhügelburg bislang nicht vorgenommen. Aus dem nördlichen Graben stammen oberflächlich zwei Scherben hellgrauer Irdenware mit Glimmermagerung, deren Formen den Napfkacheln des 14. Jahrhunderts entsprechen.

Markneukirchen

Stadtplan Markneukirchen mit Einzeichnung der Standortmöglichkeiten

Markneukirchen

Der Ort Markneukirchen bildet einen Kreuzungspunkt der mittelalterlichen Handelswege von Eger nach Zwickau bzw. nach Hof. Die Besiedlung erfolgte vom Egerland aus unter maßgeblicher Initiative der in Skalna (Wildstein) ansässigen Familie Nothafft. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1274. Das Marktrecht erhielt der Ort bereits 1357.

Im Ort wird eine Bühlburg vermutet, die aufgrund späterer Überprägung jedoch nicht eindeutig zu lokalisieren und baulich zu bestimmen ist. Diskutiert werden zwei Plätze am Rand der Schwarzbach-Niederung südlich des Ortskernes. Etwas weiter südlich befanden sich auch der Mühlgraben mit der Mühle, deren Anlagen wohl auch eine Querung der ungefähr 160 m breiten Niederung ermöglichten.

Eduard Johnson, der sich als erster mit der Befestigung in Markneukirchen beschäftigte, beruft sich bei der Lokalisierung auf Gerichtsakten (aus Nachlass Petzold), in denen von einem „früher besonders befestigtem Schlösschen auf einem kleinen Hügel, um welches ein Wall geführt, dessen Graben aus dem nahen Mühlgraben gefüllt werden konnte“ berichtet wird. Der Hügel und Überreste des Grabens sollen noch 1757 sichtbar gewesen sein. Konkret handelt es sich um das Gebiet zwischen Plauensche Straße und Breite Straße (Thossenwiese oder Diakonatswiese genannt), wobei die Plauensche Straße die alte Totengasse ist (der Weg von der Kirche zum alten Friedhof, heute Lutherplatz) und die Breite Straße bereichsweise den Verlauf des Mühlgrabens (später der Bahntrasse) abbildet.

Erich Wild wählt den Standort der Bühlburg etwas weiter westlich außerhalb der Diakonatswiese, da er sich die Burg nicht auf Kirchengrund vorstellen kann.

Mechelgrün

Mechelgrün by Martin Salesch 2026

Misslareuth

Misslareuth by Rudolf Laser 1953

Misslareuth

Die Meilenblätter zeigen die Bühlburg südlich des ehemaligen Rittergutes in Mißlareuth sehr deutlich. Eine runde Erdschüttung von etwa 26 m Durchmesser wird von einem ungefähr 10 m Graben umgeben. Ein Wall ist nicht eingezeichnet, könnte aber auf der Fläche zwischen Graben und Dorfbach vermutet werden. Auf dem Bühl ist ein etwa 10 x 12 m großes Gebäude zu sehen.

Begutachtungen in den 1960er Jahren, die nur noch die Südhälfte des Bühls und einen Grabenrest feststellen konnten, maßen einen Durchmesser des mit einer Trockenmauer gesicherten Kernwerks von 17 m und eine Grabenbreite von 10 bis 15 m.

Die Fläche ist heute komplett eingeebnet.

Mühltroff

Mühltroff by Martin Salesch 2026

Mühltroff

R. Steche berichtet uns nur wenig über das Schloss Mühltroff: „Schloss, aus der ehemaligen Wasserburg entstanden, deren Wasseranlagen zugeschüttet sind. Den ältesten Teil und Mittelpunkt bildet der frühmittelalterliche runde Wartturm mit 3 m starken Mauern, welcher im Jahr 1857 seinen Abschluss erhielt. Die jedes Schmuckes jetzt entbehrenden geräumigen Baulichkeiten enthalten kunstlose Reste aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, eine Vorhalle und einen hallenartigen Hofbau [aus der] zweite[n] Hälfte des Jahrhunderts.“ (Steche, Seite 35 f.).

1274 wird der Ort (Muldorf) das erste Mal im Zusammenhang mit Nutzungsrechten eines Fischteiches durch den Deutschen Orden erwähnt. In den Schriftquellen gibt es mehrere Hinweise auf eine befestigte Anlage: 1349 als „castrum“ bezeichnet, 1358 als „veste und gut“, 1367 als „haus“ und 1378 als „slos“.

Gerhard Engelmann schreibt, dass das Wasserschloss Mühltroff „auf einer älteren Erdturmanlage“ steht (Seite 57). Horst Däumer vermutet eine „frühere Erdturmanlage […] unweit“ des späteren Schlosses. Beide Autoren nennen allerdings keine Belege für ihre Aussagen.

Es wird davon ausgegangen, dass die Burg von den Lobdeburgern errichtet wurde, die um 1150 in der Region ansässig waren. Einen urkundlichen Beleg für den Besitz Mühltroffs durch die Lobdeburger gibt es allerdings nicht. Mitte des 13. Jahrhunderts soll Mühltroff an die Vögte von Gera gekommen sein und vor 1342 an die Plauener Vögte, die es 1357 Mühltroff an die Markgrafen von Meißen abtraten.

Die Burg befindet sich auf einem Gründsteinfelsen (Diabas) in der Wisenta-Niederung. 480 m über NN, also in gleicher Höhe wie der westlich gelegene Markt. Die Befestigung war ursprünglich ganz von Wasser umgeben. Im Süden befindet sich noch heute eine größere Teichlandschaft und im Westen sind die Reste eines Grabens zu erkennen. Im Norden und Osten haben Aufschüttungen das ehemalige Bild verändert.

Zahlreiche Umbauten und Veränderungen lassen nur schwer auf den ursprünglichen Baubestand schließen. Es ist aber davon auszugehen, dass nur der nordwestliche Teil des heutigen Schlosses die Kernburg bildete und durch einen Graben vom südöstlich gelegenen Wirtschaftshof getrennt war. Auffallend sind zwei dicht beieinanderstehende Rundtürme von 9 und 7 m Durchmesser. Der kleinere Turm deckte die Nordwestecke der Burg, der größere Turm stand wohl isoliert im Burghof.

Es ist anzunehmen, dass der ursprüngliche Zugang von Westen erfolgte, da sich hier die Siedlung (später Stadt) Mühltroff befand (heute Markt).

Schloss Mühltroff by Martin Salesch 2026

Mylau

Mylau by Martin Salesch 2026

Mylau

Am 26. September 1212 bestätigte König Friedrich II. in der sogenannten Sizilischen Goldenen Bulle dem böhmischen König Ottokar I. Přemysl (um 1160 bis 1230) mehrere kleine Reichsgüter in der Oberpfalz, im Vogtland und im Pleißeland. Darunter die Provinz Milin mit Reichenbach. (MGH DD F II, Nr 173: Item donamus ei et confirmamus provintiam, que Milin dicitur, cum Richenbach et omnibus pertinentiis suis. / Wir verleihen und bestätigen ihm ferner die Provinz Milin mit Richenbach und allem, was dazugehört.) Der Begriff „provinzia“ bezeichnete im Mittelalter einen Verwaltungsbezirk.

Ottokar I. war durch geschickte Wechsel der Gefolgschaft zum erblichen Königstitel in Böhmen gekommen. Die Unterstützung Friedrich II. bei der Wahl zum römischen König hatte dazu den Ausschlag gegeben. Die drei in Basel ausgestellten Goldenen Bullen bilden die Grundlage für das eigenständige Königreich Böhmen.

Der Verwaltungsbezirk Mylau muss 1212 ein entsprechendes herrschaftliches Zentrum besessen haben, wofür die Burg Mylau in Frage kommt. Peter Beyer und Andreas Raithel gehen deshalb von einer Gründung der Burg um 1180 aus.

1214 zeugen erstmals Herren von Milin in einer Urkunde Kaiser Friedrich II. (Henricus et Eberhardus de Milin).

Wie und wann die Herrschaft Mylau dann aber in die Hände der Vögte von Plauen gelangte, bleibt unklar. Die Belehnung Vogt Heinrich des Jüngeren von Plauen im Jahr 1323 durch König Ludwig den Bayern dürfte bereits bestehende Lehnsverhältnisse bestätigen, da die Vögte von Plauen ab 1271 urkundlich im Gebiet Mylau agierten.

Im Zuge des Vogtländischen Krieges gingen Burg und Herrschaft Mylau 1358 wieder an den böhmischen König.

Es wird allgemein angenommen, dass Burg Mylau in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts entstanden ist. Die Burg befindet sich auf einem Bergsporn an der Mündung des Raunbaches in die Göltzsch. Steile Hänge bzw. künstliche Gräben schützen den Sporn zu allen Seiten. Die Kernburg befindet sich allerdings nicht an der Spornspitze, sondern etwa 140 m dahinter auf dem höchsten Gelände des Sporns (340 m über NN).

Die Burganlage gliedert sich in zwei Bereiche, die ursprünglich durch Mauer und Graben voneinander getrennt waren: Der obere Burghof auf einer Fläche von ungefähr 1.100 qm und der unteren Burghof auf etwa 1.460 qm. Insgesamt nimmt Burg Mylau eine Fläche von 8.400 qm ein, wenn man das Gelände von äußerem Graben und Wall hinzurechnet. Für den äußeren Graben lässt sich eine Breite von etwa 12 m ermitteln, wobei im Südwesten aufgrund des steilen Berghanges nur ein etwa 4 m breites Plateau benötigt wurde. Der äußere Wall dürfte ungefähr 4 bis 5 m breit gewesen sein und trug wohl eine Steinmauer.

Es wird allgemein angenommen, dass die obere Burg zunächst isoliert auf dem Gipfel des Bergsporns erbaut wurde und die untere Burg in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts als Erweiterung hinzukam.

Markant ist der Nordostturm der Oberburg. Seine Grundmauern sind bis zu 2,50 m stark. Ein zweiter Rundturm an der Nordwestecke der Oberen Burg ist nach Umbauten um 1594 nur noch im Sockelbereich erhalten. Archäologische Baubegleitungen im Jahr 2012 dokumentierten ein 2,50 m breites Bruchsteinfundament in der Übergangszone vom oberen zum unteren Burghof. Ein ehemaliger Graben westlich der oberen Burg lässt sich aus der Geländekontur ableiten. Hier entstand später der heutige Zugang zur Burg.

Neue Bauuntersuchungen erkannten einen quadratischen Turm an der Südostecke der oberen Burg. Hier wird inzwischen der Ursprung der Burganlage vermutet.

Westlich vor der Hauptburg befindet sich der untere Hof mit zwei quadratischen Türmen, dem Roten Turm und dem Uhrenturm. Die Mauerstärke der Türme und die der Umfassungsmauer (von der Teilstücke erhalten sind) werden bei Beyer und Raithel mit 2,5 m angegeben. Der untere Hof wurde wohl im 14. Jahrhundert ausgebaut. Auf der südlichen Umfassungsmauer entstand der sogenannte Südflügel als Fachwerkbau mit Kaisersaal und auf der westlichen Mauer zwischen den beiden Ecktürmen das Knappenhaus. Ebenfalls ein Fachwerkgebäude. Ungeklärt ist, ob der Ausbau noch unter den Vögten von Plauen zu Beginn des 14. Jahrhunderts erfolgte oder erst unter Karl Vier im letzten Drittel des 14. Jahrhunderts. Ein Besuch des böhmischen Königs und römisch-deutschen Kaisers 1367 brachte der Burg Mylau die Bezeichnung als „Kaiserburg“.

1954 und 1964 wurden archäologische Sondierungen im Bereich des äußeren Burggrabens durchgeführt. Ohne nähere Angaben grub Erich Voigt „Scherben von mittelalterlichen Tongefäßen, Dachziegeln (Mönch und Nonne) und Bruchstücke plastisch kunstvoll gearbeiteter, schwarz glasierter Ofenkacheln eines Ofens (17. Jahrhundert)“ aus. In zwei Suchschnitten, die Johannes Leipoldt im August 1964 anlegen ließ, konnten Funde „aus allen Zeiten seit der Errichtung der Burg um 1200“ gesichert werden.

 

Mylau by Martin Salesch 2026

Netzschkau

Netzschkau bei Martin Salesch 2026

Netzschkau

In einer umstrittenen Urkunde, die dem Jahr 1140 zuzuschreiben ist, wird Netzschkau (Netscha) in einer Aufzählung des Naumburger Bischofs erwähnt, um den Pfarrbezirk der Kirche zu Reichenbach zu beschreiben. Die Überlieferung dieser Urkunde ist allerdings verdächtig, da sich die überlieferte Abschrift als eine Fälschung des Notars Gregorius Wernher von Eger herausgestellt hat. Das Urkundenbuch des Hochstifts Naumburg für den Zeitraum 967 bis 1207 gibt die Urkunde als Nummer 151 wieder. Im Kommentar zur Überlieferung heißt es jedoch: „Gegen den Inhalt der Urkunde von 1140 bestehen indessen keine Bedenken.“

Besser überliefert ist die Erwähnung der Brüder Cunrat und Nykel von Neczzschkawe im Jahr 1351, die indirekt auf einen Herrensitz deutet.

Mit der Belehnung der Herrschaft Netzschkau 1464 an Peter Metzsch und den Söhnen seines Bruders begannen umfangreiche Baumaßnahmen, die 1490 von Caspar Metzsch abgeschlossen werden konnten. Das Netschkauer Schloss zählt zu den ältesten repräsentativen Wohnbauten in Sachsen, bei denen die militärische Verteidigung ganz in den Hintergrund trat. Die Ambitionen des Caspar Metzsch gingen jedoch weit darüber hinaus.

Am 20. Dezember 1491 verlieh Kaiser Friedrich III. dem treuen Caspar Metzsch „um angenehmer und getreuer Dienste willen, die er mit seiner Person getan hat und ferner noch tun will, und mit ihm seinem Bruder Jobste Metzsch das Recht, aus ihrem Dorfe Netzschkau eine Stadt zu machen und dieselbe mit Mauern, Türmen, Gräben und anderen Gebäuden zu befestigen, und geben ihm dazu Stadtrecht und alle Gnade und Freiheit, wie andere Städte haben.“ (Regesten zur Orts- und Familiengeschichte des Vogtlandes, Band 2, Nummer 42). Die Umsetzung des Stadtrechts gelang allerdings erst 200 Jahr später (1687).

Die Umwandlung von der Burg zum Schloss im späten 15. Jahrhundert, sowie spätere Baumaßnahmen veränderten das Burgareal vollständig. Von einer mittelalterlichen Befestigung ist deshalb obertägig nichts mehr zu sehen. Weder Gräben noch Wälle. Volkmar Geupel vermutet an der vorspringenden Nordwestecke des Schlosses und am halb eingebauten Rundturm ältere Bauteile.

Aus den Meilenblättern und der Stadtansicht, die Paul Reinhard Beierlein veröffentlicht hat, ist der Zustand der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts ersichtlich. Hieraus ergibt sich ein ummauerter Grundriss der Gesamtanlage in Form eines gleichschenkligen Dreiecks von 196 m Kantenlänge. An der Nord- und Westecke stand jeweils ein Rundturm mit 12 m Durchmesser (soweit sich das aus den Abbildungen erkennen lässt). Da die Gebäude der Kernburg weder mittig noch axial zum Dreieck angeordnet sind, dürfte die Umfassung und der Wirtschaftshof als jüngere Bauteile angenommen werden.

Zu den noch stehenden Teilen der Kernburg und den bekannten Nord- und Ostflügeln müssen im Süden die 1629 durch Karol Bose erbaute Schlosskirche mit achteckigem Turm über dem Chor und im Norden ein Rundturm als verlorene Bausubstanz hinzugerechnet werden. Die Kirche ist auf einem Kirchenstempel abgebildet, der in der Publikation zum Kirchenjubiläum 1929 abgebildet ist (Seite 22). Auffällig ist in den Meilenblättern ein Mauerzug, der parallel zur Nordseite der Kernburg unvermittelt beginnt und endet. Er wird von einer Baumreihe flankiert. Der bei Beierlein eingetragene, in den Meilenblättern aber nicht mehr verzeichnete Rundturm müsste sich hier befunden haben. Ob Mauer und Rundturm Element einer älteren Befestigung waren, lässt sich nicht entscheiden.

1944 wurden Schloss und Park unter Denkmalschutz gestellt. Archäologische Untersuchungen gab es bislang keine.

Erstes Schloss oder letzte Burg?

„Wohl wenige wissen, dass unser Städtchen eine geschichtliche Merkwürdigkeit an seinem Schloss besitzt. Schloß Netzschkau ist die letzte in Sachsen gebaute Ritterburg. Der zur sächsischen Uradelsfamilie Metzsch gehörende Caspar Metzsch wollte als Besitzer des „Gehöftes Netzschkau" 1490 dort ein Schloß bauen. Wie im Mittelalter üblich sollte das Schloß als kleine Festung erbaut werden. Der Kurfürst von Sachsen gestattet dies jedoch zunächst nicht. Erst im Jahre 1492 wurde dem Caspar Metzsch als besonderer Gnadenbeweis doch noch die erforderliche Erlaubnis gegeben. Es wurde aber dabei ausdrücklich festgesetzt, Netzschkau sollte im Kurfürstentum die letzte befestigte Ritterburg sein. Somit ist unser noch heute stehendes Schloß die letzte ehemals befestigte Burg.“ (Der Grenzbote 30.11.1905). „Das durch seine architektonische Eigenart gerade in letzter Zeit beachtete hiesige Schloß besteht ist diesem Jahre 450 Jahre. In seiner früheren Anlage mit Wällen, Gräben und Türmen soll es als letzter Rittersitz in den meißnischen Landen einen imposanten Anblick gewährt haben. Trotz seines ehrwürdigen Alters ist es die letzte und jüngste Ritterburg Sachsens geblieben. Als Festung hat es nie Gelegenheit gehabt sich zu bewähren, zumal zur Zeit seiner Entstehung Befestigungen der genannten Art überhaupt nicht mehr gebaut werden durften.“ (Der sächsische Erzähler 26.02.1941).

Wehrhafte Elemente sind aus historischen Unterlagen und dem heutigen Erscheinungsbild am Schloss Netzschkau nicht zu finden. Der Neubau im späten 15. Jahrhundert betraf offensichtlich nicht nur die Gebäude der Kernburg, sondern das gesamte Umfeld. Somit dürfte der wohnliche und repräsentative Charakter der bestimmende Faktor gewesen sein und Netzkau als früher Schlossbau gelten. In der Erlaubnisurkunde Kurfürst Friedrich II. bezieht sich die Umwehrung mit Mauern und Türmen auch nicht auf das Schloss, sondern auf die Stadt. Im Umfeld des Schlosses gibt es keine erkennbaren Wall- und Grabenreste. Dies ist bemerkenswert, da ein Bau mit Burgcharakter diese im Jahr 1492 sicherlich genutzt hätte. Das Fehlen dieser Elemente deutet entweder auf deren endgültige Beseitigung beim Umbau durch Carol von Bose 1627 oder aber auch auf einen ganz anderen Standort der mittelalterlichen Burganlage. Für letzteres spricht auch die topografische Lage des Netzschkauer Schlosses an einem seichten Osthang, der nach Westen zu weiter deutlich ansteigt.

Für eine wirksame Befestigung sind in unmittelbarer Umgebung bessere Stellen zu finden. Beispielweise der steile Felsen „der Galtzsch“ oberhalb des Limbaches auf Lambziger Flur. Hier befindet sich in exponierter Lage ein 60 x 65 m große Fläche auf 386 m über NN mit wallartiger Umrandung. Darin erhebt sich um etwa 1 m ein rundes Plateau von nahezu 20 m Durchmesser und ebenfalls einer wallartigen Erhöhung am Rand. Auf der Westseite ist diese Struktur stark gestört und ansonsten mit reichlich Bauschutt beladen, was die Ansprache erschwert. Ein Halsgraben zum östlichen Bergrücken kann nur vermutet werden. Auf dem Bergrücken sind alte Wegespuren Richtung Lambzig erkennbar.

Erkundungen auf "der Galtzsch" südöstlich von Netzschkau by Martin Salesch 2026.

Neudörfel

Neudörfel by Martin Salesch 2026

Neudörfel

Unter der Flurbezeichnung „Das Schlösschen“ befindet sich am südöstlichen Ortsrand von Neudörfel eine Bühlburg. Sie liegt im Quellgebiet des Stränzler Wesergrabens, der heute in den Stausee Pöhl entwässert (ehemals in die Trieb).

Der Bühl ist ein durch Erosion etwas verschliffenes Quadrat von ungefähr 8 x 8 m. Der Graben ist unregelmäßig zwischen 6 und 12 m breit und 0,5 bis 2,5 m tief erhalten. Nur auf der Nordseite ist der Ansatz eines Außenwalls zu erkennen. der Bühl ist auf felsigem Untergrund erbaut, was an der Südseite zu erkennen ist.

Pfarrer J. G. Weyrauch aus Pöhl berichtet dem Altertumsfroschenden Verein zu Hohenleuben im Jahr 1844 von der Abtragung des Bühls durch den Eigentümer. Dabei traten "Ziegelsteine, Knochenstücke, graublaue, flimmernde Scherben von ungewöhnlicher Dicke, Asche, Kohlen, lange vierkantige Nägel, kleinere dergleichen, Eisenstücke und ein Schwert, dessen Klinge gebogen und abgebrochen war" zutage, die allesamt undokumentiert verloren sind. Später fand der Sohn des Eigentümers weitere Keramikscherben (der gleichen Art wie beschrieben), Nägel, eine Pfeilspitze und Ziegelschutt, die dem Museum Hohenleuben übergeben wurden.

Die Lage der Bühlburg steht sicherlich mit dem vorbeiführenden alten Postweg zwischen Plauen und Reichenbach und dessen Abzweig nach Greiz in direkter Verbindung.

Auf dem Bühl befindet sich das Urnengrab der Familie Motte.

Der Wesergraben ist mehrfach aufgestaut.

Oberbrambach im Kursächsischen Meilenblatt (Berliner Exemplar) von um 1800

Oberbrambach

Oberbrambach (Prampuch daz ober) wird 1395 erstmals urkundlich erwähnt. Wegespuren der überregionalen Verkehrsverbindung sind südlich und nördlich der Ortschaft als Hohlwege erhalten. Im Ort soll es eine Wall-Graben-Befestigung gegeben haben, die 1943 von Amandus Haase erkannt und als Straßenwarte interpretiert wurde. Die heute nicht mehr erkennbare Anlage soll einen Bühl von 6 m Durchmesser und einen umlaufenden Graben von 12 bis 15 m Breite besessen haben. Aus den Akten geht hervor, dass diese Befestigung trotz Einebnung gegen Ende des 18. Jahrhundert (darauf deuten Scherbenfunde im Füllmaterial) noch gut im Gelände erkennbar war. 1959 wurde jedoch innerhalb der Befestigung ein Trafohaus erbaut, was Johannes Richter im Juli 1959 noch zu verhindern versuchte. Zudem bemühte er sich im Mai 1959 bei der Gemeinde darum, die Verunreinigungen im Graben beseitigen zu lassen. Merkwürdigerweise stellte er dann aber in einer handschriftlichen Stellungnahme vom 2.2.1960 fest: „Bei einer Geländebegehung im Mai 1959 konnte festgestellt werden, dass es sich hier um keine Anlage, sondern nur um eine natürliche Bildung handeln dürfte. Die Ausschachtungen für die Trafostation ergaben gleich unter der Rasendecke gewachsenen Boden. Die Scherben in der Randzone (sog. Wallreste) sind kein Beweis für eine Befestigung!! Zu ähnlichen Schlüssen gelangte Koll. Billig bei einem späteren Besuch 1959.“ (Akte Vogtlandmuseum).

Die in sich widersprüchlichen Unterlagen machen den Eindruck, als sei es seinerzeit nicht erwünscht gewesen den Bau eines Trafohauses durch bodendenkmalpflegerische Belange zu verhindern. Nach Gerhard Billig handelt es sich bei der Struktur eher um eine alte Wegespur, von denen es mehrere nördlich und südlich von Oberbrambach gibt. Amandus Haase schrieb 1943 sogar über die Anlage: „Im N und [W] bildet die tiefausgefahrene Hohe der alten Straße ein Hindernis für den Angreifer.“ (Ortsakte Vogtlandmuseum).

Die Publikation „Werte unserer Heimat: Das obere Vogtland“ von 1976 erwähnt die Wall-Graben-Anlage in Oberbrambach.

Östlich von Oberbrambach befand sich die Richtstätte der Herren von Brambach (Galgenberg, Geiersberg).

Das Schummerungsbild mit blau eingefärbten Starkregengefahren verdeutlicht recht anschaulich die alten Hohlwege. Die Lage der von Amandus Haase erkannten Bühlburg ist durch einen Pfeil gekennzeichnet. Im Kursächsischen Meilenblatt ist der "Verkehrsknotenpunkt" in Oberbrambach gut zu erkennen.

Oelsnitz - Voigtsberg

Voigtsberg by Martin Salesch 2026

Voigtsberg

Burg Voigtsberg soll den Forschungen von Curt von Raab, Ernst Pietsch, Erich Wild und zuletzt Gerhard Billig zufolge zwischen 1232 und 1249 von Eberhard von Straßberg errichtet worden sein. Auf ihn geht auch die um 1240 als Steinbau errichtete Jakobikirche in Oelsnitz zurück (wohl an Stelle eines Vorgängerbaus, denn 1225 wird ein Pleban erwähnt). In der Mitte des 13. Jahrhunderts ereigneten sich mehrere Umbrüche im Reich und in der Region, die verschiedene Möglichkeiten der Herrschaftsbildung, d. h. vor allem Herrschaftserweiterung, bewirkten. Auch die Herren von Straßberg, die als Reichministeriale wohl in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts (1194 erstmals erwähnt) aus Oberfranken oder dem Egerland an die Weiße Elster gekommen waren, verfolgten im Zuge des Landesausbau den Aufbau einer eigenständigen Herrschaft. Der Phase einer intensiven Rodesiedlungstätigkeit folgte eine Phase der organisatorischen Festigung und damit ein verstärkter Burgenbau als Einrichtung herrschaftlicher Macht. Der Grund für die Errichtung von Burg Voigtsberg dürfte in der herrschaftlichen Verwaltung des Siedelgebietes östlich der Weißen Elster zu suchen sein. Allerdings geschah dies in ständiger Konkurrenz mit anderen aufstrebenden Geschlechtern, insbesondere den Herren von Weida, Gera und Plauen. Schneller als die Herren von Voigtsberg gelang den Plauenern die Kolonisation um Schöneck und der Erwerb südlich und südwestlich gelegener Gebiete. Damit waren dem Ausbau der Voigtsberger Herrschaft enge Grenzen gesetzt. 1327 übernahmen die Vögte von Plauen das Voigtsberger Gebiet.

Bauliche Veränderungen gab es auf Burg/Schloß Voigtsberg mehrere, bauhistorische Aufnahmen selten und archäologische Untersuchungen gar nicht.

Die Kernburg befindet sich auf einem etwa 1.880 qm großen Bergsporn mit steilen Hängen. Der nordöstlich anschließende Bergrücken ist durch einen 6 bis zu 10 m breiten Abschnittsgraben abgetrennt. Der Burghof liegt heute bei 433 m über NN. Außerhalb des Burggrabens steht eine ungefähr 4.000 qm messende Fläche für die Vorburg zur Verfügung. Ein etwa 10 m breiter Graben umfasste diesen Bereich im Nordosten und wohl auch im Norden und Nordwesten. Wie die Situation an der Nordwestseite ursprünglich ausgesehen hat, ist allerdings schwer zu beurteilen, da künstlich aufgeschüttete Terrassen das Erscheinungsbild stark verändert haben. Rekonstruktionen gehen davon aus, dass der äußere Graben hier entlangführte. Im Südwesten, Süden und Südosten wurde eine etwa 10 m breite Terrasse mit umlaufender Mauer und rechteckigen Bastionen nachträglich hinzugefügt. Der Steilhang bot an sich genügend Schutz. In der ersten Bauphase war diese Terrasse noch nicht vorhanden, worauf die Aborterker in der Südwand hinweisen.

Zur ältesten Kernburg gehört der große Rundturm (9,5 m Durchmesser im unteren Bereich mit 3,3 m starken Mauern), der frei an der nordöstlichen Umfassungsmauer stand. Sieben Meter östlich davon wird ein Torhaus vermutet, das Gerhard Billig allerdings erst dem Ausbau in der Mitte des 14. Jahrhunderts zuweist (wie die Kapelle auf der Südostseite). Weitere Wohn- und Wirtschaftsgebäude dürften an der umlaufenden Außenmauer (2,0 bis 2,6 m breit) gestanden haben. Der Rundturm an der Südwestecke (8,5 m Durchmesser) scheint zur ersten Bauphase zu gehören. Darauf deuten einige Baudetails im unteren Turmbereich, darunter eine Schlitzscharte. Auch für die Südecke wird ein Rundturm (6,5 m Durchmesser) angenommen, der nach Klaus Söllner in die älteste Ringmauer eingebunden ist, nach Gerhard Billig aber der Ausbauphase in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts zuzuordnen ist. Es ist allerdings fraglich, ob es sich bei den hier sichtbaren Mauervorsprüngen überhaupt um die Reste eines Turmes handelt, da der Turm untypisch zu 77% vor der Außenwand gestanden hätte. (Der Südwestturm reicht wie allgemein üblich nur zu 53% vor die Außenwand.) Vielleichtg handelt es sich auch nur um den Fallschacht einer jüngeren Abortanlage.

Es gibt Überlegungen, ob die Vorburg bereits zur Gründung der Burg gehörte oder erst später angelegt wurde. Es ist aber von Anfang an ein Wirtschaftshof anzunehmen, durch den der Weg von der Nordwestseite führte. Ein alter überregionaler Handelsweg führte hier entlang. Zu denken wäre auch an eine ähnliche Situation wie in Mylau. Die Merkmale gleichen sich ohnehin.

Klaus Söllner nimmt an, dass die der Außenmauer vorgelagerte Terrasse mit Wehrmauer und Bastionen unter den Wettinern im 14. Jahrhundert erbaut wurde. Der Zwinger umschloss Kernburg und Vorburg komplett. Gerhard Billig datiert diese Erweiterung erst in das 16. Jahrhundert und bringt sie in Zusammenhang mit dem Schmalkaldischen Krieg. Außer den Feldschanzen sind in diesem Krieg aber keine größeren wehrtechnischen Bauwerke im Vogtland belegt. Quadratische Bastionen, wie in Voigtsberg, waren eine Übergangserscheinung vom Rundturm zur mehreckigen Bastion. Sie sollten die toten Winkel auf der Außenseite der Wehrmauern verhindern. Ihre Datierung wird zumeist in das frühe 16. Jahrhundert (also deutlich vor den Schmalkaldischen Krieg) platziert.

Außenansichten Schloss Voigtsberg: Nordfassade (links), Westfassade mit Resten eines Aborterkers (mitte) und Südwest-Ecke mit vermeintlichem Turmansatz by Martin Salesch 2026

Oelsnitz - Alte Schanze

Oelsnitz - Alte Schanze by Martin Salesch 2026

Oelsnitz - Alte Schanze

Amandus Haase legte am 12.05.1939 zwei kleine Schürfstellen im Zentrum des Bühls und im nordwestlichen Bereich des Bühls an, um die „Alten Schanze“ zu untersuchen. An Fundgegenständen kamen zum Vorschein: eine Spitzhaue, drei Armbrustbolzen, eine Bügelschere, einige Nägel, das Bruchstück eines Türbandes, sowie eine (!) Keramikscherbe des 14. Jahrhunderts.

Amandus Haase nahm an, dass die Schanze im 14. Jahrhundert von den Vögten von Plauen errichtet wurde, um gegen die Burg Voigtsberg (d. h. die Vögte von Straßberg) vorzugehen.

Die Befestigungsanlage befindet sich direkt an der Hangkante. Der rechteckige Bühl (28 x 19 m) wird von einem tiefen Graben und einem kräftigen Wall im Westen, Norden und Osten umgeben. Im Süden sichert das steil abfallende Gelände die Burg. Wall und Graben sind etwa 4 m breit. Auf dem Wall wurden Erdverfärbungen festgestellt, die von einer hölzernen Palisade herrühren könnten.

Amandus Haase stellte eine Steinschüttung fest, die er als Steinmauer interpretierte. In der Mitte des Bühls rekonstruierte er einen rechteckigen Turm aus Bruchsteinen, die in Lehm verlegt waren. Die Größe dieses Turmes konnte er nicht ermitteln. Seine Zeichnung gibt grob einen 8 x 6 m großen Grundriss an. Die Mauerstärken variierten seinen Angaben zufolge zwischen 1,5 m, 2,0 m und 3,0 m (an anderer Stelle 1,3 m bis 2,0 m). Im Innern fanden sich als Fußboden in Sand festgestampfte Steine und darauf eine runde Feuerstelle mit loser Steineinfassung an der westlichen Raumseite. Von der Seite dieser Feuerstelle stammen auch die Funde. Ein weiteres Gebäude vermutete Haase im Nordwesten des Bühls (heute eine leichte Senke) mit einem rechteckigen Raum von 3 x 5 m Größe.

Die Interpretation von Amandus Haase als Belagerungsschanze des 14. Jahrhunderts gründet sich auf die Funde und auf seiner Einschätzung, dass die Anlage nur kurze Zeit genutzt wurde. Dieser Annahme widersprechen jedoch die archäologischen Befunde, die eine recht aufwändig Befestigungsanlage mit großem Bühl und steinernem Turm (oder zumindest mit steinernem Fundament) erkennen lassen. Das zweite dokumentierte Gebäude an der Nordwest-Seite des Bühls könnte sogar ein Torhaus gewesen sein. Folgenschwerer wiegt aber, dass sich im Osten und Norden der Burganlage ein weiterer Wall befindet, der geradlinig mindestens 247 m nach Westen ausgeführt ist. An ihm befinden sich mehrere Grenzsteine, die seine Funktion als Landwehr unterstreichen. Zudem ist ein besonderer Bereich südöstlich des Bühls bislang noch gar nicht betrachtet worden. Hier gibt es einen schmalen Sporn von etwa 10 m Breite und 40 m Länge, der terrassenartig aufgeteilt ist. Fast an der Spornspitze befindet sich hier eine künstliche Vertiefung im Felsen mit gerade abgeschlagenen, glatten Kanten. Sie formt einen 7 x 5 m großen rechtwinkligen Kellerraum, über dem sehr gut ein turmartiges Gebäude gestanden haben könnte. Diese Vertiefung trennt den Sporn in seiner gesamten Breite ab. Somit kann südwestlich der Kernburg noch eine Vorburg vermutet werden. Dies spricht für eine längere Nutzung der Befestigung.

Von der Befestigung aus ist nach Süden ein weiter Blick über das Hainbachtal gegeben und nach Nordosten über die Hochfläche, auf der sich mehrere alte Wegespuren eines wichtigen Verkehrsweges von Oeslnitz nach Nordosten nachweisen lassen. Eine Kontrolle der Burg Voigtsberg ist von diesem Standort nicht gut möglich, da die Burg ihren Hauptzugang von Norden hatte.

Dem Widerspricht nicht, dass die „Vogtsberger Schanze“ im 14. Jahrhundert für eine Belagerung der Burg genutzt worden sein soll.

Ottengrün

Ottengrün by Martin Salesch 2026

Ottengrün

Im Jahr 1390 wird Ottengrün das erste Mal erwähnt. Im Bereich des ehemaligen Rittergutes soll sich nach Walter Bachmann ein befestigter Hof befunden haben, von dem noch Grabenteile an der Südostecke erkennbar gewesen sein sollen. 1949 wurde das Herrenhaus abgerissen. Auch von Graben ist heute nichts mehr zu sehen.

Etwa einen Kilometer westlich von Ottengrün ist in den Meilenblättern „das alte Schloss“ eingezeichnet. Am Zusammenfluss zweier kleiner Bäche, die in den Zettlasgrüner Bach münden, ist eine runde Struktur zu erkennen. Diese Lage im Quellbereich wäre mit den alten Schlössern in Winthersreuth und Schönfeld zu vergleichen. Alte Wegetrassen in Richtung Bobenneukirchen sind etwa 480 m östlich erkennbar. Sie gehören zu einer viel befahrenen Strecke, die südlich (Richtung Hof) am Assenberg vorbeiführte.

Nördlich des „alten Schlosses“ sind links des Baches Linien im Gelände zu erkennen, die auf eine mittelalterliche Siedlung hindeuten könnten. Hier gibt es mehrere Stauteiche und in den Meilenblättern die Bezeichnung „das Prätzel Haus“.

Planschwitz

Plaschwitz & Stein in Karl August Limmer 1823

Planschwitz

Eine Befestigung in Planschwitz wird 1327 erstmals urkundlich erwähnt, als am 13. und am 16. März des genannten Jahres Vogt Heinrich der Ältere von Plauen (der III, genannt der Lange) und sein ältester Sohn dem König Johann von Böhmen ihre Herrschaft Plauen antragen und von ihm als Lehen nehmen: Unser Hauptgebiet Plauen (principale dominium nostrum Plawen) mit seinen Befestigungen und Gütern […], nämlich die Burg Liebau (castro Lůbawe), die Befestigung Johannesgrün (munitionem Johannesgrune), die Burg Schöneck (castrum Schöneneck), die Befestgigung Planschwitz (munitionem  Plonswicz), die Befestigung Stein (munitionem Lapidem), die Befestigung Türbel (munitionem dictam Tirbil) und Gatendorf, sowie die dazugehörigen Dörfer, Männer und Vasallen, Soldaten (militibus) und alle anderen zugehörigen Güter. (Schmidt Urkundenbuch der Vögte von Weida, Gera und Plauen 1122 bis 1356, Nr. 611 und 613).

Mit dieser Belehnung wollte sich der Plauener Vogt unter den Schutz eines mächtigen Fürsten stellen, da seine Herrschaft im Norden von den Wettinern und im Süden von den Nürnbergern bedrängt wurde. In der Urkunde vom 16. März 1327 findet sich aber auch folgende aufschlussreiche Formulierung: Obwohl unsere Vorfahren bekanntermaßen von den einst angesehenen Grafen von Eberstein in Sachsen, rückblickend betrachtet, deren Herrschaft in Plawe, die wir jetzt innehaben und die uns durch rechtmäßige Erbfolge zugefallen ist, erhalten und auch als Lehen besessen haben, ist die Generation ebendieser Grafen längst ausgestorben, sodass niemand mehr von ihnen überlebt hat. Wir haben jedoch durch sichere und fundierte Informationen vieler weiser Männer, die wir in dieser Angelegenheit befragt haben, erfahren, dass wir nun rechtmäßig befugt sind, unsere Herrschaft selbst mit allen Rechten und Zugehörigkeiten als Lehen von jedem beliebigen Herrn zu erhalten und zu besitzen.

Das Interessante an diesem Abschnitt ist, dass die Herrschaft der Plauener nach dem Aussterben der Grafen von Eberstein nicht an das Reich, d. h. den römisch-deutschen König, zurückfiel. Vielmehr beanspruchte der Böhmische König Johann die Herrschaft für sich. Der Ebersteiner Familienzweig, der die Plauener Herrschaft besaß, war wohl schon Mitte des 13. Jahrhunderts ausgestorben, doch die Grafen von Eberstein gab es nach wie vor.

Bereits am 25. Mai 1278 hatte Graf Konrad von Eberstein alle heimgefallenen und zukünftig frei werdenden Lehen in der Region Dobna an Heinrich von Plauen übertragen. Zugestimmt hatten die Brüder seines Vaters Otto und Ludwig, sowie sein Vetter Otto (Sohn des verstorbenen Bruders seiner Mutter Hermann).

Am 06.12.1328 (also nach dem Vertrag zwischen den Plauenern und dem Böhmen) verzichtete Graf Hermann III von Eberstein auf alle Lehnsrechte in der Region: Wir, Graf Hermann von Everstein, möchten allen Anwesenden und Zukünftigen mitteilen, dass […]  alle Lehen, die uns in den Gebieten oder Grenzen von Dobene (partibus seu terminis Dobene) seit dem Tod unserer Vorfahren und Onkel, namentlich Otto, Ludwig, Konrad, Otto und Hermann, und ihrer Erben seligen Angedenkens, den Grafen von Eberstein, zusammen mit dem Edelmann Heinrich dem Älteren, Anwalt (advocatrus) von Plawen, und seinen Erben, zustehen, […] von nun an alle vorgenannten Lehen in den vorgenannten, in Dobene gelegenen Ländereien vom ruhmreichen Fürsten Johann, König von Böhmen, und seinen Nachfolgern, den Königen von Böhmen, mit vollem Recht erhalten sollen, so wie sie diese Lehen von uns und unseren Vorfahren innehatten, und dass sie nunmehr verpflichtet sind, sie künftig als Lehen zu erhalten.

Reste einer Befestigung sind heute im Gelände nicht mehr zu erkennen. Als geeigneter Ort erscheint die Bergkuppe, auf der sich später das Rittergut befand.

Plauen - Dobenau

Dobenau by Martin Salesch 2025

Plauen - Dobenau

Ob es auf dem Dobenaufelsen eine Befestigungsanlage gegeben hat, wird in der Literatur kontrovers diskutiert. „Der Gleichklang von Dobenau und Dobnagau [„pago dobna“], dazu die Lage des Ortes etwa im Zentrum des Gebietes, wurden früh zum Anlass genommen, hier die älteste Burg des mittelalterlichen Vogtlandes, möglicherweise errichtet durch die Ebersteiner Grafen zu vermuten.“ (Jörg Wicke, 2003, Seite 167 mit entsprechenden Verweisen).

Den ältesten Hinweis gibt Karl Heinrich Tromler 1767: „Denn Kaiser Heinrich, der Finkler [Heinrich I. * um 876; † 2. Juli 936], setzte nach dem Zeugnis eines anderen Schriftstellers [Heinrich von Westphalen], den überwundenen Slawen ungefähr ums 935te Jahr, außer anderen, auch den Grafen Bruno von Eberstein [auch: Everstein] zu einem Grafen oder Richter. Und vielleicht hat dieser Bruno schon damals die Herrschaft oder Grafschaft über den Pagus Dobenau bekommen […]. Wenn Dobenau, wie es denn wahrscheinlich ist, die Grafschaft ist, oder der Pagus, welcher dem Bruno zur Regierung vom Kaiser anvertraut wurde, so war allem Ansehen nach das jetzt so kleine Dobenau, welches nahe bei Plauen liegt, die Residenz des Gaues, von welcher das ganze Gebiet den Namen bekam. […] Denn Dobina oder Dubina heißt in der wendischen Sprache so viel, als ein Gerichtsort. […] und Dobenau war die Residenz derer dem Christentum zugetanen Grafen von Eberstein in diesem Teil des Vogtlandes, welche über die Sorbenwenden, so darinnen angesessen waren, regierten. So war vielleicht diese gräfliche Familie die erste christliche Gemeinde in dem Pagus, und Dobenau vielleicht der allererste christliche Ort desselben, wo ohne Zweifel zur bequemen Unterhaltung der christlichen Andacht auch die erste christliche Kapelle war. Die vorhandenen Ruinen selbst scheinen dieses zu bekräftigen, als welche uns auf einen vormals daselbst gestandenen kleinen Tempel raten lassen.“ (Tromler 1767, Seite 92 ff.) Tromler vermutete auf dem Dobenaufelsen also keine Burg, sondern eine Kirche.

„Der Gipfel des Dobenauhügels, der ziemlich eben verläuft, misst in der Länge reichlich 30 Meter, in der Breite etwa 14 Meter, mit rundlichem Auslauf im Westen zu, während er an seinem östlichen Abschluss durch einen etwa 3 bis 4 Meter breiten Spalt und ähnlicher Tiefe von einem anderen Felsgipfel getrennt wird, der sich nach dem Gehöft des Dobenaugutes steil hinabzieht. Die ersterwähnte Hochfläche des Gipfels umzieht nun eine Mauer von verschiedener Höhe, je nach der Gestaltung des Felsens, auf welchem die Mauer aufsitzt, aus dem sie herauszuwachsen zu sein scheint, nur über dem Spalt teilweise abgebrochen.“ (Ferdinand Mohr im Vogtländischen Anzeiger, Nr. 65 am 18.03.1923).

Ferdinand Mohr beschreibt die Umfassungsmauer auf dem Dobenaufelsen als „Gussmauer“, die aus mittelgroßen Bruchsteinen besteht, die „in sehr reichlichen, frischen Kalkmörtel gelegt worden, was von jedem ungeübten Arbeiter hat verrichtet werden können.“ (ebenda). Eduard Johnson und Geheimrat J. Müller haben diese Mauer mit der 1470 errichteten Wolfgangs-Kapelle in Verbindung gebracht, was Ferdinand Mohr mit Hinweis auf die durch Hussitenkriege und Pest dezimierte Plauener Bevölkerung und die Armut der Wolfgangs-Brüderschaft bestreitet. Er bestreitet sogar den Bau der Wolfgangs-Kapelle selbst. Dabei spricht seine Bemerkung von den „ungeübten Arbeitern“ jedoch eher für die Wolfgangs-Brüderschaft als Bauherrn der Mauer, als für den von ihm favorisierten Grafen von Everstein. Auch sein Vergleich mit der Festigkeit der Stadtmauer trägt nicht als Argument, da die Plauener Stadtmauer als 1,5 m breite Zweischalenmauer errichtet wurde.

Die Umfassungsmauer auf dem Dobenaufelsen ist etwa 1,0 m dick. Im Basisbereich aufgrund der Felsformation teilweise aber bis zu 1,8 m. Sie besteht aus recht kleinen Bruchsteinen des anstehenden Diabas, die wohl direkt vor Ort gewonnen wurden. Sie sind in einem sehr groben, mit Kieselsteinen vermengten Mörtel verlegt. Die Mauerkonstruktion weist keine Merkmale einer Befestigungsanlage auf.

Amandus Haase berichtet von seiner archäologischen Untersuchung auf dem Dobenaufelsen, die er aufgrund der Kriegsentwicklung nicht abschließen konnte, dass an der Vorburg und am Brunnen „Beweismaterial für den Burgcharakter der kleinen aber festen Wehranlage“ gefunden werden konnten (A. Haase in einem Brief an den Landesdenkmalpfleger Bachmann am 02.10.1944). Nach seiner Einschätzung war die Vorburg durch eine starke Stein-Erde-Mauer gesichert, die nach seinen Angaben aber (an der Krone) nur 0,9 m dick war.

Ein etwa 8 m breiter Halsgraben trennt den Sporn vom Bergrücken, sodass ein 250 m2 großes ebenes Areal als Kernbereich zur Verfügung stand. Davor liegt ein Bereich, der als Vorburg bezeichnet wird und ebenfalls durch einen Halsgraben (5 m breit) gesichert gewesen sein soll. Dieser zweite Graben ist allerdings fragwürdig. Im Gelände ist nur eine Senke zu erkennen, die zum Dobenaugut hinunterführt. Dies dürfte der ursprünglicher Zuweg gewesen sein. Ein zweiter Halsgraben wäre an dieser Stelle gar nicht nötig gewesen, da der Sporn 21 m weiter nach Nordost ohnehin zur heutigen Straße hin abfällt.

Im Halsgraben vor dem Kernbereich fallen in den Felsen geschlagene Stufen auf, die als Unterkonstruktion für eine Holzbrücke gewertet werden können. Eine Zugbrücke hat es wohl aber nicht gegeben, da dafür ein Torhaus in dem doch recht kleinen Kernbereich notwendig gewesen wäre. Eine im Notfall einfach abzubrechende Holzbrücke ist aber anzunehmen.

„Über dem Brunnen aus dem ausgepeckten Diabas lagen unter Asche alte Scherben mit Radkreuz und Krötenverzierung.“ (A. Haase an Bachmann 1944). Diese Bodenmarken kommen im 13./14. Jahrhundert vor (hier eher das 14. Jahrhundert) und würden bedeuten, dass der Brunnen älter als die Wolfgangs-Kapelle ist. Denkbar wäre eine komplette Einebnung der Spornfläche, vielleicht auch eine randliche Erweiterung mit Umfassungsmauer, für den Kirchenbau. Der Brunnen ist auf jeden Fall ein Hinweis, dass auf dem Bergsporn in früher Zeit Aktivitäten stattgefunden haben. Im harten Diabas war die Anlage eines Brunnens aufwendig. Auch der Halsgraben wird nicht ohne Not ausgeführt worden sein. Bislang liegt aber kein älteres Fundmaterial vor.

Der Dobenaufelsen ist der südliche Ausläufer einer schmalen Diabasformation. Diese Formation zieht sich etwa 250 m in südwest-nordwestlicher Richtung bis zum Bärenstein und bildet den Osthang des Tennerabaches. Der bis zu 50 m breite Sporn wird auch auf seiner Ostseite von einem kleinen Bach umspült, dessen Quellbereich in einer flachen Mulde zwischen Bärenstein und Streitsberg liegt.

 

Funde

Amandus Haase ließ 1940 im Kernbereich drei Suchschnitte an der östlichen Seite anlegen, um Hinweise auf den Kapellenbau zu finden. Seine Grabung erstreckte sich aber auch auf den Bereich vor dem großen Halsgraben. Von hier, aus der sogenannten Vorburg, stammt wohl der überwiegende Teil der Fundsachen. Leider gibt es nur wenige Angaben, wo die einzelnen Funde gemacht wurden. Die Inventarisation von 1953 bis 1955 hat deshalb auch nicht nach Fundkomplexen unterschieden. Die Funde wurden stattdessen nach Typen sortiert. Somit können Aussagen nur über den gesamten Fundplatz gemacht werden und nicht über einzelne Bereiche. Dabei schreibt A. Haase an Dr. Bachmann: „Die Mauer der Vorburg ist an der Untersuchungsstelle 2,50 m hoch, leicht nach innen geneigt und an der Krone 0,9 m breit. Erst die Mauer gab mir die Erklärung warum in dem Diabas die verschiedenen Nischen ausgepeckt sind, denn erst dadurch ergaben sich Anhaltspunkte über die verschiedenen Gelasse.“ (Brief vom 02.10.1944).

In einem mit „Dobenau I“ bezeichneten Komplex fand Amandus Haase vor allem blaugraue und braungraue Gebrauchskeramik des 15./16. Jahrhunderts. Darunter auffällig große Scherben und zu einzelnen Gefäßen zusammengehörige Stücke. Dies lässt darauf schließen, dass die Keramik nicht umgelagert wurde. Die Russ- und Brandspuren, sowie ein hoher Anteil Deckelscherben deuten auf Küchengeschirr. Somit ist anzunehmen, dass eines der von Haase angesprochenen „Gelasse“ eine Küche war. Die Dresdner Neueste Nachrichten schreiben am 25.09.1942: „Der Konservator A. Haase ist so weit gekommen, dass der Grundriss der Vorburg mit den Unterkünften für Knappen und Pferde freigelegt werden konnte.“ Leider gibt es darüber keine weiteren Aufzeichnungen. So kann nur spekuliert werden, ob eine annähernd rechteckig in den Felsen geschlagene Vertiefung als Kellerraum eines Gebäudes zu interpretieren ist.

Insgesamt wurden zahlreiche einfache quadratische Napfkacheln des 16./17. Jahrhunderts geborgen. Daneben kommen aber auch viele einfache, unglasierte Tellerkacheln vor, die in die Mitte des 14. Jahrhunderts datiert werden können. Die meisten Bruchstücke weisen entsprechende Rauch- und Schmauchspuren auf. Auch der Anteil hellgrauer Napfkachelstücke ist hoch. Es ist fraglich, ob so viele Öfen unterschiedlicher Epochen auf der Dobenau gestanden haben. Vielmehr drängt sich der Verdacht auf, dass der Dobenaufelsen auch als Abfallplatz der Anrainer genutzt wurde.

Die keramischen Funde reichen bis in das 14. Jahrhundert zurück, also vor den Bau der Wolfgangs-Kapelle. Ältere Funde, die mit der Anlage einer Burg in Verbindung gebracht werden könnten, liegen bislang jedoch noch nicht vor. Das kann damit zusammenhängen, dass beim Bau der Wolfgang-Kapelle der Spornbereich komplett eingeebnet wurde.

Das Fundspektrum besteht aus einfachen, kaum verzierten Gefäßen. Es spiegelt keinen gehobenen Stil, wie es bei einer „Residenz“ der Grafen von Everstein zu erwarten wäre.

Von den Arbeitern der aktuellen Bestandserhaltung achtlos beiseitegelegt sind mehrere Bruchsteine der Umfassungsmauer mit dicken Mörtelanhaftungen in denen Abdrücke von Hölzern konserviert sind. Es handelt sich um rechtwinklig zugeschnittene Hölzer mit einer Kantenbreite von bis zu 10 cm. Bauhölzer für Gerüste sind in der Regel nicht mit der Mauer vermörtelt. Es müsste sich also um ein konstruktives Bauelement der Mauer handeln. Zu denken wäre beispielsweise an zusätzliche Verankerungen für die vor den Felsen gesetzte Mauer.

 

1942 wurde von Amandus Haase eine Bestattung dokumentiert, die ein männliches Individuum enthielt. Einziger Fund war ein kleines Metallkreuz. Leider widersprechen sich die Darstellungen, ob das Grab im Altarraum oder im Schiff der Kapelle gefunden wurde. Die Fotos zeigen rechts vom Kopfbereich des Verstorbenen eine rechtwinklige Felskante. Leider lässt sich keiner der ergrabenen Mauerzüge damit in Verbindung bringen.

Zwischen 1470 und 1537 stand auf dem Sporn eine dem Heiligen Wolfgang gewidmete Wallfahrts-Kapelle, die vom Dominikanerkloster in Plauen betreut wurde. Gestiftet wurde sie aus dem Plauener Bürgertum heraus. Die Visitationen und Inventarverzeichnisse nach der Reformation verdeutlichen, dass die Kapelle gut ausgestattet war. Immobilien und Grundstücke aus dem Vermögen der Wolfgangs-Bruderschaft wurden zwischen 1529 und 1539 verkauft. Das Kirchengebäude und der zugehörige Wirtschaftshof wurden nicht weiter genutzt und verfielen. Amandus Haase versuchte 1940 den Grundriss der Kirche zu erkunden. Dafür legte er drei Suchschnitte auf der Südostseite der Spornspitze an und fand Mauerzüge, an denen er sich ein Stück entlanggrub. Aus diesen Fragmenten entwickelte Walter Bachmann einen Grundriss, indem er die Befunde spiegelte. Auf diese Weise rekonstruierte Bachmann eine Kirche, die nahezu den gesamten Spornbereich ausfüllt. Es ist aber zu bezweifeln, dass die Kapelle so groß war. Da A. Haase nur auf der Südost-Seite gegraben hat, kann die Breite des Kirchenbaus nicht bestimmt werden. Zudem sind die kleinen Suchschnitte des Ausgräbers nur an der Innenseite der aufgefundenen Mauer entlanggeführt, sodass eine Zuordnung zum Kirchenbau gar nicht gesichert ist. Es könnte sich beispielsweise auch um die Innenseite der Hangmauer handeln, die sich unmittelbar anschließt.

 

Zwischen 1553 und 1729 wurde auf dem Dobenaufelsen auch Bergbau betrieben, der zu Veränderungen des Geländes geführt hat. Zur Aufwältigung der Stollen gehört wohl auch ein leicht planiertes Gelände am südöstlichen Hang.

 

Das Rätsel um den Dobenaufelsen ist also noch nicht gelöst. Und so gilt weiterhin, was Gerhrad Billig 1954 schrieb: „Um so mehr müsste sich jetzt die gesamte Plauener Bevölkerung bemühen, die erhaltenen Reste zu schützen. Jeder Stein auf dem Felsen spricht von der Vergangenheit. Derjenige, der Steine entfernt, an den Hängen Ziegen hütet oder wild herumklettert, vernichtet eine Quelle zur ältesten Geschichte Plauens.“ (G. Billig 1954, Seite 90).

Zeichnung by Martin Salesch 2026

Plauen - "Malzhaus"

in Bearbeitung

Plauen - Reißig

Reissig by Martin Salesch 2026

Reissig

Im Plauener Stadtwald nordwestlich von Reißig befindet sich eine Befestigungsanlage, die aus einem trapezförmigen Bühl von etwa 18 x 14 m (226 qm Nutzfläche), einem 5 bis 6 m breiten Graben und einem 4 bis 4,5 m breiten Wall besteht. „An der Nordostseite zeigt der Graben eine Ausbuchtung, die alten Ursprungs zu sein scheint. Einige Schritte nordwärts von der Anlage finden sich große Steine und Andeutungen von Mauerwerk. Geht man von dem Graben zwölf Schritte nach Nordwesten in den Wald hinein, so kommt man an eine zwei Meter im Durchmesser haltende trichterförmige Vertiefung im Boden. Dort befand sich, wie mir Herr Ratsförster Maucksch mitgeteilt hat, früher ein alter Brunnen, der mit Bohlen überdeckt war, aber der Sicherheit halber im Jahr 1885 zugeschüttet wurde, nachdem man ihn vorher entleert und den Boden untersucht hatte, ohne etwas Bemerkenswertes darin zu finden.“ (Johnson)

Vor 1890 wurde eine archäologische Untersuchung (Nachgrabung) durchgeführt, die jedoch keine Ergebnisse lieferte. Auch Amandus Haase führte auf dem Bühl eine Ausgrabung durch. Eine Vertiefung, die in ost-westlicher Richtung mittig durch den Bühl verläuft, könnte das Ergebnis dieser Grabung sein.

Die Bühl-Burg wird mit der Wüstung Reißig in Verbindung gebracht, die 1474 erwähnt wird (Reyßig).

Plan nach Amandus Haase (Mitte), sonst by Martin Salesch 2026

Plauen - Schloss der Vögte

Schloss der Vögte by Martin Salesch 2026

Schloss der Vögte

Nachdem sich die Vögte zwischen 1244 und 1263 in die Linien Weida, Gera und Plauen getrennt hatten, wurde in Plauen ein entsprechender Herrschaftssitz notwendig. Die Wehranlage entstand im Zusammenhang mit der Neustadt an dessen nördlichem Rand auf einem Felsvorsprung mit steilem Hang zur Syra im Süden, aber nicht so steilem Hang zur Elster in Südosten. Nach Nordosten war das Burgareal durch einen breiten Graben gesichert. Im Süden und Norden setzte die Wehrmauer der Neustadt an.

Überlegungen, ob es an gleicher Stelle schon vorher eine slawische Befestigungsanlage gegeben hat, tauchen in der Literatur immer wieder auf. Sie werden an der Flurbezeichnung Hradschin festgemacht. Dabei ist allerdings zu bedenken, dass es in der Region überhaupt keinen Nachweis für slawische Befestigungen gibt. Zudem bezeichnet das Wort Hradschin im slawischen nicht etwa eine Burg, sondern eine Ansiedlung vor der Burg. Der Flurname ist eher als Verschleifung des 19. Jahrhunderts (vorher tritt er in den Quellen nicht auf) des Wortes Ratschauer zu erklären, einer „Berufsbezeichnung“ für den im Plauener Schloß nachgewiesenen Dienstmann des Vogtes als Kontaktperson zum Rat der Stadt.

Überlegungen, ob die heute als Malzhaus bekannte Anlage in der Südwestecke der Plauener Altstadt als Vorgängerburg zu verstehen ist, wird ebenfalls immer wieder angeführt und mit der nicht näher lokalisierbaren Bezeichnung „castrum“ verbunden. Die Grafen von Everstein werden dabei als Bewohner angenommen, wobei eine dauerhafte Anwesenheit der Eversteiner inzwischen als eher unwahrscheinlich gilt.

Gerhard Billig datiert die erste Wehranlage oberhalb der Syramündung in die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts. Bis zum Ende des Vogtländischen Krieges 1354 fungierte sie als Herrschaftssitz der Plauener Vögte. Anschließend wurde sie nur in der kurzen Zeit der Sekundogenitur Sachsen-Zeitz um 1670 als Nebenresidenz genutzt. Ansonsten fungierte sie als kürsächsischer bzw. königlicher Amts- und Gerichtssitz. Zwischenzeitlich durch Brände und Kriegsereignisse zerstört, veränderten Um- und Neubauten das gesamte Areal so einschneidend, dass von der mittelalterlichen Bausubstanz nichts mehr zu erkennen ist. Selbst die Gliederung der großen Burgfläche in Haupt- und Vorburgen lässt sich nicht mehr erschließen. „Bis auf zwei Türme, Teile der Ring- und Zwingermauern und die Ruine des Querhauses war obertätig nichts mehr erhalten.“ (Jörg Wicke 2022, Seite 49).

Im Vorfeld der Umnutzung zur Dualen Hochschule erfolgte von 2014 bis 2017 eine archäologische Untersuchung. Keramische Funde aus den ältesten Schichten datieren in die Mitte oder in die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts. Da die Befundsituationen, aus der die Funde stammen, Nutzungs- und Brandhorizonte darstellen, muss der Bau der Burg selbst nach Jörg Wicke älter sein.

Im nordwestlichen Bereich wurden fünf parallel zueinander angelegte Keller und ein Brunnen freigelegt, die einem wirtschaftlich genutzten Burgbereich zugeordnet werden müssen. Da sich durch diesen Bereich aber auch die Fluchtlinie der Stadtbefestigung im archäologischen Befund eines etwa 3 m breiten Grabens zieht, ist hier ein Wirtschaftshof denkbar. Ob es sich um einen Graben oder die Fundamentgrube einer nachträglich wieder entfernten Mauer handelt ist nicht eindeutig. Der Archäologe Jörg Wicke interpretiert hier die älteste Umfassungsmauer der Burg und platziert die Keller damit in den Innenraum der Burg. Auf jeden Fall spricht die einheitliche Ausrichtung der Gebäude für eine gleichzeitige und geordnete Anlage. J. Wicke schreibt: „Das Westende des Grabens und damit die Nordecke der Schlossmauer wurden alsbald mit einem mehrphasigen massiven Steinbauwerk [Festes Haus 1] auf einem Grundriss von ca. 11 x 7 m bewehrt. Der heute noch vorhandene dreieckige Grundriss der Burg wurde also schon mit ihrer Gründung angelegt.“ (Jörg Wicke 2022, Seite 51). Teile der mächtigen Umfassungsmauer, die dieses Dreieck von grob gerechnet 80 x 80 x 60 m Kantenlängen ergeben, sind bis heute erhalten. Den südöstlichen Abschluss bildet ein, der im Aufgehenden anhand von Rüsthölzern dendrochronologisch auf das Fäölldat8m 1425 datiert werden konnte. J. Wicke bringt diese zeitliche Einordnung mit einer Verstärkung der Burg durch den Burggrafen Heinrich X. von Meißen ab 1410 im Vorfeld der Hussitenkriege in Verbindung. Es ist aber nicht bekannt, dass vor der Hinrichtung von Jan Hus 1415 mit einer so starken Reaktion seiner Anhänger gerechnet wurde. Im Jahr 1430 belagerten die Hussiten Plauen mit schrecklichen Folgen für die Stadtbevölkerung. Ein Ausbau der Burg ist wohl erst nach den Einfällen der Hussiten anzunehmen. Die Datierung durch Jahresringe zeigt uns das Fälldatum eines Baumes an, nicht dessen Verbau. Für Rüsthölzer wurde sicherlich nicht das frische gute Bauholz genommen. Eine Brandschicht im benachbarten Rundturm (Bastion genannt) verweist ein Münzfund auf die Jahre nach 1419. Weitere Rüsthölzer geben das Fälldatum 1466 für einen oberen Abschnitt der Umfassungsmauer an. Sicherlich können hier unterschiedliche Baumaßnahmen vermutet werden. Die Daten zeigen aber, dass es im 15. Jahrhundert zu baulichen Veränderungen gekommen ist. Auch die Verfüllung der beschriebenen Keller datiert J. Wicke in die Mitte des 15. Jahrhunderts und das Feste Haus 1 an das Ende dieses Jahrhunderts.

Die Innengliederung der Burg ist durch einen breiten Graben geprägt, der den Nordbereich vom restlichen Burghof trennte. Er wurde später vom sogenannten Östliche Quergebäude überbaut. Den mittleren Burgbereich dürfte die Hauptburg eingenommen haben, die südöstliche Felsenspitze, abgetrennt durch einen weiteren Graben, eine Vorburg. Dieser weitere Graben war wohl Teil eines Zwingers, der an der Südwestecke durch die beiden markanten Rundtürme (Roter Turm und Bastion) gedeckt wurde.

Damit weist die Burg der Vögte in Plauen große Ähnlichkeiten mit der Burg der Lobdeburger in Elsterberg auf. Anzunehmen ist auch in Plauen der Weg von der Stadt in die Burg durch einen von Mauern eingefassten Korridor, der an der Südwestecke in die Kernburg mündet. Wie in Elsterberg befindet sich die Vorburg durch einen breiten und tiefen Graben getrennt auf der Spornspitze. Leider sind in Plauen keine genaueren Angaben über die Nordseite der Burg möglich. Vielleicht gab es auch hier wie in Elsterberg einen Zwinger, der die besonders gefährdete Bergseite zusätzlich zu einem breiten Graben abschirmte.

Plohn

Plohn by Martin Salesch 2026

Plohn

In Plohn wird auf dem Bergsporn an der Mündung des Fichtenwegbaches in den Plohnbach (bzw. in den Mühlgraben) eine mittelalterliche Befestigungsanlage vermutet. Doch: „Von einem Abschnittsgraben ist nichts mehr zu sehen. Der heutige Zustand lässt auch an seiner Existenz auf dem ersten Hof […] zweifeln, da dort an mehreren Stellen der gewachsene Fels an der Oberfläche erscheint. Die Senke vor dem Herrenhaus gehört zweifellos zum Aufweg.“ (Notiz in der Ortsakte des Vogtlandmuseums). 1804 wurde die Burg abgerissen und an ihrer Stelle durch den Rittergutsbesitzer Christian Gottlob Adler ein stattliches Herrenhaus errichtet.

1279 werden die Brüder Heinricus und Otto de Plone als Zeugen einer Zinsübertragung des Plauener Vogtes an den Deutschen Orden aufgeführt. Dies wird oft als Hinweis auf einen Herrensitz in Plohn gedeutet, doch deutet die Formulierung „Heinricus et Otto fratres de Plone“ auf die Zugehörigkeit der beiden zu einer Bruderschaft. Erst der Ritter (milites) Meinhelmus de Plone in einer Vogtsurkunde zugunsten der Pfarrkirche in Elsterberg von 1314 lässt auf einen Stammsitz seiner Familie in Plohn schließen. Da sich die Bezeichnung „in villa dicta Plon“ im Jahr 1330 als grundherrliche Ansiedlung interpretieren lässt dürften die Herren von Plohn als aufstrebende Dienstmannen (zum Beispiel in der Funktion eines Schulten) angesehen werden und die vermeintliche Befestigungsanlage als befestigten Gutshof oder Vorwerk.

In den meilenblättern ist zwischen der Spornspitze und dem südlich anschließenden Bergrücken eine Vertiefung eingezeichnet, die als Halsgraben interpretiert werden könnten. Allerdings schlängelt sich ein Weg durch diese Vertiefung, die somit auch als hohlwegartiger Aufstieg gedeutet werden kann. Auf der Westseite wurde neuzeitlich das Torhaus erbaut, auf der Ostseite befindet auch heute noch ein Zuweg zum Herrenhaus. Auf der Höhe sind keinerlei Spuren einer ehemaligen Vertiefung zu erkennen.

Um die Spornspitze sind mehrere unterkellerte Terrassen angelegt, die von Mauern gestützt werden. Diese sind aufgrund ihrer Bauart als neuzeitliche Erweiterung (Garten mit Pavillon) anzusehen und nicht als Reste einer mittelalterlichen Befestigung (Ringmauer). Wehrhaften Charakter besitzt nur ein gerundeter Mauerzug ohne Fenster auf der Nordost-Seite des Sporns.

Reimersgrün

Reimersgrün by Rudolf Laser 1953 (KI-koloriert)

Reimersgrün

Die erste uns bekannte schriftliche Nachricht von Reimersgrün stammt aus dem Jahr 1421 (Reymarsgrune). Die Rodungssiedlung an der Südwestseite des Kuhberges dürfte aber bereits Ende des 12. Jahrhunderts entstanden sein.

Die beiden umfangreichen Brakteatenfunde, die 1934 südöstlich des Ortes (400 bzw. 800 m entfernt) aufgefunden wurden, beinhalten im ersten Fund 161 Brakteaten, 7 Hälften, 2 Viertelstücke und 6 Bruchstücke (wohl in einem Lederbeutel), sowie im zweiten Fund 50 Brakteaten, 1 Hälfte uns 2 kleine Bruchstücke. Es handelt sich um Münzen aus dem Umlaufgebiet Ostthüringen/Pleißenland, ähnlich dem Brakteatenfund von Zwickau. Der Anteil an Brakteaten aus der Reichsmünze Altenburg ist besonders hoch, insbesondere bei den Breitpfennigen Kaiser Otto IV. Die Deponierung der Münzen wird mit den innenpolitischen Machtkämpfen nach dem Tod Kaiser Heinrich VI. (1197) in Verbindung gebracht, die sich um 1212 in der Region militärisch auswirkten. Es gibt zwar keinen direkten Bezug zur Befestigungsanlage, aber zumindest einen Hinweis auf Aktivitäten im frühen 13. Jahrhundert in dessen unmittelbarer Nähe.

Mehrere alte Wegespuren lassen sich im Nordwesten von Reimersgrün aus Richtung Netzschkau nachweisen. Es ist anzunehmen, dass der Verkehr nördlich und westlich an Reimersgrün vorbeilief, am rechten Talhang des Forellenbaches. Westlich von Christgrün sind wieder Altwegespuren zu beobachten. Die Befestigungsanlage befindet sich jedoch mitten in der Talsenke des zur Weißen Elster entwässernden Forellenbaches und Schafwiesenbächel. Eine primäre Funktion als Verkehrssicherung ist deshalb nicht anzunehmen. Eher dürfte es sich um einen Herrschaftssitz gehandelt haben.

Die Anlage besteht aus einem ovalen Bühl von etwa 470 m2 (25 x 20 m), an dessen Außenwand eine leichte Erhöhung festzustellen ist. Wahrscheinlich schützte ein schmaler Wall mit Palisade die innere Burg. Um den Bühl herum zieht sich ein 8 bis 15 m breiter Graben, ein schmaler Wall (etwa 2 m), ein weiterer Graben (5 bis 7 m) und ein weiterer schmaler Wall. Im Südosten gibt es außerhalb dieser recht großen Anlage noch eine leichte Bodenwelle, die auf einen Eingangsbereich an dieser Stelle deuten könnte. Die Maßangaben bei Rudolf Laser unterscheiden sich. Er erkannte den äußeren Graben auch nur im Südosten.

Die Lage in der Niederung und ihre Ausführung mit doppeltem Graben lassen Ähnlichkeiten mit der Bühlburg in Werda erkennen.

Auf dem Feld östlich der Burg wurden einige Keramikscherben des 13. und 14. Jahrhunderts als Oberflächenfunde gemacht.

Ansichten der Bühlburg Reimersgrün by Rudolf Laser 1953 und Gerhard Billig 1962 (KI-koloriert).

In den Brakteatenfunden fanden sich mehrere Silberprägungen der konkurierenden römisch-deutschen Könige Philipp von Schwaben (links) und Otto IV von Braunschweig (rechts), die beide im Jahr 1198 gekrönt wurden. Philipp mit den richtigen Insignien, aber vom falschen Bischof und Otto vom richtigen Bischof, jedoch mit den falschen Insignien. Das "Kleine Interregnum" im römisch-deutschen Reich, das bis zur Ermordung Philipss 1208 andauerte, ermöglichte es den Vögten ihr Macht in Richtung Landesherrschaft auszubauen.

Reinhardtswalde im Kursächsischen Meilenblatt (Berliner Exemplar) um 1800

Reinhardtswalde

An der alten Wegetrasse zwischen Mißlareuth und Dehles soll sich eine Wall-Graben-Befestigung befunden haben, für die von Amandus Haase ein rechteckiger Bühl von 10 x 8 m und ein Graben von 10 m beschrieben wird. Er vergleicht diese Anlage mit dem Wehrbau in Magwitz.

Heute ist an der Stelle nur ein Restteich mit unregelmäßiger Böschung zu erkennen. Da auf den Meilenblättern westlich des Teiches ein Vierseithof eingezeichnet ist, könnte es sich aber auch um die Reste eines Gutsteiches handeln.

Reuth (Neumark) im Kursäsischen Meilenlatt (berliner Exemplar) um 1800

Reuth (Neumark)

Es wird vermutet, dass das 1441 indirekt erwähnte Rittergut (zu der rewt) auf einer älteren Bühlburg erbaut wurde. Erich Wild gibt einen Durchmesser von 30 bis 40 m für das runde Kernwerk an. In den Messtischblättern von um 1800 ist die Wallinsel und der umlaufende Graben gut zu erkennen. Hier beträgt der Durchmesser der Insel 37 bis 40 m. Der Graben ist unregelmäßig eingezeichnet. Auf der Südostseite scheint er mit 12 m Breite noch im ursprünglichen Zustand erhalten zu sein. Eine Baumreihe könnte hier auf einen ehemaligen Wall vor dem Graben hindeuten. Im Messtischblatt von vor 1945 ist der nördliche Teil des Grabens bereits verfüllt. 1959 wurden weitere Verfüllungen vorgenommen, sodass heute gar kein Graben mehr zu sehen ist.

Die Stauteiche im Umfeld des Rittergutes geben einen Hinweis auf die Lage der Befestigung in der Niederung des Aubachs.

Erich Wild erwähnt 1941 (Sachsens Vorzeit, 4 Jahrgang 1940, Seite 83 f.) fast beiläufig: „Das alte Herrenhaus ruht auf versteinten Pfahlrosten.“

Reuth (Weischlitz)

Reuth (Weischlitz) by Martin Salesch 2026

Reuth (Weischlitz)

Aus den Aufzeichnungen des Reuther Ortsrichters Johann Georg Hofmann (geb. 1773, gest. 1858) geht hervor, dass das Alte Schloss „ein großes, massives, steinernes Gebäude ohne sonderliche Bauart, einer großen Scheune am ähnlichsten, mit zwei Giebeln, rund herum vom Wallgraben umgeben, ohne Befestigung und Spuren früherer Befestigung [war]. Nur am Kleinodgarten war ein Stück Mauer. […] Wo jetzt am alten Brauhaus der Wassertrog steht, lief eine steinerne Berücke herüber. Die Haustür oder vielmehr das Haustor war über 2 Ellen [1,2 m] breit, ganz gewöhnlich. Man gelangte durch dasselbe in das Parterre, in welchem sich […] der Pferdestall […,] der Keller [… und] die sogenannte Bedienstube [befanden]. Am Ende des gepflasterten Vorhauses führte eine große 3 bis 4 Ellen breite [knapp 2 m], hölzerne Wendeltreppe hinauf in den ersten Stock. Die Wendeltreppe bis unter das Dach mussten die Fröhner allemal zu Weihnachten scheuern, worüber sie oft geseufzt haben mögen. Im ersten Stockwerk herrschte dieselbe Abteilung, und es ist bei der Größe des Schlosses nur wahrscheinlich, dass die Zimmer so groß wie Scheunentennen waren, da sich nach des alten Richters Aussage in jedem 30 bis 40 Paare hätten bequem herumdrehen und auch tanzen mögen und in denen der Ofen eine kleine Stube bildete und jährlich Summen von Klafterholz verschlang, welches die Fröhner für den Gebrauch des Gutes zu machen hatten. Im ersten Stock befanden sich […] des Herren Schlafstube, die Küche, das Apartment, die Herrenstube. Im zweiten Stock bildete die Grüne Stube, die Treppenstube, die Gelbe Stube (neben welcher wieder Apartments), die Rote Stube (in welcher am 4.2.1702 des Herren Kind Caroline Helene von Schönfels getauft wurde). Unter dem Dach befand sich die Hechelkammer, der Taubenschlag, eine große Vorratskammer mit runden Fenstern [und eine weitere] Vorratskammer.

Das alte Schloß wurde unter dem Amtshauptmann Carl Heinrich August von Schönfels […] im Jahr 1800 niedergerissen und ihm gegenüber jenseits des Walles das gegenwärtige neue Schloss a la Fontainebleau mit einem ungeheuren Kostenaufwand errichtet. Dabei ist das gesamte Steinwerk des alten Schlosses restlos verbaut worden, so dass heute in dem vom Wal umschlossenen Gartenland auch nicht ein einziger großer Stein zu finden ist.“ (zitiert nach Pfarrer Ferdinand Maximilian Germann: Chronik von Reuth, um 1850).

Der heute ganz eingeebnete Bühl maß etwa 41 m im Durchmesser und war von einem ca. 9 m breiten Graben umgeben. Die steinerne Brücke befand sich auf der Nordostseite, wo sich auch der Wirtschaftshof befand. Auf dem Bühl stand das alte Schlossgebäude der Größe 20 x 25 m, das im Erdgeschoss in der Mittelachse einen 6 m breiten Flur mit Wendeltreppe und auf jeder Seite zwei Räume á 9 x knapp 10 m aufwies. Aus den Meilenblättern ist zu erahnen, dass es einen Wall außerhalb des Wehrgrabens gab.

Westlich der Anlage steht die 1869 erbaute Kirche, die als „vorher alte Wehrkirche“ bezeichnet wird. Hier gab es einen weiteren Teich und das Pfarramt. Im Süden stand ab 1800 das Neue Schloss. Im Norden ist neben dem Wirtschaftshof die „Dorflinde“ eingetragen.

Nach Ansicht von Johannes Richter datiert die Ersterwähnung des Ortes Reuth (zu der Rewte) auf das Jahr 1418. Da es mehrere Ortschaften dieses Namens gibt ist eine Zuordnung schwierig. Es muss aber auf eine Ortsgründung vor Mitte des 13. Jahrhunderts ausgegangen werden.

Im Kursäcsischen Meilenblatt (Berliner Exemplar) von um 1800 ist die Insel mit festem Haus und Brücke gut zu erkennen. Heute ist nur noch die palnierte Fläche und ein steiler Hang an Süd- und Westseite erhalten.

Rodersdorf

Rodersdorf by Martin Salesch 2026

Rodersdorf

Im Jahr 1266 verkauften Erkenbert von Strassberg und seine Söhne Besitz in Rodersdorf. Dies ist zugleich die Ersterwähnung des Ortes. Im Jahr 1419 werden zwei Vorwerke erwähnt, die aus dem Besitz des Burggrafen von Nürnberg an die Brüder Röder gingen. Diese beiden Vorwerke werden später als Rittergüter und in den Meilenblättern als Schlösser verzeichnet. Direkt am unteren Schloss zeigen die Meilenblätter eine etwa 28 x 25 m großen Struktur mit acht in Art einer Allee gepflanzten Bäumen. Ein Wassergraben umgibt diese inselartige Struktur. Er ist auf der West- und Ostseite jeweils 8 m breit, auf der Nord- und Südseite 6 m. Die rechteckige Struktur scheint von einer Mauer eingefasst zu sein.

1937 führte Amandus Haase auf der damals zum überwiegenden Teil schon eingeebneten Fläche eine 3,5 m lange und 0,7 m breite Schürfung durch. Unter modernen Füllschichten fand er in knapp 1,1 m Tiefe eine dünne humose Schicht und darunter Lehm. Aus der Humusschicht konnten zwei Scherben „aus frühdeutscher Zeit“ geborgen werden. Haase deutete dies als Beleg für die Bühlburg, die dann aber weiter südlich gelegen haben müsste. Die humose Schicht zeigt allerdings nur, dass ein künstlich aufgeschütteter Wehrhügel an der Schürfstelle nicht vorhanden ist. Ein umlaufender Wall war nirgends zu sehen.

In Lage, Form und Art erscheint der gesamte Bereich am unteren Schloß eher auf eine Parkanlage des 18. oder 19. Jahrhunderts zu deuten, als auf eine mittelalterliche Befestigung.

Zeichnung by Amandus Haase 1937

Auf der Zeichnung von Amandus Haase ist die Lage der kleinen Schürfung auf der freien Fläche südlich der ehemaligen Rittergutsgebäude zu sehen. 1937 war noch ein Teil des Teiches erhalten. Der Profilschnitt zeigt in 1,0 bis 1,2 m Tiefe über dem anstehenden Lehm eine dünne humose Schicht erkennbar war. die in stehendem Wasser gebildet worden sein kann. Ob es sich dabei um den Grund eines Wehrgrabens, den Teich einer neuzeitlichen Gartenanlage oder Ablagerungen in einer natürlichen Senke handelt kann nicht entschieden werden. In dem sehr kleinen Grabungsschnitt waren keine Anzeichen auf eine künstliche Anlage (beispielsweise in Form von Grabspuren im Anstehenden) zu erkennen. Leider hat Amandus Haase zumeist nur ganz kleine Ausgrabungen durchgeführt, die kaum die Möglichkeit einer sicheren Aufnahme und Aussage zulassen.

Rodewisch

Rodewisch by Martin Salesch 2025

Rodewisch

Im Vorfeld der Neugestaltung der Rodewischer Stadtparkanlage fanden im Jahr 1937 archäologische Untersuchungen des Landesamtes für Denkmalpflege (Leitung Hans Nadler) auf dem Gelände des ehemaligen Rittergutes Obergöltzsch statt. Da die älteste erhaltene Baustruktur, das sogenannte Schlösschen, im 16. Jahrhundert errichtet worden war, eine Ersterwähnung der Burg jedoch schon aus dem Jahr 1450 vorliegt und die Ortsgründung noch älter anzusetzen ist, wurden im April 1937 auf einer Freifläche in der Nordwestecke der Schlossinsel Suchschnitte angelegt. Als Grundmauern dabei zum Vorschein kamen, wurde unter Einsatz des Reichsarbeitsdienstes eine großflächige Ausgrabung durchgeführt. Dabei konnte der vollständige Grundriss einer Burganlage freigelegt werden.

Die annähernd quadratische Anlage misst 20,1 x 21,7 m. Die Außenmauern aus Bruchsteinen sind bis zu 1,25 m stark (Zweischalenmauer mit Lehm-/Bruchstein-Füllung). Die Anlage wird von einem etwa 6 m breiten Graben und einem etwa 12 m breiten Wall eingefasst. Der Wall ist auf der Nord- und Westseite bis etwa 3 m über dem normalen Wasserspiegel noch gut erhalten. Der Zugang erfolgte von Osten, wo sich am heutigen Standort des Schlössel eine Vorburg befunden haben dürfte. Hier konnte durch in situ liegende Schwellbalken eine Zugbrücke nachgewiesen werden.

Besonders auffällig ist die Insellage der Burg in der Mitte des Göltzschtales nahe der Einmündung des Eulenwassers. Außerhalb des Walles war die Göltzsch teichartig aufgestaut. Eine Holzröhre verband die Wasserflächen miteinander.

Auf dem Burgareal gab es in der Südostecke einen 38 m2 großen Hof. Auf der Nord- und Westseite standen Gebäude, die zum Teil unterkellert waren. Aus dem Graben konnten zahlreiche Funde geborgen werden, die das Leben auf der Burg gut illustrieren können: „Geschirr und Gläser, Holzlöffel und -schalen, Waffen, Reitausrüstung bis hin zu Angelhaken und Spielzeug. Zu den bemerkenswertesten Stücken zählt dabei das bekannte Igelgefäß aus westsächsischem Steinzeug […]. Auch das eiserne Vorhängeschloss mit dreieckigem Schlosskörper gehört zu den seltenen Bodenfunden [… 16./17. Jahrhundert]. Zwei ankerkreuzförmige Anhänger sind wahrscheinlich Teil des Reitzubehörs […]. Dass man auf der alten Burg Göltzsch durchaus auch zu leben wusste, bezeugen zahlreiche Feldflaschen, die wie das Igelgefäß ebenfalls aus westsächsichem Steinzeug bestehen und sich in die Zeit vom frühen 15. Jahrhundert bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts datieren lassen.“ (Bundszus).

Hans Nadler datiert die von ihm dokumentierten Mauern in die Zeit des Landesausbaus gegen Ende des 12. Jahrhunderts. Es dürfte aber schon vorher eine Siedlungstätigkeit gegeben haben, von der vor allem Keramikfunde in der Wallschüttung zeugen. Die Grundmauern an der West- und Nordseite der Burganlage wurden als eingewölbte Keller der Wohngebäude interpretiert. Hierfür sprechen die Türöffnungen, Türangeln und Teile des Fußbodenbelages. „Da aus allen Kellerräumen mit Ausnahme eines die besten Bodenplatten herausgerissen waren, können wir schließen, dass die Burg abgebrochen wurde.“ (Nadler Seite 244 f.).

Anhand der im Graben aufgefundenen Gerätschaften betrachtet Hans Nadler die Räume auf dem Nordflügel als die eigentliche Wohnstätte. Hier wurden Nähnadeln, Zwirn, Stecknadeln, Fingerhüte, Fingerringe und Edelsteine dokumentiert. Auf der Westseite waren hingegen vornehmlich Küchenutensilien zu finden, wie Holzlöffel, Quirle, Tiegel, Knochen, Messer, Gewürznäpfe.

Ein Suchschnitt im Vorburgbereich ergab den Grundriss eines rechteckigen Steinfundamentes (30 cm stark in Lehm versetzt), das mit einer 30 cm starken Ausgleichschicht geglättet war und somit ein Fachwerkbau getragen haben dürfte.

Ruine Stein

Ruine Stein by Martin Salesch 2026

Ruine Stein

„Die Burg ist, nach den Trümmern zu urteilen, nicht groß und bedeutend gewesen, aber wie angenehm muss man hier gewohnt haben!“ (Christian Gottlob Wild 1816).

1327 wird die Ruine Stein als munitio lapis in zwei Urkunden erwähnt, die die Lehnshoheit der böhmischen Könige über die Herrschaft Plauen behandeln. 1329 ist sie allerdings im Besitz Heinrich von Machwitz bezeugt (Heinrius de Machwicz dictus de lapide).

Die Anlage der Talsperre Pirk veranlasste 1937/38 eine archäologische Ausgrabung durch Amandus Haase, da die Ruine als touristische Attraktion in die Nutzung der Talsperre und ihres Umfeldes eingebettet werden sollte. Leider wurden (soweit wir wissen) die im Vogtlandmuseum Plauen bewahrte Grabungsdokumentation und wohl auch ein größerer Teil der Funde im Zweiten Weltkrieg zerstört. 1959 fertigte Udo Schwalm für das Landesdenkmalamt einen detaillierten Grundriss mit erläuternden Eintragungen an.

In einem 1939 veröffentlichten Bericht unterscheidet Amandus Haase zwei Bauphasen, die er „nicht vor dem 14. Jahrhundert“ und „in der Mitte des 14. Jahrhunderts“ datiert. Gerhard Billig datiert die zweite Bauphase hingegen in das 15. Jahrhundert.

Die Burg befand sich am steilen Elsterhang (heute Stausee) auf einem vorspringenden Sporn, der nach Südwesten und Südosten durch einen 4 bis 6 m breiten Graben gesichert war. Amandus Haase erwähnt noch einen weiteren Graben, der jedoch nicht im Gelände zu ermitteln ist. Die trapezförmige Kernburg umfasst etwa 300 m2.

Zur ersten Bauphase zählt Haase einen kleinen Rechteckbau und einen halben Rundturm von 5,6 m Durchmesser und 0,9 m breitem Bruchsteinmauerwerk. Zwei Stufen eines Treppenansatzes deuten laut Haase auf eine Wendeltreppe. Zudem konnte er einen Fußbodenbelag aus Flusskieseln feststellen. Bei dieser Interpretation ist allerdings Vorsicht geboten, zumal eine Türöffnung in Erdgeschossniveau außerhalb der Befestigung eingezeichnet ist. Die Mauerstärke spricht gegen ein höheres Gebäude. Wahrscheinlich handelt es sich nur um einen rundlich gebogenen Mauererlauf.

Die zweite Bauphase ist nach Haase eine Erweiterung durch die bis 1,25 m breite Umfassungsmauer aus in Lehmmörtel verlegten Bruchsteinen. Erst in diese Bauphase datiert er auch die in den Felsen eingeschlagenen Gräben, deren innerer von einem 4 bis 5 m breiten Wall umfasst wird.

Das etwa 2 bzw. 3 m von der Mauer freistehende Hauptgebäude aus 1,25 bis 1,45 m dickem Bruchsteinmauerwerk in Kalkmörtel bildet einen 14 x 8,7 m großen Grundriss. Es besteht aus zwei Räumen (6,3 x 6,1 m bzw. 4,6 x 6,1 m), dessen kleinerer mit einem tonnengewölbten Kellerraum versehen war. Während der Fußboden im kleineren Raum mit Steinen und flachen Ziegeln bedeckt war, fanden sich im größeren Raum Hinweise auf einen Holzfußboden. Der größere Raum weist einen Außenzugang auf der Westseite, drei Fenster und einen Zugang zum kleineren Raum auf. Der Kellerraum war vermutlich auf der Westseite von außen zugänglich. Die Mauern des Hauptgebäudes sind dick genug um ein höheres Gebäude getragen zu haben.

Interessant ist ein Abflusskanal aus der abgerundeten Nordwestecke des kleineren Raumes, der eine natürliche Felsspalte nutzt. Er war im Raum mit Steinplatten und außerhalb mit Ziegelgewölbe abgedeckt. Seine Funktion ist unklar. Gerhard Billig vermutet, dass sich hier zunächst der Zugang zur Burg befand, der in der zweiten Bauphase zum Abfluss der Küche umgebaut wurde. An das Gebäude schließt sich im Norden ein aus Ziegeln gebauter Ofen an (1,3 x 1,7 m groß mit einem 0,3 x 1,1 m messenden Innenraum). Kanal und Ofen deuten auf eine wirtschaftliche Nutzung der Kernburg, was ungewöhnlich ist. Gerhard Billigs Interpretation als Küche mit Ausguss und Hinterladerofen für Wohnzwecke kann nicht überzeugen, da beide Anlagen für die zivile Nutzung des Haupthauses viel zu aufwendig wären. Vielmehr deutet auch die von Haase als Turm 2 angesprochene Mauerrundung im nördlichen Bereich der Burg auf ein technisches Gebäude, das wohl am ehesten (vor allem aufgrund seiner gerade ausgeführten Nordseite) als Backofen gesehen werden könnte. Brandspuren wurden hier jedoch nicht festgestellt. Zudem spricht der Fußbodenbelag aus Flusskiesel dagegen.

Zur zweiten Bauphase gehören laut Haase noch zwei Rundtürme mit 3,3 m bzw. 3,9 m Durchmesser. Ihre Bruchsteinmauerwerke in Lehmmörtel messen lediglich 0,5 m bis 0,7 m, sodass die mit Flusskieseln gepflasterten Innenräume 2,0 bzw. 2,9 m messen. Der kleinere Turm befindet sich an der Westseite der Kernburg, wo eine Freifläche vermutet wird. Der größere Turm befindet sich am äußeren Rand des Wallgrabens. Von ihm geht eine 0,5 m breite Mauer ab, die als äußere Brustwehr auf dem Wall gedeutet werden muss. Hier vermutet Haase auch den Eingang zur Kernburg, die er in verkohlten Hölzern im Graben zu erkennen meint. Doch auch diese Mauerzüge dürften kein höheres Gebäude getragen haben.

Auf der Grabensohle befand sich eine 0,2 bis 0,25 m dicke Brandschicht mit Keramikscherben des 14. und 15. Jahrhunderts, viele Tierknochen (zum Teil noch im Verband, sogar drei Skelette von Pferd, Kalb und Hund), drei Armbrustbolzen, die Bolzenspitze einer Wurfmaschine (Blide) und ein Stilett. Oberhalb der Brandschicht lag eine 0,05 bis 0,15 m hohe Lehm- und Humusschicht mit Material des 15. bis 17./18. Jahrhunderts, darunter Ofenkacheln, Nägel, Türhaspeln, Türbänder, Kettenglieder und vielen anderen mehr. Ein Abfallhaufen im südwestlichen Knick des Grabens erbrachte zahlreiche Knochen und Gräten, sowie aus Knochen hergestellte Scheiben, Griffe und Pfeifen, dazu Spinnwirtel, Stecknadeln, Fingerhüte aus Bronze, ein Anhängsel, eine Perle aus Bein und zahlreiche Keramikscherben.

Nach G. Billig weisen die Befunde auf eine Kampfhandlung im 15. Jahrhundert. Daraus ergibt sich allerdings die Frage, ob das Hauptgebäude der zweiten Bauphase, das ohne Brandspuren, allerdings mit Reparaturspuren versehen ist, erst nach der strategischen Nutzung entstanden ist. Bis ins 18. Jahrhundert war Ruine Stein bewohnt und wurde als Wirtschaftshof genutzt. Die fortifikatorischen Elemente der Ruine Stein sind gering. Die stärkste Mauer aus 1,45 m breitem Bruchsteinverband in Kalkmörtel ist das Hauptgebäude der zweiten Bauphase. Wehreinrichtungen, wie Schießscharten und besonders gesicherten Zugängen gibt es nicht. Schutz gewährt eigentlich nur der Graben. Die runden Türme sind aus auffällig schwachem Mauerwerk gebaut. Auch die Umfassungsmauer ist mit 0,9 m Dicke nicht sehr stark. Zudem sprechen auch die handwerklichen Einrichtungen gegen eine Wehrfunktion. Die Befunde der Ruine Stein geben also eher die Nutzung als Vorwerk wieder, die hier schon mit der zweiten Bauphase im 15. Jahrhundert gleichgesetzt werden soll. Aber auch die ältere Bauphase des 14. Jahrhundert erweckt nicht den Eindruck eine primär auf Wehrhaftigkeit ausgerichteten Anlage. Vielmehr scheint die Kontrolle über die östlich in etwa 120 m Entfernung ins Elstertal hinabführenden Verkehrswege Aufgabe der Anlage gewesen zu sein.

Gerhard Billig ordnete 1995 das (wohl mehrstöckige) Hauptgebäude der ersten Bauphase zu, im Vergleich mit dem festen Haus in Dölau. Auch Graben und Umfassungsmauer (mit Wehrgang) setzte er in diesen Zusammenhang, wobei nicht der gesamte Felssporn von der Anlage eingenommen wurde. Den Zugang sah er über die etwa 2 m breite Felsspalte im Norden (den späteren Abwasserkanal) vom Elstertal aus. Einen zugehörigen Wirtschaftshof stellt sich Gerhard Billig unterhalb der Burg vor. Die zweite Bauphase wäre nach seiner Interpretation eine Erweiterung nach Norden und Westen, sowie der Mauer mit (dem zuvor von ihm abgelehnten) Turm auf dem Wall im Süden. Den Zugang setzt er wieder an die Nordostecke und bringt dafür in den Fels geschlagene Stufen ins Spiel, die Amandus Haase noch dem vermeintlichen Rundturm als Wendelstein zugeordnet hatte.

Wie schon Gerhard Billig feststellte, ist eine nachträgliche Überprüfung der Grabungsergebnisse schwierig. Nicht nur, weil Dokumentation und ein Großteil der Funde fehlen, sondern auch weil die Aufmessung durch Udo Schwalm 1959 nicht steingerecht erfolgte und die Baureste bei der Restaurierung 1939 zum Teil ergänzt und zum Teil (aufgrund einer Gefahr durch Erosion) beseitigt wurden. Zudem kam es 1969 zu weiteren Veränderungen, nachdem Beschädigungen am Mauerwerk durch einen Vollstau der Talsperre verursacht worden waren.

Die Keramikscherben und Ofenkacheln, die ohne Nennung des genauen Fundzusammenhanges im Vogtlandmuseum lagern, können vom 18. Jahrhundert bis in das 14. Jahrhundert hinein datiert werden, vielleicht sogar bis ins späte 13. Jahrhundert. Ruine Stein dürfte nicht lange vor der Ersterwähnung im Jahr 1327 entstanden sein. Gerhard Billig verbindet sie mit der Konkurrenz der Plauener Vögte zu den Voigtsbergern (ehemals Straßbergern) in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts.

Ruine Stein by Martin Salesch 2026

Sachsgrün

Sachsgrün in Poenicke Rittergüter um 1860

Sachsgrün

„Das Kirchdorf Sachsgrün, wohl von den im 13. Jahrhundert im Vogtland begüterten adeligen Familien Sack gegründet und nach ihnen benannt, war außerhalb des alten Schlosses, das im Jahr 1854 in sich zusammenstürzte, mit einem dreifachen Wassergraben umgeben, von dem noch größere Reste vorhanden sind.“ Dies berichtet Oberlehrer Völker aus Oelsnitz, Vertrauensmann der Königlich Sächsischen Kommission zur Erhaltung der Kunstdenkmäler 1909 (Kommissionsberichte Band 1909/11).

1325 werden die Brüder Cunrat, Nyclas und Wolfram von der Grun erwähnt, die einem Zweig der Familie Sack angehörten und im Dienst der Vögte von Weida, Gera und Plauen standen. 

Wie in Geilsdorf gab es auch in Sachsgrün mehrere Stauteiche hintereinander, die vom Feilebach befüllt wurden. Im Teich westlich der Kirche befand sich eine quadratische Insel mit 35 m langen Seiten. Der Teich übernahm die Funktion eines 15 m breiten Wehrgrabens und war noch von einem Wall umgeben. Ein weiterer, etwa 20 m breiter Graben schloss die Kernburg und den südöstlich gelegenen Wirtschaftshof ein.

Auf der Kernburginsel lag der 11 x 11 m große Turm nicht in der Mitte, sondern auf der Nordseite. Er wurde später dreiseitig umbaut. Dies geht aus alten Abbildungen hervor, die als einzige Zeugen des komplett abgebrochenen Rittergutes Zeugnis geben können. Die zugeschüttete Teichanlage der Kernburg ist nur noch als Bodensenke zu erkennen.

Nach dem Einsturz der Gebäude 1854 entstand zwischen 1858 und 1859 ein Neubau, der 1936 zum Schulhaus umgebaut und als solches bis 1952 betrieben wurde.

Schönberg

Schönberg by Martin Salesch 2025

Schönberg

„Der Turm des Schönberger Schlosses, welcher immer drei Stockwerke übereinander Gewölbe hatte und dessen Mauern zwei Meter stark aus Granitsteinen erbaut sind, muss früher frei gestanden haben, wie ein paar Granitträger an der Westseite zeigen. Ein Wallgraben von 15 bis 20 m Breite hat diesen Turm und einen späteren nördlichen Anbau umgeben und es sind Reste davon noch sichtbar. In einer gewölbten Tür findet sich die Jahreszahl 1550 über der Haustür 1563.“ (Freifrau von Reitzenstein 1901).

Der Ort Schönberg wird 1298 als Herrensitz eines Zweiges der Herren von Haslau erwähnt, deren Stammsitz die nur etwa 5 km entfernte, 1224 gegründete Burg Haslov war. 37 Jahre zuvor (1261) einigten sich die Vögte von Weida, Plauen und Gera mit dem Pfalzgrafen Ludwig, „in monte, qui dicitur Schoninberch“ keine Befestigungsanlage zu errichten. (Wir fügen ferner hinzu, dass wir weder auf dem Berg namens Schonenberch noch an anderen nahegelegenen oder gleich nahegelegenen Orten, Ebenen oder Bergen noch irgendwo innerhalb der Grenzen namens Egerland selbst keine weiteren Lager oder Befestigungen errichten, noch werden wir zulassen, dass dies von anderen aus unseren Reihen getan wird. / Urkundenbuch der Vögte von Weida, Gera und Plauen Nr. 121).

Wie in Sachsgrün und Geilsdorf, die ebenfalls als Kern der Befestigung einen Wehrturm aufweisen, so steht auch in Schönberg die Burganlage mit großem Wirtschaftshof in Zusammenhang mit der benachbarten Kirche als Eigenkirche (mit grundherrlichen Rechten). Der Wehrturm wird in der Literatur zumeist auf 1485 datiert, wobei es dafür keine Belege gibt. 1485 erwarb die Familie von Reitzenstein das Schloss. Der quadratische Turm hat Seitenlängen von 9,5 m. Nur das oberste Geschoss wurde (nachträglich) als Achteck ausgeführt. Die Kernburg dürfte eine Grundfläche von knapp 1.000 m2 gehabt haben. Sie war komplett von einem teichartig aufgestauten Graben umgeben.

Es ist davon auszugehen, dass der schlossartige Ausbau im 16. und 17. Jahrhundert auf den Grundmauern der Burg errichtet wurde und dadurch einen gedrungenen Charakter erhielt.

Schöneck

"Alter Söll" by Martin Salesch 2025

Schöneck

Ein Herrschaftssitz in Schöneck wird 1225 erstmals urkundlich in indirekter Form (Albertus de Schoenegge) erwähnt. Eine befestigte Anlage wird 1327 als „castrum Schoeneneck“ bzw. „castrum Schonek“ bezeichnet (B. Schmidt UB I, 611 und 613). Die Vögte von Plauen vereinbarten in dieser wichtigen landesherrlichen Urkunde eine Lehnsauftragung mit dem König von Böhmen. Neben Schöneck werden Liebau, Gansgrün, Planschwitz, Stein, Türbel und Gattendorf aufgeführt. 1370 erhielt der Ort Schöneck das Stadtrecht durch Kaiser Karl IV., König von Böhmen.

Eine Burganlage ist allerdings schon vor 1200 durch die Herren von Weida anzunehmen.

Der „Alte Söll“ ist ein steil aufragender Felsen aus Grauwackenquarzit (etwa 50 m lang und 15 m breit, Lage 735 m über NN). Er gehört zu einer geologischen Formation, die sich von Erlbach bis Auerbach in zahlreichen Linsen an der Erdoberfläche zeigt. Auch die Befestigungen in Falkenstein und Auerbach stehen auf solch einem Riffzug.

Allerdings ist der Platz auf dem „Alten Söll“ für eine Burg nicht groß genug, auch wenn es nach der Zeichnung von Dillich (von 1628/1629) so ausschaut, als würde auf dem Felsen eine größere Anlage mit hohem Rundturm und zwei weiteren Gebäuden (wohl Ruinen) stehen. Der Turm wurde nach Beschädigungen im Dreißigjährigen Krieg teilweise abgebrochen. 1765 verschwand er ganz. Der in der Urkunde von 1327 verwendete Begriff „castrum“ verweist zwar auf einen herrschaftlichen Baukomplex, doch mehr als der Turm wird auf dem „Alten Söll“ nicht gestanden haben. Vielmehr gibt es die Vermutung (z. B. von Fritz Alfred Zimmer 1927, Seite 95), dass die Kernburg auf dem benachbarten Felsen etwa 40 m weiter nördlich angesiedelt war („Sonnenwirbel“, heute Standort des Rathauses). Es sind allerdings keine Reste obertätig sichtbar, um diese These zu verifizieren. Nur die Geländesituation spricht dafür und die Höhenlinien, die einen verfüllten Halsgraben vor dem neuen Rathaus vermuten lassen.

Die Annahme, dass ein Wirtschaftshof westlich des Felsens vor der St. Georgskirche bestanden hat, wird erstmals von Ernst Pietsch geäußert (Die Entstehung der Städte 1922, Seite 92). Er begründet dies mit der Bezeichnung „Schloss“ für das alte Amtshaus und „Kammergut“ für das benachbarte Forsthaus. Bis 1554, als „Kammergut“ gegen Zins an die Bürger der Stadt Schöneck aufgeteilt wurde, gehörten beide Gebäude zum „Burggut“. Das Problem dieser Zuweisung ist allerdings, dass das von Ernst Pietsch in seiner Karte eingezeichnete Burgareal um den „Alten Söll“ herum außer einer Ummauerung keine Befestigung ermöglicht, eine Verteidigung sogar erschweren würde.

Die Burg wurde in den Wirren des Schmalkaldischen und Dreißigjährigen Krieges (1546 bzw. 1632) stark beschädigt und 1761 im Siebenjährigen Krieg endgültig zerstört.

Srassberg

Strassberg by unbekannt, wohl 1950er Jahre

Strassberg

In Straßberg durchschnitt der Eisenbahnbau 1873 oberhalb des Rosenbaches (Kirchpöhl) ein Reihengräberfeld, das anhand der Funde (Schläfenring aus Bronze mit Silberspuren) einer slawischen Bevölkerung des 10./11. Jahrhunderts zugeordnet wurde.

Mit den Brüdern Ekkehard und Heinrich von Straßberg wird 1194 der Stammsitz der Straßberger Vogtsfamilie erstmals indirekt erwähnt. Es wird angenommen, dass eine entsprechende Burg im 12. Jahrhundert angelegt wurde. Sie wird auf einem schmalen Bergrücken an der Weißen Elster lokalisiert. Diese Burg wird im Jahr 1280 bereits als wüst (castrum destructum) bezeichnet. Eine Urkunde aus dem Jahr 1284 benennt eine dem Deutschen Orden unterstehende Kapelle zu Strassberg auf einem „die Burg“ genannten Hügel (Sächsische Kirchen-Galerie XI, Seite 184). Im Amtsbuch von 1506 erscheint der Flurname "burgkstodel". An ihrer Stelle entstand 1576 die Joachim von Reibold zugeschriebene Kirche.

Östlich des Kirchhofes zeichnet sich ein tiefer Graben im Gelände ab, der die Spornspitze vollständig vom Bergrücken trennt. Dieser 15 bis 18 m breite Graben ist einer Befestigung zuzuordnen und, da er zum Teil vom Kirchhof überbaut ist, älter als dieser. An der Spornspitze existieren noch Mauerreste, die ebenfalls vor den heutigen Kirchenbau zu datieren sind.

Über die Struktur der Straßberger Burg sind kaum Aussagen möglich. Die Fläche der abgetrennten Spornspitze ist ungefähr 1.800 qm groß. Etwa in der Mitte des Bergrückens deuten Geländestrukturen auf eine Brücken- und Torsituation, die dem Zugang zur Spornspitze über den breiten Graben diente. Ungünstig für die Befestigung ist die etwa 8 m über dem Sporn gelegene Kuppe des Bergrückens. Dies mag der Grund für die Breite und Tiefe des Grabens sein. Gerhard Billig nimmt an, dass ungefähr 230 m östlich ein weiterer Graben zur Sicherung des Burggeländes bestanden hat. Der östliche Graben wird in den Meilenblättern als Schindgraben aufgeführt. Dies war eine Bezeichnung für abseits gelegene Gräben, in denen Tierkadaver entsorgt wurden. Der Begriff könnte sich aber von "Schildgraben" verschliffen sein. Der Graben, der heute als Straße genutzt wird, soll ursprünglich sehr tief gewesen sein.

Amandus Haase führte 1940 Sondierungen auf dem Bergrücken durch. Dabei stieß er am nördlichen Hang auf Pfostenlöcher, die er als Palisade interpretierte. Auch am östlichen Graben fand er Pfahllöcher, die hier wohl zur Stabilisierung einer in Lehm gesetzten Steinmauer dienten. Am Westhang, der steil zur Weißen Elster abfällt, deutete Haase ortsfremdes Gestein als Reste eine Befestigung auf dieser Seite. Da Haase nur obeflächennahe Schürfungen durchführen konnte, bleiben seine Beobachtungen allerdings fragwürdig.

Das Gelände zwischen den beiden Gräben ist für eine Vorburg allerdings ungewöhnlich groß und hätte trotz steiler Hänge einen enormen Personalaufwand zur Verteidigung gebraucht.

Die Drohnenfotos von August 2026 lassen im Bewuchs des großen Feldes eine deutliche Struktur in dunkelgrüner Farbe erkennen. Hier sind die Futterpflanzen auf einer 7  bis 10 m breiten Fläche deutlich besser gewachsen. Ein Grund dafür könnte eine Vertiefung im Boden sein, die im extrem trockenen Sommer die Feuchtigkeit länger hielt. Hypothetisch soll hier ein Verteidigungsgraben angenommen werden, der die Straßberger Vorburg auf ein angemessenes Maß reduzieren würde. Spekulativ ist die Vermutung eines runden Turmes auf der höchsten Stelle des Bergrückens. Hier zeichnet sich im Drohnenfoto eine rundliche Struktur mit trockenen Bewuchs ab.

Thoßfell

In Thoßfell wird auf dem Gelände des ehemaligen Rittergutes eine Bühlburg angenommen. Doch ist „die genaue Stelle des ältesten Herrensitzes […] im ehemaligen Rittergutsgelände nicht mehr festzustellen.“ (Werte unserer Heimat, Band 44, 1986, Seite 94). Eine Urkunde von 1294 verzeichnet als Zeugen den Ritter (miles) Henricus de Thossenvelle (Urkundenbuch der Vögte von Weida, Gera und Plauen, Nr. 285).

1972 wurden bei Bauarbeiten am Herrenhaus Scherbenfunde gemacht, die Klaus Söllner nach einer Expertise von Volkmar Geupel und Gerhard Billig dem 14. und 15. Jahrhundert zuordnete.

Treuen

Treuen by Martin Salesch 2026

Treuen

Die Siedlung Treuen tritt unter der Bezeichnung „Druhen“ 1328 das erste Mal in den Schriftquellen auf. 1329 steht das „castrum dictum Drewen“ in einer Urkunde Kaiser Ludwigs im Mittelpunkt. Heinrich, Vogt von Plauen (advocato de Plawen) wird aufgrund seiner Treue mit einer Befestigung (Burg) belehnt: Wir wünschen uns sehr, dass jene, die es verdienen und die sich nicht scheuen, ihre Person, ihre Sachen und Güter zu jeder Zeit und an jedem Ort zu unserer Ehre und der Ehre des Reiches einzusetzen, bald und reichlich Trost von unserer rechten Hand als angemessene Belohnung erhalten. […] Und in diesem Sinne übertragen, gewähren und überlassen wir Ihnen die Burg namens Drewen, die bekanntermaßen von uns und dem Reich als Lehen stammt, als edles und gerechtes Lehen durch unsere besondere Gnade, damit Sie, durch unsere Autorität und die des Reiches, insbesondere mit Zustimmung und Einverständnis der Vasallen desselben Reiches, ein Lehen an alle anderen vergeben können, die dieselbe Burg von uns oder dem Reich als Lehen gehalten haben. (Urkundenbuch der Vögte von Weida, Gera und Plauen Nr. 668). Die kaiserliche Burg muss also schon vorher bestanden haben.

In einer Biegung des Flusses Treba (Treuener Wasser) befindet sich im Bereich des Oberen Schlosses in Spornlage eine runde Struktur, die in den Meilenblättern noch gut zu erkennen ist. Dort wird ein Bühl von etwa 19 m Durchmesser angegeben, auf dem Mauerzüge eingezeichnet sind. Ein Graben von ca. 9 m Breite und ein Wall von 8 m Breite umschließen den Bühl. Diese Struktur ist heute aber nur schemenhaft zu erkennen, da Baumaßnahmen im Umfeld des östlich gelegenen ehemaligen Rittergutes starke Veränderungen verursacht haben.

Etwa 60 Jahre (1390) nach der Belehnung des Plauener Vogts mit der Burg Treuen erhielt der Ort das Stadtrecht.

Türbel

Türbel - Fundament des Fachwerkgebäudes by Amandus Haase 1939

Türbel

Aus dem Jahr 1301 findet sich die Ersterwähnung des Ortsnamens in indirekter Form (Eberhard von Tyrbell). Als Zeuge zweier Urkunden (1301 und 1321) ist Eberhard von Türbel im Gefolge der Vögte von Plauen zu identifizieren. Doch schon im Jahr 1314 weist eine Handschrift „Hern Sac den alden von Tyrben“ aus. Die Familie Sack war dann bis zum Ende des 16. Jahrhunderts im Besitz der Feste (munitio) Türbel.

Die Befestigung Türbel befindet sich in Spornlage am Zufluss der Triebel in die Weiße Elster. Sie ist nur etwa 140 m von einer alten Wegtrasse entfernt, die hier das Elstertal quert. 1939 führte Amandus Haase Untersuchungen durch. Dabei stellte er im 25 x 30 m großen Kernbereich eine 17 x 18 m große Hügelaufschüttung (Bühl) fest. Dieser Platz wird von einem 5 m breiten Halsgraben eingefasst. A. Haase erkannte zudem eine größere Vorburg, die sich westlich und südlich anschließt. Gesichert war die Vorburg durch einen etwa 10 m breiten Halsgraben.

Amandus Haase unterschied zwei Bauphasen: Auf dem Bühl stieß er auf einen rechteckigen Grundriss (8 m x mindestens 5 m, die Westwand wurde nicht gefunden) mit Feuerstelle, den er der ältesten Bebauung zuordnete. „Das Mauerwerk ist ungemörtelt, wahrscheinlich Reste eines Fachwerkbaus. In einer Mauerecke lagen ein Bruchstück eines Hufeisens, ein Armbrustbolzen und drei Scherben aus dem 13./14. Jahrhundert.“ Die Vorburg hingegen hielt er für jünger. „Im Schafstall sind Reste eines mittelalterlichen festen Hauses erhalten. Schießscharten, das Tonnengewölbe und der Fluchtgang weisen darauf hin.“ Weitere Gebäudereste der Vorburg, die in gemörtelten Mauern ausgeführt waren, ließen sich keiner Struktur zuordnen. Weil die jüngste Keramik dem 17. Jahrhundert zugeordnet werden kann, ist laut Haase von einer Zerstörung der Burganlage im 30jährigen Krieg auszugehen.

Gerhard Billig führte ab 1952 archäologische Untersuchungen innerhalb der Schafstallruine durch. Zu einer ersten Bauphase, die durch weiße und hellgraue geglimmerte Irdenware vom Ausgräber dem frühen 14. Jahrhundert zugewiesen wird, zählt Gerhard Billig einen kleinen, in den Felsen gehauenen Raum, einen Ofen und ein Gewölbe mit Fluchtgang. Diese Befunde werden überlagert von einer Schicht mit innenglasierter Irdenware des frühen 15. Jahrhunderts, die jedoch mit keinen Baubefunden in Zusammenhang gebracht werden konnte. Eine darüber liegende Pflasterung aus Flusskieseln erbrachte nur wenig Fundmaterial aus der Mitte des 16. Jahrhunderts. Diese dritte Bauphase umfasst nach den Profilen auch die Schafstallruine selbst. Ein Zusammenhang mit der Belehnung des Philipp Sack mit Türbel im Jahr 1541 drängt sich auf. Eine vierte Bauphase der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts oder des frühen 18. Jahrhunderts ist lediglich mit Umbauten verbunden. Dazu zählen Zwischenwände aus in Lehm verlegten Bruchsteinen und ein Ofenfundament. 1632 soll Türbel von kaiserlichen Truppen unter Feldmarschall Heinrich Holk zerstört worden sein.

Am steilen Hang zur Triebel wurden vorgeschichtliche, wohl bronzezeitliche Keramikscherben gefunden.

Der Plan zeigt die Ergebnisse der Haase-Grabung 1939: An der Spornspitze befindet sich der Bühl mit einem als Trockenmauer errichteten (Fachwerk-)Gebäude des 13. Jahrhunderts. Westlich davon vermutete Haase die Vorburg, die durch einen weiteren Graben abgesichert war. In Lage, Größe und Form lassen sich Ähnlichkeiten mit der Ruine Stein feststellen.

Auf einem von Amandus Haase zusammengesetzten Panoramafoto sind das Steingebäude auf dem Bühl und am linken Bildrand der äußere Graben zu sehen.

Weischlitz

Für Weischlitz werden mehrere mittelalterliche Befestigungen genannt, von denen jedoch nur die sogenannte „Schwedenschanze“ gut im Gelände zu erkennen ist. Hier wurden auch archäologische Untersuchungen von Amandus Haase und Gerhard Billig durchgeführt.

Eduard Johnson nennt drei Anlagen bei Weischlitz: Die „Schwedenschanze“ südwestlich von Weischlitz auf einer Bergkuppe (481 m über NN), Mauerreste auf dem Schwaiger nur etwa 200 m südöstlich davon, ebenfalls auf einer Kuppe (466 m über NN) und die Schanze im Lazzenholz nördlich von Unterweischschlitz. Letztere beschreibt Johnson als rechteckigen Felsblock von 8 x 6 m mit 2 m hohen künstlich hergerichteten, fast senkrechten Kanten. Vor den Längsseiten dieser Felsformation befindet sich ein bis zu 3 m breiter Graben, der im Westen aber nochmals etwa 8 m über das Rechteck hinausführt. Insgesamt also eine sehr merkwürdige Konstruktion, die kaum als Befestigungswerk anzusprechen ist und wohl eher das Relikt eines Steinbruchs ist. Heute ist im Gelände nichts mehr davon zu erkennen.

Auch die Anlage auf dem Schwaiger bleibt nebulös. Johnson beschreibt ein 80 m langes Mauerrechteck, dessen Steine zum Bau der nahegelegenen Schäferei genutzt worden sein sollen. Rotgebrannte Steine an der Schäferei und auf dem Schwaiger könnten von einem starken Brand herrühren. Bei Rodearbeiten wurden auf der Kuppe Mauerreste mit zwei Steinstufen entdeckt. Aus ihnen wurde in der Publikation Heimatschutz im sächsischen Vogtland eine „Wehranlage am Schwaiger mit geglühten Treppenstufen“. Im dicht bewaldeten Gelände gibt es keine sichtbaren Spuren.

Der Froschteich befand sich etwa 100 m nördlich des ehemaligen Rittergutes Oberweischlitz in der Elsterniederung direkt an der rechten Hangkante des Flusses. „Der Name stammt von dem wegen des Gehaltes an Fröschen so genannten ehemaligen Graben um den in der Mitte gelegenen Bühl, der jedoch von dem ehemaligen Besitzer zugeschüttet wurde, und zwar mit Erdmassen vom mittelalterlichen Bühl und vom Außenwall.“ (interne Notiz Georg Bierbaum am 5.12.1937). Vor der kompletten Überbauung des Geländes konnte Amandus Haase noch ¾ des 11 m großen Bühls erkennen, aufgrund der Topografie auf eine Grabenbreite von 6 bis 9 m schließen und im Westen Teile des Außenwalls (3 m breit) ausmachen.

Die Lage der Froschteich genannten Anlage am Rand des rechten Elsterufers ließ Amandus Haase auf eine mittelalterliche Warte an einer alten Elsterfurt schließen. Etwa 260 m entfernt am linken Ufer der Weißen Elster soll eine zweite Befestigungsanlage bestanden haben (Zwiezaun genannt), die schon Eduard Johnson in den vogtländischen Altertümern Nr. 86 (1900) beschrieb. Allerdings hatte er diese „Ringwallinsel“ selber auch nur andeutungsweise gesehen, da das gesamte Umfeld im Jahr 1866 umgestaltet worden war. „Trotz der Einebnung ist die Stelle des Walles und Grabens zu Zeiten noch gut erkenntlich. Wenn einige Wochen trockenes Wetter war hebt sie sich von ihrer Umgebung deutlich ab. Auch hat sich der Boden an der Stelle des ehemaligen Grabens etwas gesetzt, sodass er ein wenig eingesunken erscheint. Bei einer Besichtigung am 9. November 1899 fand ich den Kreis, den die Mitte des Grabens bildet, ungefähr 78 m lang. Nach Abrechnung des Grabens, der mit 6 m oberer Weite mindestens anzusetzen ist, ergibt sich dann für das innere Rund ein Durchmesser von 22 bis 23 m.“ (Johnson 1900). Johnson erwähnt auch festes Mauerwerk, auf das die Arbeiter bei der Einebnung des Walles 1866 gestoßen sein sollen. Johnsons Beschreibung lässt allerdings Skepsis aufkommen. Die vermeintliche Befestigungsanlage befindet sich ziemlich in der Mitte der Elsterniederung, dort, wo der Mühlgraben vom Fluss abzweigt. Einsenkungen, Mauerwerk und Aufwölbungen könnten auch auf das Mühlgrabenwehr an dieser Stelle zurückgeführt werden, zumal Johnson von einem 78 m langen Graben spricht.

Amandus Haase übernahm Johnsons Beschreibung: „Von der frühdeutschen Wasserburg „Zwiezaun“ in Oberweischlitz bei Plauen ist auf der Oberfläche der Wiese Lage und Ausdehnung nicht mehr zu erkennen. Auch sonst sind keine Merkmale vorhanden, die auf das Vorhandensein der Anlage hinweisen.“ (Haase am 23.01.1938 an Georg Bierbaum). Trotzdem gelang ihm die Einmessung, die er jedoch als Bühl mit zwei umlaufenden Graben-Wall-Anlagen (wie in Werda) interpretierte (1937), bzw. als zwei nebeneinander aufgeschüttete Bühle mit 10 m und 23 m Durchmesser (1939).

1954 wurde auf dem als Sportplatz genutzten Gelände ein Degen mit eiförmigem Knauf, schlanker Angel und beidseitig nach unten gebogener Parierhaken gefunden, das vom Museum für Deutsche Geschichte an die Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert datiert wurde. Die schlanke Klinge weist einen Mittelgrad auf. Das kleine Loch an einer Knaufseite deutet darauf hin, dass der Degen ursprünglich mit einem Griffbügel ausgestattet war.

Weischlitz - Schwedenschanze

Schwedenschanze by G. Billig 1953

Schwedenschanze

Für Weischlitz werden mehrere mittelalterliche Befestigungen genannt, von denen jedoch nur die sogenannte „Schwedenschanze“ gut im Gelände zu erkennen ist. Hier wurden auch archäologische Untersuchungen von Amandus Haase und Gerhard Billig durchgeführt.

Der runde Bühl mit relativ planer Oberfläche hat einen Durchmesser von etwa 27 m. Es ergibt sich eine Nutzfläche von fast 420 qm. Eine randliche Erhöhung (heute etwa 0,5 m) weist auf eine ehemalige Umfassung wohl in Form einer Palisade hin. Der umlaufende Graben ist ungefähr 8 m breit, der Außenwall 4 m.

Auffällig ist eine künstlich aus dem Felsen gearbeitete, quadratische Vertiefung (2,5 m Seitenlänge) auf der Nordostseite des Bühls, die als Brunnen angesprochen wird.

Eduard Johnson zählt eiserne Pfeilspitzen, dolchartige Eisenspitzen, kleine flache Hufeisen und einen gut erhaltenen Fingerring aus Goldbronze als Funde in der Nähe der Anlage auf. (Mitteilungen Altertumsverein Plauen 17, 1905/06). Nach Aussage des Rittergutsbesitzers Keller von 1934 wurden sie jedoch am Laneckhaus gefunden.

Im Juli und August 1953 wurde durch Gerhard Billig eine archäologische Untersuchung durchgeführt, nachdem die Wismut AG einen 1,5 m breiten Schürfgraben durch die Anlage angelegt hatte. Für den Außenwall konnte Gerhard Billig Hinweise auf eine Absicherung der Wallschüttung aus größeren Steinen auf beiden Seiten an der Basis („Widerlager“) finden. Eine weitere Steinpackung auf der Wallkrone deutete er als einen trockenmauerartigen oberen Abschluss aus kleineren Steinen. Dies schien ihm jedoch zu einer Erneuerung des Walles zu gehören. Ursprünglich war der Wall wohl mit einer Lehmschicht verkleidet, die allerdings im Laufe der Zeit abgerutscht oder abgespült wurde und sich vor dem Wall als bis zu 1 m mächtige Lehmschicht abgelagert hat. Groben Berechnungen zufolge müsste der Wall ursprünglich über 2 m hoch gewesen sein.

Da sich im Innern des Bühls keine Kulturschichten und auch keine älteren Funde erkennen ließen, geht Gerhard Billig nur von einer temporären Nutzung der Wallanlage aus. Ein besonderer Vorteil der „Schwedenschanze“ ist der weite Ausblick nach Süden, während die nähere Umgebung (insbesondere der Elsterlauf) nicht einzusehen ist. Hinweise auf eine Wüstung in der Nähe der Befestigungsanlage gibt es nicht. Etwa 200 m nordwestlich kreuzen sich zwei ältere Wegetrassen.

1953 führte Gerhard Billig eine archäologhische Dokumentation auf der Schwedenschanze durch, da eine Bergbauschürfung einen Graben durch die Anlage gezogen hatte. Es konnte ein Profil der Wallschüttung aufgenommen werden.

Zeichnung by Martin Salesch 2026

Es wird immer wieder behauptet, dass es sich bei der Schwedenschanze bei Weischlitz um eine Feldschanze schwedischer Truppen handelt. Die Schanzanlagen des Dreißigjährigen Krieges sind aber nicht wie die Bühlburgen erhöht gebaut. Vielmehr wurde das Material für die Wallschüttung aus dem umlaufenden Graben und aus dem Inneren der Anlage genommen. Damit konnte eine plane Fläche für die Zelte geschaffen werden. Zumeist waren diese Feldlager quadartisch angelegt. In Weischlitz ist sehr deutlich zu erkennen, dass die runde Erhöhung in der Mitte und auch der umlaufende Wall mit einer Palisade geschützt wurde. Dies ist in Form einer leichten Aufwölbung am Rand des Bühls und auf dem Wall zu erkennen (in der Zeichnung orange hervorgehoben). Der quadratische Brunnen an der NordOst-Seite deutet auf einer längerfristige Belegung der Bühlburg.

Die Höhenlinien machen die Spornlage der Befestigungsanlage deutlich. Von hier aus hatte man zwar keinen Blick auf die Weiße Elster, dafür aber einen Weitblick in alle Himmelrsrichtungen.

Zeichnung by Gerhard Billig 1953

Originalzeichnung von Gerhard Billig 1953. Die Schwedenschanze bei Weischlitz bietet bislang den einzigen Profilschnitt durch eine Bühlburg des sächsischen Vogtlandes. Der Ausgräber vermutet aufgrund der Profilaufnahmen zwei Belegungsphasen mit einer längerfristigen Zwischenzeit, in der der erste Wall mit Palisade verfiel und abrutschte. Dann wurde die Befestigung wiederhergestellt und auf dem Scheitel mit einer Steinmauer verstärkt. Eine genauere zeitliche Einordung der beiden Phasen ist jedoch nicht möglich. Datierende Funde wurden nicht gemacht.

Weissensand

Weissensand by Martin Salesch 2026

Weissensand

Auf einem nach Nordwesten ausgerichteten Sporn am linken Ufer der Göltzsch befindet sich eine Befestigungsanlage, die im Volksmund „Heidenschanze“, „Schlossberg“ oder „Burg“ genannt wird. Eine erste Kartierung wurde von Curt Gerber vorgenommen.

Die eiförmige Kernburg hat einen Flächeninhalt von etwa 444 m2. Sie reicht wie der südlich umlaufende ungefähr 5 m breite sichelförmige Wall bis 374 m über NN. Kernburg und Wall sind also gleichhoch. Der innere 4 bis 6 m breite Graben schneidet heute noch 3 bis 4 m in den felsigen Untergrund ein, der äußere 3 m breite Graben 2 m. Das südlich an den Sporn anschließende Gelände liegt bei 377 m über NN.

Im Nordwesten schließen noch zwei Terrasse an die Kernburg an, die auf 370 (20 x 15 m Fläche) bzw. 368 m (5 x 30,5 m Fläche) über NN liegen. Ob sie eine Funktion als Vorburg hatten lässt sich nicht sagen. Ohnehin ist es schwierig nur aufgrund der Oberflächenstruktur Rückschlüsse auf die Bebauung und Nutzung einer Burg zu fassen. Hingewiesen sei aber auf eine größere Vertiefung im nördlichen Bereich der Kernburg, direkt an der steilen Hangkante. Hier könnte eine geschützte Bebauung gestanden haben, von der aus der Blick über das gesamte Göltzschtal gegeben war. Merkwürdig ist eine quadratische Vertiefung im Süden des inneren Grabens (etwa 3,5 x 3,5 m). Hier ist der anstehende Fels senkrecht ausgebrochen. Hypothetisch könnte es sich um einen Brunnenschacht handeln (ähnlich Schwedenschanze bei Weischlitz). Die beiden Befestigungsgräben werden sicherlich trocken gewesen sein.

1942 führte Amandus Haase eine kleine Untersuchung im südlichen Bereich er Kernburg durch (1 x 2 m), deren Funde allerdings im Krieg verloren gegangen sind. Er berichtet von Steinplatten, die vom Kernwerk in den inneren Graben gerutscht sein sollen und vermutet deshalb eine Umwehrung in Form einer Steinmauer. Die Steine könnten aber auch von Gebäudefundamenten auf dem Kernwerk stammen.

Für den Zugang zur Burg gibt es keine sichtbaren Hinweise.

Mehrere Wegespuren deuten darauf hin, dass Weißensand ein Kreuzungspunkt und ein Übergang durch das Göltzschtal war. Im Süden des Ortes verlaufen alte Wegtrassen in nord-südlicher Richtung. Im Göltzschtal und dessen Hängen sind ost-westlich verlaufende Altwege zu erkennen. Das Göltzschtal ist bereichsweite recht breit (bis 150 m) und war deshalb wohl auch im Tal verkehrstechnisch nutzbar. Ansonsten verlaufen die alten Wegetrassen vielfacht oben auf den Höhenzügen.

Der Ort Weißensand wird im Jahr 1271 erstmals erwähnt (Wissensande). Keramikfunde vom rechten Göltzschufer (Kleinweißensand) weisen eine Besiedlung schon während der jüngeren Bronzezeit nach. Johannes Leipoldt interpretiert gewagt: „Es kann kein Zweifel darüber bestehen, dass es der Junker auf Weißensand war, der von seiner hörigen Bauern Schweiß diese kleine burgartige Befestigung zu seinem, seiner Familie und seines Gesindes Schutz anlegen ließ. Das muss aller Wahrscheinlichkeit nach im 13. Jahrhundert gewesen sein.“ (Leipoldt 1954, S 6).

Weissensand - Brunnen

Nur 126 m südöstlich der Bühlburg Weissensand erkundete C. Gerber aus Lengenfeld im November 1942 am Hang zur Göltzsch (Burgleite) einen alten Brunnen. Er gehörte vermutlich nicht zur Befestigung, da diese einen eigenen Brunnen besaß. Allerdings befinden sich im unmittelbaren Umfeld keinerlei Hinweise auf eine Siedlung oder wirtschaftliche Nutzung. Um 1900 wurde der Brunnen wohl noch vom Rittergut genutzt. Bei dem Brunnen handelt es sich um eine Quelleinfassung (Brunnenstube) mit Vorplatz.

Zeichnungen der Brunnenstube by C. Berger 1942

Werda

Modell der Bühlburg Werda, Vogtlandmuseum

Werda

In der Niederung des Steingeröllbächels zeichnet sich noch heute in der Grundstücksstruktur eine kreisrunde Einheit von über 70 m im Durchmesser ab. Diese markiert den Standort der mittelalterlichen Bühlburg. Der mittige Bühl misst 25 m im Durchmesser und wird von einem doppelten Wallgraben geschützt. Der innere Graben ist 7 bis 8 m breit. Davor befindet sich ein etwa 4 m breiter Wall, dann ein zweiter etwa 7 m breiter Graben und ein zweiter 4 m breiter Wall. Es handelt sich also um eine recht große Anlage.

Heute sind allerdings Teile zugeschüttet, planiert und überbaut. Richard Lorenz errichtete 1910 ein Stickereigebäude und berichtet: „Seinerzeit war nicht nur der auch heute noch gut sichtbare Bühl vorhanden, sondern auch an der Westseite zwei Wallgraben und zwei Erdwälle. Den äußeren Wallgraben und einen Teil des inneren grub ich ab und füllte mit der Erde den äußeren Wallgraben zu, auf dem jetzt das Gebäude steht. Die Wallgraben waren etwa zwei Meter tief mit Wasser angefüllt […]. Die Wälle waren etwa drei Meter breit. In der Mitte müssen in früherer Zeit Holzstämme senkrecht eingegraben gewesen sein, denn bei dem Abschachten wurden die Reste im Wallinnern gefunden. Es waren Rundhölzer, die dich nebeneinander standen und eine Stärke von etwa 25 cm gehabt haben.“ (zitiert nach interner Mitteilung von Amandus Haase am 22. Januar 1938).

Am 26. Oktober 1935 erschien in den Falkensteiner Heimatblättern ein kleiner Bericht von H. Heinel, der noch ein weiteres interessantes Detail erwähnt: „Im nordwestlichen, noch recht gut erhaltenen Teil des Ringgrabens ist ein kleiner, wohl nur selten versiegender Brunnen von geringer Tiefe angelegt.“ Auch in der Schwedenschanze bei Weischlitz wurde im umlaufenden Graben ein in den Felsen getriebener Brunnen entdeckt.

Archäologische Untersuchungen wurden nicht durchgeführt. Im März 1938 entstand ein Modell der Bühlburg, dass im Vogtlandmsueum zu sehen ist.

Wiedersberg

Wiedersberg by Martin Salesch 2026

Wiedersberg

Wiedersberg wird erstmalig in einer Urkunde aus dem Jahr 1203 erwähnt. Zunächst ist die Herrschaft im Besitz der Herzöge von Meran und ab 1248 Besitz der Vögte von Weida. Als Lehnsträger wird 1267 Reimboto de Widersberch, um 1288 Eberhard de Widersberch und 1298 Eberhardus der Jüngere de Widersberch aufgeführt. 1357, als Wiedersberg an die Wettiner fällt, wird der Begriff „schloss“ benutzt. Ein Jahr später bezeichnet man die Burg als „feste“ und 1378 als „castrum“. 1386 belehnt Markgraf Wilhelm I. Jan Rabe mit Wiedersberg. Zwischen 1421 und 1580 befindet sich Wiedersberg im Besitz der Familie von Machwitz.

Alfred Moschkau beschreibt die Burganlage 1878 nach den Angaben des Wiederbergers Kirchenschullehrers Ferdinand Gottlob Taubner (also zeitlich vor der fachgerechten Untersuchung durch Walter Bachmann): „Die Ruine besteht nur noch aus dem Rest eines viereckigen Turmes und geringen Mauerrudera. […] Die Höhe des Turmes ist zurzeit ca. 4 – 5 m, die Mauerstärke ca. 2/3 m. Die Gesamtruinen sind von dreifachen Schanzgräben an der Waldseite eingefasst, deren höchste Höhe ca. 5 m, und größte Weite 2 1/3 m beträgt. Der Brunnen war merkwürdigerweise nicht im Gebiet der Burg, sondern ist jetzt noch etwa 100 Schritt davon entfernt, in den Felsen gehauen, vorzufinden. […] Zahlreich besucht, da inmitten der Ruine ein freundlicher Garten und das einstige Jägerhaus in eine Restauration umgewandelt wurde, ist es nur zu bedauern, dass von Seiten des Eigentümers nichts zur Erhaltung der Ruine getan wird, man vielmehr Steine und Mörtel zu allen möglichen Baulichkeiten von ihr entnimmt.“ (A Moschkau 1878, S 36).

Der als Brunen bezeichnete Schacht außerhalb der Burganlage ist wohl eher der Belüftung des darunter befindlichen Bergbaus zuzurechnen.

Da die Spornspitze mit der Burg etwa 7 m unterhalb des anschließenden Bergrückens liegt, waren zwei tiefe Gräben von 4 bis 5 m Breite und 40 bis 50 m Länge zur Absicherung notwendig. Sie wurden aufwendig in den Felsen geschlagen und lassen einen etwa 10 m breiten Felsblock zwischen sich stehen. Ein dritter Graben führt von Süden etwa 20 m in den Bergrücken hinein. Er könnte die Eingangssituation gestärkt haben, denn alte Wegetrassen münden hier in den Burgbereich.

Die Bereiche südöstlich und nordöstlich der Burg lassen sich nicht interpretieren. Vermutlich wurden sie neuzeitlich überprägt. Fortifikatorisch sind die Terrassen nachteilig. Es darf vielmehr davon ausgegangen werden, dass die schützenden Gräben bis an den Hang führten und auf der Südseite nur einen mit Toren und Brücken befestigte Zugang ermöglichten.

Der heutige Eingang zur Kernburg besteht in einem 6,5 x 7,5 m großen Turm aus 1,1 m breiten Mauern, der isoliert vor die Südumwehrung gesetzt ist. In ihm sind die Eingangstore rechtwinklig zueinander gesetzt, wobei von Toren gar nicht die Rede sein kann. Die ursprüngliche Situation dürfte auch eine andere gewesen sein. Vier größere Balkenlöcher an der Innenseite der Umfassungsmauer als Relikte eines kurzen Wehrganges sprechen allerdings dafür, dass sich der Eingang zur Kernburg an dieser Stelle befunden hat. Eine andere Stelle kommt aufgrund der steilen Hänge und Felsen auch gar nicht in Betracht.

Westlich des heutigen Eingangsturmes setzt ein etwa 4 m breiter Graben an, der zum Schutz der Burg direkt vor der hufeisenförmigen Umfassungsmauer herumgezogen ist. Wasserführend war er wahrscheinlich nicht. Nur an der nordwestlichen Rundung der Burg ist dieser Graben auf ungefähr 8 m ausgesetzt. Der Höhenunterschied wird am Nordende der Auslassung durch drei sauber in den Felsen geschlagene Stufen (0,4 m breit) überbrückt. Genau an dieser Stelle ist in der Umfassungsmauer ein 0,4 x 0,7 m großes Loch zu erkennen, dessen versinterte Ablagerungen auf einen Ablauf deuten. 4,3 m westlich ist am steilen Hang ein rechteckiger Schacht erkennbar. Er misst 2,3 x 2,0 m und weist an der Hangseite einen 2,0 m langen und 1,0 m breiten Kanal auf. Ganz offensichtlich diente er zur Abwasserführung der Burg. Walter Bachmann zeichnete einen Aborterker am Nordostturm ein, der in den inneren Halsgraben entsorgte, obwohl er hierfür an der Mauer keine Hinweise gibt. Diese Platzierung dürfte jedoch unwahrscheinlich sein, da die Fäkalien hier nicht weggespült werden konnten. Zu diskutieren wäre deshalb, ob der künstlich angelegte Schacht vor der Nordwestecke als Abort gedient haben könnte. Hier würden die Fäkalien nicht in den Graben, sondern den Hang hinuntergeführt. Allerdings wäre dafür eine Konstruktion wie bei einem Dansker notwendig, wobei die Nähe der Plauener Vögte zum Deutschen Orden durchaus eine Inspiration gegeben haben könnte.

Von der inneren Bebauung der Burg hat sich ein 16 m langes Gebäude erhalten, dass neuzeitlich als Jägerhaus und Waldrestaurant genutzt wurde. Der gewölbte Raum im Erdgeschoss darf aber der mittelalterlichen Bausubstanz zuzurechnen sein.

Besonders stark ausgebaut ist die Ostseite der Burg. In der Literatur wird seit der Untersuchung von Walter Bachmann eine 1,6 m breite und sehr hohe Mauer (Schildmauer) angenommen, die auf knapp 10 m Länge zwischen den Ecktürmen für Sicherheit vom höher gelegenen Bergrücken sorgte. Der leicht schiefwinklige Nordostturm mit 2,5 m breiten Mauern steht in gerader Flucht mit der Ostwand. Der Südostturm allerdings nicht. Er weist in seiner Ausrichtung deutlich ab und bildet quasi eine kleine Spitze nach Südosten. So hat es eher den Anschein, als ob hier zwei unterschiedliche Bauphasen aufeinandertreffen.

Zeichnung by Walter Bachmann 1940 mit Abortrekonstruktion by Martin Salesch 2026

Rekonstruktionsversuch des Danskers in den Aufriss von Walter Bachmann übertragen: Über dem quadratischen Schacht, der künstlich in den Berghang gehauen wurden (rot markiert) erhebt sich ein schlanker Turm in Holzkonstruktion. Der Abort im Turm ist über einen brückenartigen Holzgang zu erreichen. So können die Fäkalien außerhalb des umlaufenden Burggrabens entsorgt werden. Am Hang sind weitere künstliche Strukturen zu erkennen, die zum Feilebach hinunterführen. Der von Walter Bachmann am Wehrturm eingezeichnete Aborterker hätte die Fäkalien in den 1. Felsen-Graben entsorgt, wo sie liegen geblieben wären.

Wildenau

Wildenau by Gerhard Billig 1954 (KI-koloriert)

Wildenau

(Text in Vorberitung)

Wintersreuth

Wintersreuth by unbekannt, August 1977

Altes Schloss Wintersreuth

Die Befestigungsanlage im oberen Lauf des Schlossbächels (etwa 1,5 km südlich von Landwüst) ist im Gelände als runder Bühl mit einem Durchmesser von etwa 24 m (etwa 400 m2 Fläche), einem 5 bis 7 m breiten umlaufenden Graben und einem etwa 4 bis 5 m breiten Wall zu erkennen. Die Außenkante des Bühls ist leicht erhöht, was auf eine Umwehrung mit einer Palisade schließen lässt. Eine trichterförmige Vertiefung auf der Nordwestseite wurde als Brunnen gedeutet, was jedoch aufgrund der Lage der Burg mitten im Bachbett anzuzweifeln ist. Vielmehr dürfte es sich um Reste der um 1875 (Revierverwalter Engelhardt) und erneut im August 1916 (Feldwebelleutnant Max Naebe) durchgeführten Ausgrabung handeln.

Bei den Ausgrabungen wurde kein Mauerwerk gefunden. Die verschollenen Fundstücke umfassten laut Rudolf Laser Keramikscherben mit Bodenmarken, Eisenreste, Holzkohle, Eisenschlacken und Bruchstücke roter Ziegel. Für diese Funde wird eine Datierung ins 13./14. Jahrhundert angegeben. Gerhard Billig vermutet deshalb eine Errichtung der Anlage im späten 12. oder frühen 13. Jahrhundert.

Westlich der Burg soll sich eine Siedlung befunden haben, die wohl im 15. Jahrhundert wüst gefallen ist. Da die Hänge am Bach relativ steil sind, kommt dafür eigentlich nur eine Fläche nordwestlich des Bühls in Frage.

Östlich dieser Anlage, etwa 700 m vom Bühl entfernt, befindet sich eine größere Zahl alter Hohlwege, die zur Verkehrsverbindung zwischen Plesná und Markneukirchen gehörten.

Wohlbach

Der 1405 erstmals erwähnte Ortsname Wohlbach (Walpach) wird mit dem regional gebräuchlichen Wort Wal bzw. Wol in Verbindung gebracht. Es bezeichnet eine Wallanlage. Amandus Haase schloss daraus, dass die Bühlburg zeitlich vor die Entstehung des Ortes zu setzen ist. „Bei Wohlbach ist die ursprüngliche Wehranlage stark verwischt, aber noch erkenntlich. Sie liegt ebenfalls im Straßenkreuz. Der Bühl [wohl 12 m Durchmesser] ist eingeebnet. Auf ihm steht die kleine Kirche. Geschützt war er durch zwei Gräben. Von beiden sind die Merkmale hinter der Kirche noch gut sichtbar. Der äußere ist 9 m und der innere 9,5 m breit.“ (Haase in einem Brief vom 11.04.1942 an den Landespfleger für Bodenaltertümer Bierbaum).

Noch heute ist das Flurstück der Kirche als annähernd runde Fläche mit einem Durchmesser von 33 bis 35 m eingetragen. Die Flurgrenze markiert den umlaufenden Wall, der im Osten und Norden noch als 4 bis 5 m breite Erhebung zu erkennen ist. Im Süden und Westen hat der Straßenbau den Wall überprägt. Ein zweiter Graben ist im Gelände nicht nachweisbar.

Die Anlage befindet sich am Rand des Eisenbaches. Am Hang hinter der Kirche haben sich alte Wegespuren erhalten, die eine Funktion der Wohlbacher Bühlburg zur Wegekontrolle vermuten lassen. Es ist allerdings zu fragen, ob die undatierte Anlage zu einer weltlichen Bühlburg oder einer christlichen Wehrkirche gerechnet werden muss.

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